Google-Propaganda "Prakti.com" Oh, wie schön ist Mountain View

Neuer Indikator für die Macht von Google: Hollywood hat einen spielfilmlangen Werbespot für den Netzgiganten gedreht. Das Anliegen der Komödie "Prakti.com" ist es, Google als attraktiven Arbeitgeber zu zeigen. Wie konnten sich die Stars Vince Vaughn und Owen Wilson nur darauf einlassen?

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Ein neuer Film mit den Hollywood-Superkumpels Vince Vaughn und Owen Wilson? Den Stars aus erfolgreichen Komödien wie "Die Hochzeits-Crasher"? Fast, denn was sich da als Sommerkomödie namens "Prakti.com" tarnt, ist tatsächlich ein überlanger Google-Werbespot.

Vaughn und Wilson spielen darin Billy und Nick, zwei Handelsvertreter um die 40 Jahre, die ihren Job verlieren, weil das Geschäft mit dicken Armbanduhren nicht mehr läuft. Selbst die Sekretärin der Firma, eine Dame im besten Rentenalter, schaut für die Uhrzeit auf ihr Handy. So spült das Digitale die Analog-Verkäufer auf den Arbeitsmarkt, und der hat, hallo Wirtschaftskrise!, nicht auf sie gewartet. Nick hat schon als Matratzenverkäufer angeheuert, als Billy beide für ein Praktikum bei Google anmeldet.

Für das Auswahlgespräch, das über Webcam stattfindet, müssen die beiden sich vor einen Computer in der Kinderecke einer Bibliothek quetschen - der technische Fortschritt ist an ihnen vorbeigegangen. Das Interview lässt keinen Zweifel zu: Sie haben keinerlei Qualifikation für ein Praktikum bei Google. Natürlich bekommen sie den Platz dank Schlagfertigkeit und Chuzpe trotzdem. Mit großen Augen tapsen sie über den Google-Campus in Mountain View: So viele junge, gutaussehende Menschen! Bunte Fahrräder! Selbstfahrende Autos! Kostenloses Essen!

War da nicht was mit Datenschutz?

Doch von der versammelten Praktikantenschar sollen nur einige Auserwählte Einlass in dieses Paradies finden, in dem Arbeit und Leben gleichbedeutend sind. Also treten die jungen Überflieger in Teams gegeneinander an: Apps programmieren, Telefonsupport leisten und Quidditch spielen (keine Sorge, Nick und Billy wissen auch nicht, was das ist). Klar, dass sich die High Potentials nicht um die beiden Uhrenverkäufer reißen. Mit drei übriggebliebenen Nerds bilden sie das Außenseiterteam.

Natürlich ist noch eine Liebesgeschichte eingestreut, klar gibt es eine zusammenschweißende Partynacht mit Alkoholkonsum, sicher doch werden dramatische Motivationsreden gehalten. Wie die formelhafte Kitschhandlung (Buch: Vince Vaughn und Jared Stern, Regie: Shawn Levy) ausgeht, muss hier nicht angedeutet werden.

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Werbemaßnahme "Prakti.com": Alles so schön bunt da
Gedreht wurde die Dauerwerbesendung teilweise an Originalschauplätzen, echte Google-Mitarbeiter laufen durchs Bild, Firmengründer Sergey Brin schaut vorbei. Für den Konzern mit seinen mehr als 44.000 Angestellten ist "Prakti.com" nach eigenen Angaben eine Marketingmaßnahme, um weitere Mitarbeiter anzulocken: Seht her, so schön sind unsere lichtdurchfluteten, ergonomisch eingerichteten Arbeitstempel. Fotos lustiger Büros zeigt der Konzern der Öffentlichkeit auch sonst viel lieber, als beispielsweise Fragen zum Datenschutz zu beantworten.

Hollywood setzt sich die Google-Brille auf und sieht nur noch bunt: Die Gags in "Prakti.com" lenken geschickt davon ab, dass hier gestandene Erwachsene ihr Glück in einem Praktikum genannten Auswahlprozess suchen, den die allermeisten nicht überstehen - für die Aussicht, mit den coolen Kids spielen zu dürfen. So unterwürfig sind Filmhelden selten.

Begraben unter kostenlosem Pudding

Was bei Google eigentlich gemacht wird - außer Anrufern den richtigen Umgang mit E-Mail zu erklären - spielt bei "Prakti.com" keine Rolle. Es geht um Fassade, sonst nichts. Auch die im Prinzip interessante Ausgangsfrage - was stellen Internet und Google eigentlich mit der Gesellschaft an? - wird schnell unter kostenlosen Puddings begraben. Google macht die Welt irgendwie besser, so konnte man es schon in "Die Vernetzung der Welt" nachlesen, dem Lehrbuch von Google-Außenminister Eric Schmidt.

Dass gerade diese Verheißung auf ein besseres - und mindestens für die eigenen Mitarbeiter längeres - Leben spannenden Stoff liefert, hat Shumeet Baluja mit seinem Roman "Silicon Jungle" gezeigt. Darin stellt ein skrupelloser Mitarbeiter eines Konzerns mit kultischen Aufnahmeritualen unangenehme Dinge mit den privaten Daten von Millionen von Nutzern an. Was das nun mit "Prakti.com" zu tun hat? Baluja arbeitet eigentlich als Wissenschaftler bei Google.

Wenn schon den Mitarbeitern bessere, hintergründigere Geschichten zum eigenen Unternehmen einfallen als professionellen Filmemachern, sollte sich Hollywood Sorgen machen.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
picard95 25.09.2013
1. Wow, ein Artikel voller Klischees über Klischees
Ein seltsamer Kommentar (Artikel kann man es nicht nennen). Mal ein Tipp: Die schnellste Methode bei Google gefeuert zu werden ist es die Dinge zu tun die im vorletzten Absatz (über den Roman von Shumeet Baluja) angesprochen werden. An den Redakteur: Einfach mal bei Google arbeiten und sich ein eigenes Bild machen anstatt die sattsam bekannten Meinungen über Google unreflektiert runterzubeten.
herr_jaspers 25.09.2013
2. Wie konnten sich die Stars Vince Vaughn und Owen Wilson nur darauf einlassen?
Sie sind möglicherweise mit Geld gezwungen worden, oder besseren Ratings (sorry, wird ja nicht gemacht). mfg
chris11114 25.09.2013
3. Sicher doch!
"Ein seltsamer Kommentar (Artikel kann man es nicht nennen). Mal ein Tipp: Die schnellste Methode bei Google gefeuert zu werden ist es die Dinge zu tun die im vorletzten Absatz (über den Roman von Shumeet Baluja) angesprochen werden. An den Redakteur: Einfach mal bei Google arbeiten und sich ein eigenes Bild machen anstatt die sattsam bekannten Meinungen über Google unreflektiert runterzubeten." Google will unsere Daten ja auch nur weil ihnen langweilig ist! Beim besten Willen Google entwickelt sich mehr und mehr zu einem Machtmonopol! Google kann entscheiden was man aus dem Netz zu sehen kommt! Und wenn sie ein Android Handy haben liest google nicht nur ihre Mails und Nachrichten sondern speichert auch die Ortsdaten (zur Verbesserung der Nutzererfahrung ist klar )! Beim besten Willen aber sie als Fanboys sollten Google vielleicht doch mal kritisch hinterfragen! Hier im Text stehen leider keine Klischees, das ist wohl die bittere Wahrheit!
52m.de 25.09.2013
4. Der Tom, der Cruise ...
... hat das in Top Gun doch auch für die Navi / Airforce gemacht. Aber wahrscheinlich wurden die wirklich mit Geld gezwungen.
Frankobayer 25.09.2013
5. guter film
iIch habe den Film schon gesehen, und er ist richtig gut. mag sein, dass es sich um propaganda handelt, wie 90% aller Filme. ich kann selbst urteilen, was wahr ist was nicht. ich finde übrigens dass google nicht soooo gut im film dargestellt wird, sondern eher realistisch mit überstunden, junge schnösel techies und nerds.
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