Polnische Regie-Legende Jerzy Kawalerowicz ist tot

Er galt als Begründer des modernen polnischen Kinos und feierte mit monumentalen Historienfilmen internationale Erfolge. Jetzt ist der polnische Regisseur Jerzy Kawalerowicz im Alter von 85 Jahren verstorben.


Warschau/Hamburg - Wie der polnische Rundfunk unter Berufung auf die Polnische Filmvereinigung meldete, starb Regisseur Jerzy Kawalerowicz am Donnerstag im Alter von 85 Jahren in Warschau.

Regisseur Kawalerowicz: Mitbegründer der polnischen Filmkunst
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Regisseur Kawalerowicz: Mitbegründer der polnischen Filmkunst

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Kawalerowicz zu den Mitbegründern der polnischen Filmkunst. Seit 1956 leitete er die einflussreiche Produktionsfirma Kadr, in der Größen des polnischen Kinos wie Andrzej Wajda, Andrzej Munk und Kazimierz Kutz mitwirkten.

Kawalerowicz wurde 1922 in Gwozdziec im polnischen Ostgalizien geboren. Zunächst wollte er Maler werden, entschloss sich dann jedoch am Krakauer Filminstitut und der Film- und Theaterakademie in Lodz zu studieren.

Insgesamt führte Kawalerowicz Regie bei 17 Spielfilmen, die bei den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin ausgezeichnet wurden. International beachtet wurde Kawalerowicz' Arbeit erstmals 1955 mit dem Film "Cien" ("Der Schatten"). Als sein bedeutendstes Werk gilt "Matka Joanna od aniolow" ("Mutter Johanna von den Engeln", 1961) das in Cannes mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Der Film thematisiert die Liebe zwischen einem Priester und einer Nonne im 17. Jahrhundert und entschied sich gegen die strikten Regeln der Institution Kirche - und für eine aufgeklärte Haltung. Der 1965 gedrehte "Faraon" nach Boleslaw Prus' Roman "Pharao" nahm sich ebenfalls eines historischen Stoffes an. Der Monumentalfilm verarbeitet allegorisch die zaristische Unterjochung des polnischen Volkes und wurde für einen Oscar nominiert.

Die folgenden Jahrzehnte drehte Kawalerowicz allerdings kaum noch selbst, sondern arbeitete in der Kulturadministration. 1985 wurde er für vier Jahre Abgeordneter im Sejm, dem polnischen Parlament, von 1986 bis 1990 gehörte er auch dem Nationalen Kulturrat an. Erst 1990 machte Kawalerowicz wieder als Regisseur von sich Reden: Er verfilmte "Bronsteins Kinder", den berühmten Roman von Jureck Becker.

Mit einer Neuverfilmung von "Quo Vadis" kehrte er schließlich 2001 zum Monumentalfilm zurück. Der Film wurde im Beisein von Papst Johannes Paul II. in Rom uraufgeführt. Die 18 Millionen teure Produktion gilt als teuerster polnischer Film aller Zeiten.

tdo/dpa



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