Programm komplett Viele deutsche Filme bei der Berlinale dabei

Die Berlinale ist vollständig: Am Dienstag komplettierte die Festivalleitung das Wettbewerbsprogramm - unter anderem mit deutschen Produktionen von Ulrich Köhler ("Bungalow") und von den Schwestern Samdereli ("Türkisch für Anfänger") sowie einem Berlin-Action-Thriller mit Liam Neeson.

Concorde

Berlin/Hamburg - Die ganz große Premiere hat die diesjährige Berlinale nicht im Wettbewerbsprogramm. Aber dafür einen erstaunlich hohen Anteil deutschsprachiger Filme. Freuen darf man sich auf den neuen Film von Ulrich Köhler ("Bungalow"), bei dessen Drehbuch seine Frau, die Regisseurin Maren Ade, mitgeschrieben hat: In "Schlafkrankheit" geht es mal nicht um die Nabelschau deutscher Jungerwachsener, sondern um einen lebenskriselnden Entwicklungshelfer in Kamerun, gespielt von dem holländischen Schauspieler Pierre Bokma.

Neben den neuen Filmen von Andrés Veiel ("Wer wenn nicht wir") und Wim Wenders (Tanzfilm "Pina" in 3D) zeigt die Berlinale auch den zweiten Langfilm von Yasemin und Nesrin Samdereli. Die Schwestern widmen sich nach ihrer Komödie "Alles getürkt" (2003) und ihrer TV-Serie "Türkisch für Anfänger" (2006) einem Mehrgenerationen-Film über eine türkische Gastarbeiterfamilie: In "Almanya" sucht der 6-jährige Cenk Yilmaz nach seiner deutsch-türkischen Identität - über die Erzählungen seiner Cousine taucht der Film in die Geschichte des Großvaters Hüseyin (Fahri Yarim / Vedat Erincin) ein, der Ende der Sechziger nach Deutschland kommt. Der Film läuft außer Konkurrenz.

Auch außer Konkurrenz läuft "Mein bester Feind" des österreichischen Regisseurs Wolfgang Murnberger ("Der Knochenmann"). Moritz Bleibtreu spielt einen jüdischen KZ-Häftling, der mit seinem bei der SS gelandeten Jugendfreund (Georg Friedrich) die Rollen tauscht: Aus dem Nazi wird der KZ-Insasse und umgekehrt.

Begehrter Finanzkrisen-Blockbuster

Mit "Unknown Identity" -ebenfalls außer Konkurrenz- feiert die Berlinale einen starbesetzten Action-Knüller, dessen Handlung in Berlin stattfindet: Liam Neeson spielt vor deutscher Hauptstadtkulisse einen Mann, der nach einem Autounfall aus dem Koma erwacht und in einem Alptraum landet: Seine junge, blonde Frau (January Jones) erkennt ihn nicht mehr, ein Killer (Stipe Erceg) jagt ihn. Ausgerechnet ein Ex-Stasimitarbeiter (Bruno Ganz) und eine Taxifahrerin (Diane Kruger) sind seine einzigen Verbündeten im Kampf gegen die identitätsraubende Verschwörung.

Nicht minder prominent besetzt ist das Spielfilmdebüt von J.C. Chandor: "Margin Call" zeigt 24 Stunden im Leben einer Gruppe von Investmentbankern in New York während des Finanzcrashs 2008 - gespielt von Kevin Spacey, Demi Moore, Paul Bettany, Stanley Tucci und anderen. Der Finanzkrisen-Blockbuster ist begehrt: "Margin Call" läuft bereits Ende Januar beim Sundance Film Festival.

Seine Weltpremiere auf der Berlinale dagegen feiert "The Forgiveness Of Blood" Joshua Marston. Der in Kalifornien geborene Regisseur ("Maria voll der Gnade") hat sich für seinen neuen Film ins ländliche Albanien gewagt. Mit Laien besetzt, erzählt er die Geschichte von albanischen Teenagern, deren Leben durch archaische Blutfehden gefährdet ist. In der Arbeit mit ungeschulten Darstellern kennt Marston sich aus: Auch die Hauptdarstellerin in dem kolumbianischen Drogenschmuggel-Drama "Maria voll der Gnade" hatte vor dem Dreh nur ein paar Schauspielstunden genommen.

Migrantische Putzfrauen im großbürgerlichen Paris

Lateinamerika wird in diesem Jahr von der mexikanischen Regisseurin Paula Markovitch und ihrem Spielfilmdebüt "El Premio" repräsentiert, sowie von "Un Mundo Misterioso" ("Rätselhafte Welt") des Argentiniers Rodrigo Moreno, dessen Film "El Custodio" ("Der Leibwächter") im Jahre 2006 auf der Berlinale lief.

Außerdem im Wettbewerb sind neben den bereits veröffentlichten Wettbewerbsfilmen: "A Torinói Ló" des ungarischen Regisseurs Béla Tarr ("Satantango", "Die werckmeisterschen Harmonien"), der iranische Film "Jodaeiye Nader az Simin" von Asghar Farhadi ("About Elly", "Fireworks Wednesday"), der 3D-Animationsfilm "Les contes de la nuit" von Michel Ocelot (Weltpremiere). Aus Südkorea kommt der Film "Saranghanda, Saranghaji Anneunda" ("Kommt Regen, kommt Sonnenschein") von Lee Yoon-ki ("Love Talk", "This Charming Girl"), der russische Regisseur Alexander Mindadze zeigt das Tschernobyl-Drama "V Subbotu" ("An einem Samstag") und der Franzose Philipe Le Guay die Komödie "Les femmes du 6ème étage" über eine Gruppe migrantischer Putzfrauen im großbürgerlichen Paris.

Hinzu kommen zwei Sondervorführungen: Aus Solidarität mit dem verurteilten iranischen Regisseur Jafar Panahi läuft am 11. Februar, dem Jahrestag der Iranischen Revolution, dessen Film "Offside". Und in einer Sondervorführung ist die europäische Premiere von Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm "Cave of Forgotten Dreams" im Berlinale-Palast zu sehen.

twi



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