Politsatire "Team America" Bombenstimmung überall

Holzköpfe, die die Welt befreien: Die beiden "Southpark"-Macher Trey Parker und Matt Stone haben mit Marionetten eine bitterböse Politsatire inszeniert. Torpediert werden dabei alle - Militärs, Politiker und liberale Stars. Am Ende siegt die Einsicht: Freiheit ist der einzige Weg. Wer's nicht kapiert, muss dran glauben.

Von Daniel Haas


"Team America"-Heldin Lisa: Freiheit ohne Wenn und Aber
UIP

"Team America"-Heldin Lisa: Freiheit ohne Wenn und Aber

Zum Beispiel Paris: Der Franzose trägt artig sein Baguette spazieren, freut sich an Wein, Amour und Savoir Vivre - dem Turbanträger aber, der seine Hauptstadt terrormäßig zunichte machen will, ist er hilflos ausgeliefert. Wie gut, dass hier das Team America zur Stelle ist: Mit Jets, Helikoptern und Raketen wird dem Muselmanen heimgeleuchtet. Dass am Ende auch Eiffelturm, Louvre und Arc de Triomphe in Trümmern liegen, muss in Kauf genommen werden. Hey, Freiheit, hat ihren Preis!

Oder der Mittlere Osten: Hier verschanzen sich bekanntlich die Osamas und Saddams, denen europäische Weicheier lange genug um den Terroristenbart gegangen sind. Team America räumt endlich auf: Mit Karacho werden "derka derka" brabbelnde Wüstensöhne ins Jenseits gebombt. Kollateralschäden? Nur ein paar Pyramiden und die Sphinx. Oops, they did it again!



Attacke mit Macke

So sieht es also aus, wenn sich Trey Parker und Matt Stone der Politik annehmen: Eine mit großäugigen Marionetten besetzte Eingreiftruppe, deren Militärbasis der ausgehöhlte Mount Rushmore ist, randaliert um den halben Globus und hat dabei nur ein Ziel: die freie Welt von Terroristen und liberalen Hollywood-Stars zu befreien.

Letztere schließen sich zur Film Actors Guild - genussvoll immer wieder als "F.A.G", Schwuchtel, tituliert - zusammen und unterstützen in Gestalt von Susan Sarandon, Sean Penn, Tim Robbins und Matt Damon ausgerechnet den kommunistischen Machthaber Kim Jong Il. Der will "9/11 mal 2356" lostreten, eine Katastrophe also, die nur von wahren Superhelden verhindert werden kann.

Keiner für alle, alle für keinen: Team America, die non-ideologische Eingrifftruppe
UIP

Keiner für alle, alle für keinen: Team America, die non-ideologische Eingrifftruppe

Nachdem zahllose Moslems ihr unchristliches Ende fanden, kämpfen sich die Recken ins Führerhauptquartier des Bösen vor. Dort fristet Kim sein ödes Diktatorendasein hinter der hässlichsten Kassenbrille der Welt, zwischendurch taucht UN-Waffeninspekteur Hans Blix auf (und gleich wieder ab, in einem Haifischbecken), und am Ende wird ihn ausgerechnet ein zum Kriegsheld mutierter Ex-Musical-Star zur Strecke bringen.

Von Kleinstadtkids zu globalen Killern

"Team America" ist eine Mischung aus Jerry-Bruckheimer-Action und Augsburger Puppenkiste, versetzt mit Harald-Schmidt-Humor. Geschont wird hier keiner: Kriegsgegner, Kriegstreiber, alle geraten ins Kreuzfeuer von Parkers und Treys juvenilem Humor. So scheint der Film auf den ersten Blick die konsequente Fortsetzung der TV-Serie "Southpark" zu sein. In der schnoddrig hingestrichelten, von kaputten Kids bevölkerten Kleinstadtwelt wurde alles verulkt, was kulturell irgendwie Bedeutung haben könnte - von Stammzellenforschung über Pokémon bis zur "Passion Christi". "Team America" knöpft sich nun die US-Regierung mit ihrer Feldherrenattitüde und ihre prominenten Gegner vor.

Dass dabei ausschließlich liberale Stars verbannt, geköpft oder wie Michael Moore als verfressener Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt werden, rechtskonservative Medienvertreter jedoch gar nicht in Erscheinung treten, hat die amerikanische Kritik verunsichert.

Trey Parker (l.) und Matt Stone am Set von "Team America": Versteckt reaktionär?
UIP

Trey Parker (l.) und Matt Stone am Set von "Team America": Versteckt reaktionär?

Sind Trey und Parker vielleicht doch Wölfe im Schaftspelz, Reaktionäre, die hinter der Fassade satirischer Überdrehtheit einem stocksteifen Patriotismus frönen? Wie sollte man die Posse, die in den USA kurz vor den Wahlen startete, einordnen? Als Anti-Bush-Statement? Oder doch als Rundumschlag gegen Hollywood-Gutmenschen und diplomatische Greenhorns, die zu Friedenskonferenzen nach Nordkorea reisen?

Vielleicht ist "Team America" einfach nur aufsässig, laut, schrill und gemein, ein Filmscherz, der sich draufgängerisch pubertär über das Ideologische selbst hermacht. Gut, böse, rechts, links - was spielt's für eine Rolle, wenn die ganze Welt buchstäblich von Holzköpfen bevölkert wird.


Team America ("Team America: World Police"). USA 2004. Regie: Trey Parker. Drehbuch: Matt Stone, Trey Parker, Pam Brady. Verleih: UIP. Länge: 98 Minuten. Start: 30. Dezember 2004.





© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.