Regiestar Sofia Coppola "Ich wurde nie zur Filmemacherei gezwungen"

Mit ihrem Film "Somewhere" hat Sofia Coppola nicht nur bei den Filmfestspielen von Venedig triumphiert: Die Vater-Tochter-Geschichte trägt auch autobiografische Züge. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht die Regisseurin über das Verhältnis zu ihrem Vater Francis Ford und das Leben in Hotels.

ddp images

SPIEGEL ONLINE: Ms. Coppola, steht seit Venedig nun ein Goldener Löwe neben Ihrem Oscar?

Coppola: So ist es. Die beiden stehen in Los Angeles im Büro von American Zoetrope, der Produktionsfirma unserer Familie. So hat jeder, der an dem Film mitgearbeitet hat, etwas davon. Obwohl auch meine ältere Tochter schwer davon beeindruckt war, dass ich plötzlich von einer Reise einen Goldenen Löwen mitgebracht habe.

SPIEGEL ONLINE: Fanden Sie es seltsam, den Preis aus den Händen Ihres Ex-Freundes Quentin Tarantino zu erhalten?

Coppola: Ich glaube, das war nur in Italien zum Tuschel-Thema hochstilisiert worden. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass Quentin sagte, es sei eine einstimmige Entscheidung der Jury gewesen. Ich fand es auch schön, mich nach der Verleihung mit den einzelnen Jurymitgliedern zu unterhalten und zu hören, wie jeder einzelne den Film fand.

SPIEGEL ONLINE: Was war für Sie der Grund, die Geschichte eines Filmstars zu erzählen?

Coppola: Nach "Marie Antoinette" habe ich eine Zeitlang in Paris gelebt und überlegt, worüber ich mein nächstes Drehbuch schreiben wollte. Ich vermisste Los Angeles, und da fiel mir irgendwie diese Figur ein. In unserer heutigen Pop-Kultur, zum Beispiel in Klatschblättern, gibt es viel, was über Stars wie ihn geschrieben wird, Filmstars, die sich in einer Krise befinden. Gerade in den USA ist diese Besessenheit mit der Celebrity-Kultur und dem Drang, unbedingt berühmt werden zu wollen, sehr ausgeprägt. Und es hat mich interessiert, wie solch ein Leben wohl aussieht. Das wollte ich porträtieren.

SPIEGEL ONLINE: Filmstars sind letztlich auch nur ganz normale Menschen, zeigen Sie. Wie groß sind die Parallelen zwischen dem Leben dieses Schauspielers und Ihrer eigenen Kindheit als Tochter eines Regiestars?

Coppola: Für mich geht der Film eher um die Reise des Lebens und welche Entscheidungen man trifft. Natürlich war die Welt des Show-Business mir von Kindesbeinen an vertraut, daher traute ich mir zu, diese Welt authentisch und wahrhaftig darstellen zu können. Meine Kindheit war zwar noch mal anders, ich hatte eine funktionierende Familie, aber ich weiß natürlich, wie es ist, einen Vater zu haben, der so sehr gefeiert wird.

SPIEGEL ONLINE: Erinnern Sie sich daran, wann Sie das erste Mal auf Ihren Vater stolz waren?

Coppola: Das ist schwer zu sagen... Aber ich weiß noch, wie ich als Erwachsene "Apocalypse Now" noch mal sah, als er 2001 in einer Neufassung ins Kino kam - da war ich sehr beeindruckt! Ich hatte ihn als Kind oft gesehen, aber aus der jetzigen Distanz heraus hat er mich völlig umgehauen, muss ich gestehen!

SPIEGEL ONLINE: Wie sah Ihre Kindheit genau aus?

Coppola: Wenn mein Vater einen Film drehte, sind wir alle mitgekommen und haben im Hotel am Drehort gewohnt. Also hatten wir schon eine beträchtliche Anzahl von Wohnorten. Aber es gab auch ein echtes Zuhause in Kalifornien, wo auch das Weingut meines Vaters ist. Meine Eltern wohnen da, seit ich auf der Welt bin. Im Gegensatz zu meinen Filmfiguren habe ich auch so etwas wie ein Nest, ein echtes Heim kennengelernt.

SPIEGEL ONLINE: Es scheint, als habe das Thema Film Ihr ganzes Leben bestimmt - Ihr Vater soll Sie sogar schon bei Ihrer Geburt gefilmt haben. Stimmt das?

Coppola: Ja, mein Vater hat meine Geburt auf Video festgehalten. Aber das machen doch viele Leute...

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht noch nicht 1971. Haben Sie sich diesen Film je angeschaut?

Coppola: Ja, habe ich. Er ist ganz behutsam und völlig diskret gefilmt worden. Der Geburtsvorgang macht einem also keine Angst. Aber es war schon lustig: Als der Arzt "Es ist ein Mädchen!" sagte, fiel meinem Vater vor Überraschung wirklich die Kamera aus der Hand! Nach zwei Jungen hatte er damit überhaupt nicht gerechnet. Das zu sehen, das war wirklich etwas ganz Besonderes.

SPIEGEL ONLINE: Die Produzentin Barbara Broccoli sagte einmal: "Hätte mein Vater Pizza gemacht, wäre aus mir sicher auch eher eine Pizzabäckerin geworden." War das bei Ihnen ähnlich? Oder gab es gar keinen anderen Weg, als auch Regisseurin zu werden?

Coppola: Ich wurde nie zur Filmemacherei gezwungen. Aber die Filmsets und alles, was ich vom Beruf meines Vaters kannte, fand ich aufregend. Die Leute, mit denen er arbeitete, fand ich interessant.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Haio Forler 11.11.2010
1. .
Zitat von sysopMit ihrem*Film "Somewhere" hat*Sofia Coppola nicht nur bei den*Filmfestspielen von Venedig triumphiert: Die Vater-Tochter-Geschichte trägt*auch autobiographische Züge.*Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht die*Regisseurin über*das Verhältnis zu ihrem Vater Francis Ford und das Leben in Hotels. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,728483,00.html
"Lost in Translation" war wohl der durchschnittlichste Film des Jahrzehnts. Allein ... es besteht Hoffnung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.