Ralf Möller Der germanische Gladiator

Russell Crowe muss nicht alleine kämpfen: Der deutsche Muskelmann Ralf Möller steht ihm im Film "Gladiator" zur Seite. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der ehemalige Bodybuilding-Weltmeister aus Recklinghausen über seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten.


SPIEGEL ONLINE:

Herr Möller, so entspannt, wie Sie hier sitzen, scheinen Sie sich von den anstrengenden Dreharbeiten ja recht gut erholt zu haben. Es heißt, die Schauspieler hätten häufig über Muskelschmerzen geklagt?

Actionheld der alten Schule: Möller
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Actionheld der alten Schule: Möller

Möller: Von der Physis her war "Gladiator" für mich kein Problem. Ich hatte im amerikanischen Actiongenre ja schon genug Erfahrungen sammeln können, unter anderem mit der "Conan"-Serie. Meine Herausforderung bestand im Schauspielern, in der Zusammenarbeit mit so erfahrenen Darstellern wie Oliver Reed, Derek Jacobi oder Richard Harris. Und die Arbeit mit Ridley Scott ist ohnehin ein Erlebnis. Jede Einstellung behandelt er wie ein Gemälde, achtet selbst bei den Statisten auf kleinste Details: Wenn da tausend Leute versammelt sind und zwei Kinder sitzen an einer Säule und sind im Gesicht nicht schmutzig genug, dann sieht er das sofort. So vermittelt er einem das Gefühl, dass jeder Satz, jedes Wort wichtig ist und man stets, auch wenn man keinen Dialog hat, hundertprozentig präsent sein muss.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie in der Schule eigentlich Latein gelernt?

Möller: Latein war eins meiner besten Fächer.

SPIEGEL ONLINE: Wirklich?

Möller: (lacht) Also, ich sag mal so: Natürlich liest man Bücher und erinnert sich aus dem Geschichtsunterricht noch an die Teutoburger Schlacht 9 nach Christus und dieses und jenes. Und ich hab mich zusätzlich erkundigt und schlau gemacht, um eine Vorstellung zu bekommen, wie es in so jemandem wie Hagen, den ich spiele, aussieht. Der entwickelt sich ja vom Sklaven zum Helden. Deswegen strahlt er, lächelt und fühlt sich wohl, denn er ist der Meister der Arena.

SPIEGEL ONLINE: Für einen Deutschen in einem amerikanischen Film kommen Sie tatsächlich erstaunlich sympathisch rüber.

Möller: Ja, das wollte Ridley so. Er wollte Hagen als positive Figur, nicht als finsteren Germanen. Deswegen hat er auch den Text gestrichen, den ich ursprünglich sagen sollte, als Hagen und Maximus sich zum ersten Mal begegnen. Da kitzele ich Russell Crowe ein bisschen mit dem Schwert und sage zu ihm: "Wenn ich dich jetzt töte, würde ich bestraft werden. Wenn ich dich in der Arena töte, werde ich belohnt werden." Jetzt ist es beim bloßen Kitzeln geblieben. Oder eine andere Stelle, als einer der Gladiatoren sich beklagt, dass er ein Schriftgelehrter sei - kein Kämpfer - und sieben Sprachen beherrsche. Dem antworte ich: "Bald wirst du in sieben Sprachen schreien können." Den Satz hat Ridley auch gestrichen, weil er fand, dass er zu sehr gegen mich arbeitete.

SPIEGEL ONLINE: Von den alten Römern stammt der Spruch vom gesunden Geist im gesunden Körper. Wie haben Sie denn das Verhältnis von Körper und Geist bei den Dreharbeiten empfunden? Sie sind ja wahrscheinlich zunächst einmal auf Grund Ihres Körperbaus gecastet worden, oder?

Möller: Bei Zwei- bis Dreihunderttausend arbeitslosen Schauspielern muss man erst mal sehen, dass man auffällt und seine besonderen Qualitäten ins rechte Licht rückt. Also: Bin ich ein hervorragender Schauspieler? Oder habe ich eine gewisse Präsenz? In Los Angeles sind alle schön, alle groß, alle genial. Die Besten stehen dort Schlange. Da hat es mir natürlich geholfen, dass ich 1986, als zum ersten Mal Dopingtests verlangt wurden, den Titel des "Mr. Universum" gewann. Beim amerikanischen Publikum, besonders bei den Frauen, ist es übrigens sehr gut angekommen, dass Ridley Scott richtige Typen gecastet hat, echte Kerle. Letztlich machen aber natürlich die Charaktere den Film aus.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie, reine Actionhelden sind überholt?

Möller: Heute kann jeder Actionheld sein. Sehen Sie sich nur Keanu Reeves in "Matrix" an. In den achtziger Jahren waren es Leute wie Jean-Claude van Damme, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, die dieses Genre ausmachten. Heute haben wir Nicolas Cage, der "Im Körper des Feindes" mit John Woo gemacht hat, dem derzeit größten Action-Regisseur. Oder wir haben Tom Cruise, der auch gerade mit Woo gedreht hat. Also: Große Schauspieler, Oscar-Gewinner wie Cage, gehen ins Actiongenre. Es ist nicht mehr so, dass man nur auf Grund des Körperbaus in Actionfilmen mitspielen kann. Das hat früher so funktioniert und war auch mein Einstieg. Aber dann muss man an sich arbeiten. Ich arbeite im Moment mit Acting- und Dialog-Coaches und versuche, aus den Rollen, die mir angeboten werden, möglichst viele charakterliche Facetten herauszuholen.

SPIEGEL ONLINE: Als nächstes wollen Sie die Geschichte von Max Schmeling verfilmen?

Möller: Nicht als nächstes. Das Max-Schmeling-Projekt ging von einem amerikanischen Produzenten aus. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines Juden, dem Schmeling damals das Leben gerettet hat. Ich würde das sehr gerne machen, es ist eine großartige Geschichte. Aber im Moment gibt es noch kein Drehbuch, sondern nur einen Entwurf. Es laufen noch die Verhandlungen zwischen verschiedenen Produktionsfirmen. Wenn alles gut geht, sind wir vielleicht in einem Jahr so weit, an die Dreharbeiten denken zu können.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft mussten Sie die Kampfszenen in "Gladiator" eigentlich spielen? Die sind ja aus ungeheuer vielen verschiedenen Einstellungen montiert.

Möller: In der Gladiatorenschule in Marokko haben wir etwa einen Monat verbracht... für ungefähr fünf Minuten Film.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in mehreren Science-Fiction-Filmen wie "Cyborg" oder "Universal Soldier" Zukunftshelden gespielt, aber auch viele Figuren aus vergangenen Zeiten verkörpert. Wo haben Sie sich wohler gefühlt, in der Zukunft oder in der Vergangenheit?

Möller: In der Vergangenheit, würde ich sagen. Ich mochte auch als Kind schon Filme wie "Spartacus" oder "Herkules", weil die Leute darin mehr auf sich selbst gestellt waren. Zukunftsfilme sind riesig interessant, aber da haben Sie die ganze Technik, Laserstrahlen und so. In den Geschichten aus der Vergangenheit ist das deutlich reduzierter. Das finde ich reizvoller.

Interview: Hans-Arthur Marsiske



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