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Polit-Kino: Oliver Stone plant Film über Ahmadinedschad

Er kann es nicht lassen: Nach seinen Dokumentationen über Fidel Castro und Hugo Chávez will US-Regisseur Oliver Stone mit Mahmud Ahmadinedschad nun den dritten Erzfeind der USA porträtieren. Der iranische Präsident hat schon sein Placet gegeben, will aber das Drehbuch vorher lesen.

US-Regisseur Stone: Filmische Vorliebe für umstrittene Politiker Zur Großansicht
Getty Images

US-Regisseur Stone: Filmische Vorliebe für umstrittene Politiker

Hamburg/Teheran - Oliver Stone will im Iran einen Dokumentarfilm über Mahmud Ahmadinedschad drehen. Stone wolle in den nächsten zwei bis drei Wochen in den Iran reisen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch. Sein Sohn Sean sei bereits im Land, um Drehorte ausfindig zu machen.

Der dreifache Oscar-Gewinner wollte schon im Jahr 2007 ein Porträt des iranischen Präsidenten drehen. Er habe dann aber keine Zeit gehabt, teilte sein Sprecher mit. Ahmadinedschad soll den Berichten zufolge dem Filmprojekt zugestimmt haben - allerdings nur unter bestimmten Auflagen. Er will das Drehbuch vor Drehbeginn genau unter die Lupe nehmen und keine fiktionalen Szenen erlauben.

Der US-Regisseur ("Platoon", "Natural Born Killers") hat eine filmische Vorliebe für Politiker, die von der US-Regierung als Führer von Schurkenstaaten eingeschätzt werden. 2002 begleitete er für seine Dokumentation "Comandante" (2003) drei Tage lang den kubanischen Altrevolutionsführer Fidel Castro mit der Kamera. Für "South of the Border" (2009) besuchte er den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez - und präsentierte seinen Film damals bei den Filmfestspielen in Venedig auch gleich gemeinsam mit dem Anführer der "bolivarischen Revolution".

In seinen Castro- und Chávez-Porträts hat der 64 Jahre alte Filmemacher versucht, der Dämonisierung der linken lateinamerikanischen Politiker in der westlichen Welt entgegenzuwirken. Kritiker warfen ihm vor, ein idealisiertes Bild zu zeigen.

Auch der iranische Präsident hofft offensichtlich auf positive Imagebildung: Stone habe die Drehgenehmigung erhalten, berichtet Fars, nachdem er betont hatte, dass der Dokumentarfilm das Bild des Islams sowie Ahmadinedschad selbst in ein besseres Licht rücken solle.

2007 dagegen hatte die iranische Regierung die Filmarbeiten auf ihrem Territorium abgelehnt. Man sei sich zwar dessen bewusst, dass Stone zur US-Opposition gehöre, hatte Ahmadinedschads Sprecher damals erklärt, dennoch sei er Teil des "großen Satans", wie die USA von islamistischen Fundamentalisten gerne bezeichnet werden.

Die konservative Tageszeitung "Kayhan" hatte seinerzeit einen Leitartikel veröffentlicht, der sich vehement gegen das Projekt des US-Regisseurs aussprach. Der Artikel kritisierte Stone unter anderem dafür, dass er aus dem im Iran verhassten hellenischen Kriegsherren Alexander einen Held gemacht habe und dass er in "World Trade Center" die Anschläge vom 11. September der islamischen Welt zuschreibe. Vor allem der Film über Jim Morrison und The Doors zog seinerzeit den Zorn des Blattes auf sich: Hier habe Stone "einem perversen und halbverrückten Sänger, der während seiner Konzerte auf die Köpfe seiner Fans zu pinkeln pflegte", ein filmisches Denkmal geschaffen.

twi/dpa

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