Quentin Tarantino über Roman Polanski "Das ist keine Vergewaltigung. Sie wollte es auch"

Hat Quentin Tarantino den Regisseur Roman Polanski und dessen sexuellen Missbrauch an einer 13-Jährigen verteidigt? Ein Interview aus dem Jahr 2003 legt das nah.

Filmemacher Quentin Tarantino
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Filmemacher Quentin Tarantino


Vor einigen Tagen erzählte Uma Thurman in der "New York Times" von grenzüberschreitendem Verhalten von Quentin Tarantino am Set von "Kill Bill" - jetzt steht der Regisseur wieder in der Kritik: In einem jetzt aufgetauchten Interview spricht Tarantino mit dem Radiomoderator Howard Stern 2003 über Roman Polanski, der vor mehr als 40 Jahren eine 13-Jährige vergewaltigt hat. "Er hat keine 13-Jährige vergewaltigt", lautet der Kommentar von Tarantino. Polanski habe Sex mit einer Minderjährigen gehabt. Das sei nicht das Gleiche.

"Das ist keine Vergewaltigung", schiebt er in dem Gespräch auf die entgeisterten Nachfragen von Stern und seiner Co-Moderatorin, Robin Quivers, nach. Und damit nicht genug: "Sie wollte es auch. Sie hat ihn gedatet."

Der heute 84-jährige Polanski lebt seit Ende der Siebzigerjahre in Europa, um sich der Strafverfolgung in den USA zu entziehen. Ihm wird sexueller Missbrauch eines damals 13-jährigen Mädchens vorgeworfen, das er noch dazu unter Drogen gesetzt hatte.

Das nun aufgetauchte Interview mit Tarantino löste heftige Reaktionen aus. Derweil steht Tarantinos nächstes Projekt schon länger fest: Sein neuer Film wird sich um die von der "Manson-Familie", dem Kult rund um Charles Manson, verübten Morde drehen - unter anderem wurde auch die Schauspielerin Sharon Tate im August 1969 mit 16 Messerstichen brutal ermordet. Dabei kam auch ihr noch ungeborener Sohn ums Leben. Tate war zu dem Zeitpunkt mit Roman Polanski verheiratet.

Ins Gesicht gespuckt

Am vergangenen Wochenende hatte die "New York Times" über Thurmans Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Harvey Weinstein berichtet. Am Rande ging es auch um die Dreharbeiten zu "Kill Bill". Da habe Tarantino ihr ins Gesicht gespuckt und sie mit einer Kette gewürgt. Zudem habe er sie zu einem gefährlichen Stunt genötigt.

Als Reaktion auf Thurmans Ausführungen hatte Tarantino sein großes Bedauern über sein Verhalten geäußert. Das Spucken und Würgen sei zudem im Einverständnis mit Thurman geschehen. Zugleich meldete sich Thurman wieder zu Wort und wies abermals darauf hin, dass der Regisseur die Auto-Szene, bei der sie sich verletzt hatte, schon damals "zutiefst bedauert" habe.

brs/ap



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