Protest gegen RAF-Film Ponto-Witwe gibt Bundesverdienstkreuz zurück

"In geschmacklosester Weise verletzt" fühlt sich Ignes Ponto durch den Film "Der Baader-Meinhof-Komplex". Deswegen gab die Witwe des 1977 von der RAF ermordeten Bankiers Jürgen Ponto jetzt ihr Bundesverdienstkreuz zurück.


Hamburg - Als Bundespräsident wird es Horst Köhler gewohnt sein, unerwünschte Bürgerpost zu bekommen. Diese Sendung dürfte allerdings aus dem Rahmen gefallen sein: Ignes Ponto, die Witwe des 1977 von der RAF ermordeten Bankiers Jürgen Ponto, hat ihr Bundesverdienstkreuz an das deutsche Staatsoberhaupt zurückgeschickt. Sie hatte die Auszeichnung 1988 unter anderem für die Gründung und Begleitung der "Bundesbegegnung Schulen musizieren" erhalten.

Ignes Ponto 1977 bei der Beerdigung ihres Mannes: "In geschmacklosester Weise verletzt"
AP

Ignes Ponto 1977 bei der Beerdigung ihres Mannes: "In geschmacklosester Weise verletzt"

Der Grund für ihren symbolischen Protest? Mit dem von Bernd Eichinger produzierten Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" sei "eine neue Stufe der öffentlichen Demütigung" erreicht, sagte Ignes Pontos Tochter Corinna "Welt Online".

Zwar sei es Ignes Ponto seit dem Tod ihres Mannes gewohnt gewesen, "mit Verletzungen durch die Öffentlichkeit und deren Umgang mit der RAF umzugehen". Doch in "Der Baader-Meinhof-Komplex" werde "die Menschenwürde meiner Mutter und der ganzen Familie in ihrem Kern getroffen sowie Pietät und Andenken eines Toten in geschmacklosester Weise verletzt".

Schwere Vorwürfe richtet die Familie auch an die Bundesrepublik: Statt Aufklärung zu betreiben, teilfinanziere der Staat mittels öffentlich-rechtlicher Anstalten und den Filmförderfonds "diesen trickreich unhistorischen und gefährlich auch zur Gewalt verführenden Film und fördert ihn damit auch ideell."

Zudem sei an der Darstellung der Ermordung des Bankiers "so gut wie alles falsch". Jürgen Ponto, Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank, war im Juli 1977 in seinem Haus nahe Frankfurt am Main bei einem Entführungsversuch erschossen worden.

Corinna Ponto sagte zu der Darstellung in dem Film: "Während man sich anderswo bis zu korrekten Fahrzeug-Kennzeichen zu den historischen Details bekennt, verfährt man in dieser Szene frei nach Phantasie, was Haus, Interieur und Geschehen angeht. Von dem RAF-Attentat auf meinen Vater gab es bisher keine Bilder. Das war für uns immer ein gewisser Trost und auch ein Schutz. Diese falsche Überschreitung der Filmversion ins Private empfinde ich als besondere Perfidie."

Schon eine Woche vor dem offiziellen Kinostart des Films "Der Baader-Meinhof-Komplex" hatte Michael Buback schwere Vorwürfe gegen Produzent Bernd Eichinger erhoben.

Der Sohn des ebenfalls 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback beklagte in der Zeitschrift "Hörzu" die Geheimhaltungspolitik der Filmemacher. Buback beklagte, dass die Angehörigen der RAF-Opfer kein Mitspracherecht bei Inszenierung und Inhalt des Films gehabt hätten.

"Es bedrückt mich, dass wir als Angehörige von den für das Filmprojekt Verantwortlichen nicht über das Vorhaben informiert wurden", sagte er dem Blatt.

Eichinger selbst hatte dieses Vorgehen mit dem Anspruch der Authentizität und dem Fokus auf die Täter begründet.

ber/dpa

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