Hitchcock-Heldin Schauspielerin Joan Fontaine ist tot

Alfred Hitchcock machte sie mit Anfang 20 in "Rebecca" zum Star, für "Verdacht" bekam sie den Oscar. Danach bestimmte eher die Fehde mit ihrer Schwester die Schlagzeilen als Rollen in Filmen von Fritz Lang oder Billy Wilder. Nun ist Joan Fontaine gestorben, sie wurde 96 Jahre alt.

DPA

Los Angeles/Hamburg - Die Oscar-Preisträgerin Joan Fontaine, die durch Rollen in Filmen von Alfred Hitchcock berühmt geworden war, ist im Alter von 96 Jahren in Kalifornien gestorben. Die Assistentin der Schauspielerin informierte US-Medien über Fontaines Tod. Sie starb demnach am Sonntag in ihrem Haus in Carmel.

Hitchcocks legendäres Thriller-Melodram "Rebecca" machte Fontaine 1940 über Nacht berühmt. 1942 erhielt die damals 23-Jährige einen Oscar für die Hauptrolle in Hitchcocks Psychothriller "Verdacht". Nach dem Film "Das Eigentum des Teufels" 1967 zog sie sich aus der Branche zurück.

Joan Fontaine wurde am 22. Oktober 1917 in Tokio als Tochter eines dort ansässigen englischen Patentanwalts namens Walter de Havilland und einer ehemaligen Filmschauspielerin geboren. Sie ist eine jüngere Schwester der bekannten Filmschauspielerin Olivia de Havilland ("Vom Winde verweht"). Eine lange Fehde zwischen den Schwestern sorgte immer wieder für Schlagzeilen.

Nach der Scheidung der Eltern übersiedelte die Mutter mit den beiden Töchtern in die USA und ließ sich in Kalifornien nieder. Beide Mädchen erhielten schon früh ersten Schauspielunterricht durch die Mutter. Nach kleineren Theaterrollen unter den Namen Joan St. John und Joan Burfield, die sie annahm, um nicht den gleichen Namen wie ihre Schwester tragen zu müssen, die früher als sie zu Filmruhm kam, nahm sie 1937 den Namen ihres Stiefvaters, Fontaine, an.

David O. Selznick engagierte Joan Fontaine für die Hauptrolle in der Daphne-du-Maurier-Verfilmung "Rebecca" unter der Regie von Alfred Hitchcock, mit der sie 1940 ihren ersten großen Erfolg erzielen konnte. 1941 errang sie dann für "Verdacht" einen Oscar für ihre Leistung an der Seite von Cary Grant. Schon für "Rebecca" war sie nominiert gewesen, wie auch später noch einmal für "Jungfräuliche Liebe".

Mit ihrer Auszeichnung für "Verdacht" war sie die erste und blieb die einzige Schauspielerin, die für eine Hitchcock-Hauptrolle von der Academy geehrt wurde - auch unter den männlichen Stars findet sich keiner. Hitchcock schätzte einer späteren Aussage zufolge besonders Fontaines Zurückhaltung. Sie wurde zum Prototypen für spätere blonde Hitchcock-Hauptfiguren wie Kim Novak oder Tippi Hedren.

Umstrittene Filmaffäre mit Harry Belafonte

Während sie in ihren frühen Rollen oft unschuldig und naiv wirkende Figuren spielte, achtete sie im Lauf ihrer Karriere darauf, weltgewandte, komplexere Frauen zu spielen - in Filmen wie "Born to be Bad" von Nicholas Ray (1950) oder in der Fitzgerald-Verfilmung "Tender is the Night" (1961).

Erfolg hatte sie auch als Partnerin von Orson Welles in Robert Stevensons "Jane Eyre" ("Die Waise von Lowood", 1943); zudem spielte sie unter großen Regisseuren wie Max Ophüls ("Brief einer Unbekannten", 1948), Billy Wilder ("Ich küsse ihre Hand, Madame", 1948) oder Fritz Lang ("Jenseits allen Zweifels", 1958). Als gewagt wurde 1957 ihr Auftritt in "Islands In The Sun" gewertet: Dort hat sie eine Affäre mit einem von Harry Belafonte gespielten dunkelhäutigen Mann. Nach Ku-Klux-Klan-Drohungen zeigten einige Kinos in den US-Südstaaten den Film nicht.

In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre zog sie sich aus der Filmwelt zurück, hatte aber noch verschiedene Theaterrollen, die sie unter anderem 1979 auch ins Wiener Englische Theater führten. Für einen Gastauftritt in der TV-Soap "Ryan's Hope" wurde sie 1980 noch einmal mit einem Daytime Emmy ausgezeichnet. 1982 übernahm sie die Jurypräsidentschaft bei der Berlinale.

"Ich hatte ein Wahnsinnsleben", sagte Fontaine einmal und meinte damit nicht nur die Filme: "Ich habe an einem internationalen Ballonrennen teilgenommen, ich bin mein eigenes Flugzeug geflogen, war bei einer Meutenjagd dabei - es gab viel Aufregendes." Sie hatte vier Ehemänner und zwei Töchter; in ihren Memoiren berichtete sie, dass sie mehrere Heiratsanträge des exzentrischen Multimillionärs Howard Hughes abgelehnt habe. Im Alter widmete sich Joan Fontaine allerdings geruhsameren Hobbys wie der Gartenpflege und dem Umgang mit ihren Hunden.

Der vieldiskutierte Streit mit ihrer Schwester Olivia wurde öffentlich, als die Ältere 1947 den Oscar für ihre Rolle in "Mutterherz" überreicht bekam. Joan Fontaine stand auf, um Olivia de Havilland zu gratulieren, doch diese ignorierte die Geste. Hintergrund war, dass ihre ein Jahr ältere Schwester, die mit "Vom Winde verweht" bereits ein Star war, bei der Oscar-Verleihung 1942 ebenso für ihre Hauptrolle in dem Film "Das goldene Tor" nominiert war wie Fontaine für "Verdacht".

Angeblich sollen die Schwestern beim Krebstod ihrer Mutter im Jahre 1975 zum letzten Mal miteinander gesprochen haben. 1978 sagte Joan Fontaine dem "Hollywood Reporter": "Ich habe zuerst geheiratet, habe den Oscar vor Olivia gewonnen, und wenn ich vor ihr sterben sollte, wird sie zweifellos wütend sein, weil ich wieder schneller war." Olivia de Havilland ist 97 Jahre alt und lebt in Paris.

feb/dpa/AFP/AP/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
outsider-realist 16.12.2013
1.
Zitat von sysopDPAAlfred Hitchcock machte sie mit Anfang 20 in "Rebecca" zum Star, für "Verdacht" bekam sie den Oscar. Danach bestimmte eher die Fehde mit ihrer Schwester die Schlagzeilen als Rollen in Filmen von Fritz Lang oder Billy Wilder. Nun ist Joan Fontaine gestorben, sie wurde 96 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/rebecca-hitchcock-schauspielerin-joan-fontaine-gestorben-a-939253.html
Sie war wohl noch eine der letzten Lebenden aus den Anfangsjahren Hollywoods. Unvergessen ihre Rolle in Rebecca und Verdacht.
tuobob 16.12.2013
2. Fantastisch
...und wenn ich vor ihr sterben sollte, wird sie zweifellos wütend sein, weil ich wieder schneller war." Olivia de Havilland ist 97 Jahre alt und lebt in Paris. Grossartig, was soll man sonst dazu schreiben. Im Ernst: Joan Fontaine an der Seite von Cary Grant in Hitchcocks "Verdacht" wird mir unvergesslich bleiben.
cbsabacus 17.12.2013
3. Ihre Mutter hatte auch einen Namen
"und einer ehemaligen Filmschauspielerin" Und den kann man sogar bei Wikipedia nachlesen.
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