Red Buttons ist tot Tapferer Schalk

Im Kino glänzte er in vielen Nebenrollen, als Komiker war er ein Hauptdarsteller: Der in Amerika populäre Sänger, Schauspieler und Comedian ("Sayonara", "Poseidon Inferno") ist im Alter von 87 Jahren gestorben.


Die amerikanischen Kritiker hatten ihn schon zum "Has been", zum alten Eisen geworfen. Red Buttons hatte seine 15 Minuten Ruhm schon mit 36 Jahren hinter sich. Er war reich, er hatte eine legendären running gag unters Volk gebracht, aber seine Karriere war ins Stocken geraten. So schien es zumindest.

Komiker Buttons (2002): "Strange things are happening"
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Komiker Buttons (2002): "Strange things are happening"

Doch dann verpflichtete der Hollywood-Regisseur Joshua Logan den drahtigen, kleinen Komiker mit den roten Haaren und der markanten Raspelstimme für sein Weltkriegsdrama "Sayonara", wo er neben Marlon Brando den Luftwaffengefreiten Joe Kelly spielt. Für die Nebenrolle erhielt Buttons 1958 den Oscar - und stand plötzlich wieder im Rampenlicht.

Dem Porträt eines zwischen militärischer Pflicht und japanischer Liebe hin- und hergerissenen Soldaten folgten noch viele Rollen, insgesamt spielte Buttons zwischen 1948 und 2005 in knapp 80 Filmen und Fernsehserien mit. Zu seinen auch hierzulande prägnantesten Parts gehört sicher auch der sensible Junggeselle James Martin in Ronald Neames Katastrophenfilm "Poseidon Inferno", der sich inmitten von reißenden Wassermassen und brennenden Schiffsteilen in die mindestens 20 Jahre jüngere Sängerin Nonny (Carol Lynley) verliebt.

Ansonsten blieb Buttons außerhalb Amerikas eher ein Unbekannter, und auch in seiner Heimat wurde seine Karriere immer wieder von Rückschlägen behindert. So wurde er, damals ein aufstrebender Varieté-Sänger und -Schauspieler, bereits 1941 von José Ferrer für die Broadway-Komödie "The Admiral Takes a Wife" gecastet. Das leichte Stück bekam gute Kritiken, aber es war eine Satire über das Leben auf der Navy-Basis Pearl Harbor auf Hawaii. Als Premierentag war ausgerechnet der 7. Dezember auserwählt, der Tag des japanischen Angriffs auf die US-Basis im Pazifik. Das Stück wurde abgesetzt, bevor es auf die Bühne gelangte.

Buttons wurde am 5. Februar 1919 als Aaron Chwatt auf der Lower East Side von Manhattan geboren, eine rauhe Umgebung. "In meinem Block wurde man entweder Richter oder man landete auf dem elektrischen Stuhl", sagte er über seine Kindheit. Seinen Künstlernamen erhielt er, als er neben der Schule als Page und Sänger in der Bar "Ryan's" arbeitete. Da er die typische, durchgeknöpfte Pagen-Uniform trug und zu jener Zeit flammend rotes Haar trug, nannte man ihn Red Buttons. Der Name blieb, auch wenn sein Haar später dunkelbraun wurde.

Einer der ganz Großen der amerikanischen Komödie wurde Buttons nie. Trotzdem darf man ihn wohl getrost in einem Atemzug mit Kollegen wie Danny Kaye, Milton Berle, George Burns und Jimmy Durante nennen. Of wurde er, wegen seines kleinen Wuchses und seiner roten Haarfarbe, als "einziger jüdischer Leprechaun" bezeichnet - in Anspielung auf die gnomenhafte irische Mythenfigur, die stets Schabernack im Sinn hat.

Der Schalk saß ihm tatsächlich oft im Nacken. Legendär wurde ein Witz, den Buttons in den Siebzigern als Spaßmacher in der NBC-Show "The Dean Martin Celebrity Roast" kultivierte. Sein Witz bestand darin, berühmte Persönlichkeiten zu zitieren, darunter Abraham Lincoln, Liz Taylor und Gregory Peck, um ihnen dann zu bescheinigen, dass ihnen zu Ehren nie ein festliches Dinner gegeben wurde: "Never got a dinner!", lautete die immer gleiche Punchline, die sich über Jahre hinweg in der Alltagskultur festsetzte.

Den Leuten auf der Straße geflügelte Worte schenken, das war ihm schon einmal gelungen, 1952, am viel versprechenden Anfang seiner Laufbahn. Damals hatte ihm CBS ein wöchentliches Solo-Programm gegeben, dessen Premierenausgabe die enthusiastischsten Zuschauerreaktionen in der bisherigen Geschichte des Senders verzeichnete. Buttons spielte mehrere Charaktere in der Show, darunter den betrunkenen Boxer Rocky Buttons, den Halbstarken Muggsy Buttons, den deutschen Militäroffizier Keeglefarven und den Kinderarbeiter Kupke Kid. "Ich bin ein kleiner Kerl, und das ist das, was ich spiele", sagte der Komiker einmal, "einen kleinen Kerl mit kleinen Problemen."

Die US-Teenager der fünfziger Jahre aber erfreuten sich vor allem an einem kleinen Sketch, den Buttons zwischen den einzelnen Episoden gab: Elfenartig schlich er über die Bühne, Hände horchend hinter den Ohren, und sang: "Hey-hey, ho-ho, strange things are happening" - seltsame Dinge passieren hier. Ein Ausspruch, der zum Schlagwort wurde.

Buttons wurde nach seinem Oscar- und Golden-Globe-Gewinn für "Sayonara" noch zweimal für einen Golden Globe nominiert: 1965 für seine Rolle neben Carroll Baker in "Harlow", 1969 für seinen Auftritt in Sydney Pollacks "They Shoot Horses, Don't They?". Zuletzt wirkte er in mehreren Episoden der erfolgreichen Arztserie "ER - Emergency Room" mit. "Ich bin mein Leben lang ein Darsteller gewesen", sagte Buttons, der bis ins hohe Alter aktiv blieb, einmal: "Es ist ein sehr befriedigender Beruf, man wird auf der Stelle bezahlt. Wenn sie lachen, ist das meine Bezahlung." Red Buttons starb gestern Abend in seinem Haus in Century City, Los Angeles, im Alter von 87 Jahren an einer Gefäßerkrankung.

bor



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