Grimme-Preisträger: Regisseur Eberhard Itzenplitz ist tot

TV-Zuschauer kannten ihn durch die Krimi-Serie "Derrick", einen Namen machte er sich mit Filmen wie "Die neuen Leiden des jungen W." nach dem Roman von Ulrich Plenzdorf oder "Bambule" nach einem Drehbuch von Ulrike Meinhof. Jetzt ist der Regisseur Eberhard Itzenplitz im Alter von 85 Jahren gestorben.

Regisseur Itzenplitz (Archivfoto aus dem Jahr 2006): "Leidenschaft für Ost und West" Zur Großansicht
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Regisseur Itzenplitz (Archivfoto aus dem Jahr 2006): "Leidenschaft für Ost und West"

Hamburg/München - Krimi-Regisseur, Grimme-Preisträger, Gesellschaftskritiker: Der deutsche Filmemacher und Schauspieler Eberhard Itzenplitz ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Er sei bereits am Samstag einer langen und schweren Krankheit erlegen, teilten sein Sohn und die Trauerhilfe Denk am Dienstag in München mit. Die Trauerfeier wird am Mittwoch im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Einem größeren Fernsehpublikum war Itzenplitz in den neunziger Jahren besonders durch die Serien "Derrick" und "Ärzte" bekannt, für die Krimi-Reihe "Tatort" drehte er 1981 die Folge "Katz und Mäuse".

Für Debatten etwa sorgte der TV-Film "Bambule". Itzenplitz führte Regie, das Drehbuch stammte von Ulrike Meinhof - Briefe aus dieser Zeit dokumentieren nach Informationen des SPIEGEL ihren Bruch mit der bürgerlichen Welt. Der Film, der die autoritären Methoden in einem Mädchenheim kritisierte, wurde wegen der terroristischen Verstrickung Meinhofs zurückgezogen und erst 1994 ausgestrahlt. "Wir haben gesellschaftliche Planspiele betrieben", sagte Itzenplitz anlässlich seines 80. Geburtstags.

"Die neuen Leiden des jungen W."

Vielbeachtete Fernsehfilme waren außerdem die temperamentvolle DDR-Aussteigergeschichte "Die neuen Leiden des jungen W." nach Ulrich Plenzdorf oder "Die Dubrow-Krise" nach Wolfgang Menge, eine fiktive Vorwegnahme der Wiedervereinigung. "Ich hatte immer eine große Leidenschaft für Ost und West", sagte Itzenplitz. Er wurde mit einer Reihe von Preisen bedacht, darunter dem Adolf-Grimme-Preis in Silber.

Immer wieder griff Itzenplitz zeitgeschichtliche Themen auf, beispielsweise in den Filmen "Die Mitläufer" über den Alltag des kleinen Mannes im "Dritten Reich" oder "Für'n Groschen Brause" und "Schwarzenberg" nach Stefan Heym über die Nachkriegsjahre in der damaligen Ostzone.

Itzenplitz, 1926 in Holzminden geboren, stammt aus einer alten brandenburgischen Familie. Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft studierte Itzenplitz Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in München und Göttingen. Er arbeitete zunächst als Regieassistent und Kritiker für Zeitungen und Zeitschriften, Erfahrungen in der Filmregie sammelte er bei Regisseuren wie Georg Tressler, Falk Harnack, Géza von Radványi und William Dieterle.

bos/dpa

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