Regisseur Leander Haußmann "Ich will kein verkniffener Arsch sein"

Leander Haußmanns neuer Kinofilm heißt, wie ein Herrenwitz anfängt: "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken". Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Regisseur, warum er flachen Humor mag - und was er an Eva Herman interessant findet.


Haußmann: Ich liebe Interviews, endlich hört mir mal jemand zu.

SPIEGEL ONLINE: Macht das sonst keiner? Nicht einmal Ihre Frau?

Haußmann: Irgendwie verstehe ich das ja auch. Einen ununterbrochen monologisierenden Mann zu Hause zu haben, das ist ja unerträglich.

SPIEGEL ONLINE: Sonst sind es doch eigentlich immer die Frauen, die zu viel reden...

Haußmann: Es sind schon manchmal extrem langweilige Geschichten, die Frauen so erzählen, da bin ich dankbar, dass die beste Freundin da meistens das Zuhören übernimmt.

SPIEGEL ONLINE: Aha. In Ihrem Film "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" ist das anders, da erwarten die Frauen von den Männern, dass sie endlich mal zuhören.

Haußmann: Ich sehe das eher allegorisch. Auch die Sache, dass Frauen schlecht einparken. Ich kenne sehr viele Frauen, die das sehr gut können, außer meiner eigenen Lebensgefährtin. Die kann das nicht, und wenn, dann nur vorwärts. Obwohl rückwärts ja viel einfacher ist.

SPIEGEL ONLINE: Was für ein Auto fahren Sie denn?

Haußmann: Ich habe gar keinen Führerschein! Obwohl ich 40 Fahrstunden hinter mir habe, aber nur Automatik. Theoretisch kann ich aber super einparken.

SPIEGEL ONLINE: Weil Sie ein Mann sind?

Haußmann: Ich glaube, an bestimmten Dingen ist einfach was dran. Das bewerte ich gar nicht negativ oder positiv. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Zufall ist, dass meine Tochter mehr vor dem Spiegel steht als mein Sohn. Das muss doch irgendwo verankert sein.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht orientiert sich Ihre Tochter an gewissen Vorbildern?

Haußmann: Dafür ist sie zu jung. Es ist natürlich eine wissenschaftliche Binse, aber wir wissen ja, dass wir stark von der Evolution geprägt sind. Wir waren ja mal Fische und sind aus dem Wasser aufs Land gekommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, unser Verhalten war schon festgelegt, als wir uns noch im Einzeller-Status befanden?

Haußmann: Es gab zuerst die Säugetiere, irgendwann Affen und dann wir. Das war ein langer Prozess, davon muss ja noch was übrig sein in uns. Wenn sich ein Mann nach einer Frau umdreht, dann ist das einfach sein Urinstinkt, da kann er nichts für. Das heißt nicht, dass er gleich mit ihr ins Bett will, das heißt nur, dass er da einen gewissen Kampf zu kämpfen hat.

SPIEGEL ONLINE: Es geht Ihnen also auch manchmal so, dass sich Ihr genetisches Programm gnadenlos abspult und Sie nichts dagegen tun können?

Haußmann: Ich gehe nicht fremd, aber ich drehe mich nach Frauen um. Es macht mich rasend, wenn ich sie nicht von vorne gesehen habe. Dann gehe ich schneller, um sie einzuholen. Es ist Quatsch, sich das zu verbieten. Ich thematisiere das auch vor meiner Freundin, damit es den Aspekt des Heimlichen verliert. Aber damit mache ich mich natürlich noch verdächtiger.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Sachbuch zu verfilmen?

Haußmann: Die Idee ist ja sehr schlau, wenn ich das mal so sagen darf. Weil es ein Weltbestseller ist. Ich wollte eine reine Beziehungskomödie machen, im Stil der Screwball Comedys und der Doris-Day-Filme. Da gab es noch keine Arroganz der Belesenen gegenüber den Nicht-Belesenen. In meinem Leben hat beides Platz, heute gehe ich ins Moulin Rouge und morgen gucke ich mir einen Shakespeare an. So ist das auch bei meinen Filmen. Für mich gehört zur Intelligenz, dass man offen ist für jede Art von Unterhaltung.

SPIEGEL ONLINE: Im Presseheft werden Sie mit dem Satz zitiert, dass Sie endlich mal einen Film um des reinen Vergnügens willen machen wollten. Das klingt wie eine Entschuldigung.

Haußmann: Sie haben nicht ganz unrecht, oft ertappe ich mich dabei, wie ich versuche, schon im Vorfeld möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich habe ja nichts Böses getan…

SPIEGEL ONLINE: …Haben aber offenbar trotzdem ein komisches Gefühl dabei…

Haußmann: Wenn, dann ist es ein anerzogenes Gefühl. Das Gefühl, dass es so was wie Niveau gibt, dass ich eine bestimmte Verpflichtung habe. Die Wahrheit ist aber, dass alle Beteiligten ein hohes Maß an Erfahrung brauchen, um so einen Film zu machen. Es will mir nicht in den Kopf, dass man das nicht honoriert.

SPIEGEL ONLINE: Was genau sollte honoriert werden, das große handwerkliche Können?

Haußmann: Nein, eher, dass wir es mit dem schwersten Genre überhaupt zu tun haben. Weil es klare Parameter hat. Wenn ich sage, ich renne jetzt 1000 Meter in 30 Sekunden, dann ist das eine Ansage, dann muss ich die laufen, sonst bin ich ein Lügner. Wenn ich eine Komödie mache, dann müssen die Leute lachen, sonst habe ich versagt.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt es denn, dass Komödien offenbar als zweitrangig gelten?

Haußmann: Es ist anerkannter, einen sozialkritischen Film über ein arbeitsloses Ehepaar zu machen, weil es dem feuilletonistischen Anspruch näher liegt, einer Elite anzugehören. Mir war elitäres Denken aber schon immer fremd. Als Betrachter gefällt mir das zwar, aber als Macher will ich viele Menschen erreichen. Ich finde es absurd, wenn man das nicht will.

SPIEGEL ONLINE: Nun haben Sie ja selbst viele schwere Stoffe der Dramenliteratur auf die Bühne gebracht.

Haußmann: Die haben alle letzten Endes einen primitiven Ursprung. Es sind immer extreme Emotionen wie Liebe oder Hass, die auf der Bühne ausgelebt werden. Der Altmeister Shakespeare hat es vorgemacht, dass die Komödie und der sogenannte flache Humor direkt neben der hohen Kunst stehen.

SPIEGEL ONLINE: Schon der Titel Ihres neuen Films klingt so, wie ein Herrenwitz anfängt. Warum setzen Sie auf so seichte Witze?

Haußmann: Man muss meinen Film unter dem Aspekt von l'Art pour l'Art betrachten. Klar, man kann die Welt mit Filmen mehr verändern als mit Theater, man kann auf Probleme aufmerksam machen und hat eine große Breitenwirksamkeit. Wenn ich dafür ein passendes Thema finden würde, dann würde ich das auch machen, aber blöderweise wandelt sich bei mir jedes Drama im Kopf zur Komödie um.

SPIEGEL ONLINE: Tatsächlich?

Haußmann: "Das Leben der Anderen" ist ein gutes Beispiel, wenn mir der Stoff in die Hände gefallen wäre, dann wäre es eine Komödie geworden. Daran kann man sehen, wie sehr sich Tragödie und Komödie ähneln. Eine Komödie muss einen tragischen Ursprung haben, sonst funktioniert das nicht.



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