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Kult-Regisseur Winding Refn: "Ich pflege nur noch meine Fetische"

Der sensationelle Auto-Thriller "Drive" hat Nicolas Winding Refn zu einem der gefragtesten Regisseure der Welt gemacht, dabei hat ihn sein englischsprachiges Debüt damals ruiniert. Im Interview erklärt der Däne, was ihn der Flop gelehrt hat - und was seine Filme mit Pornographie gemein haben.

Kult-Regisseur Winding Refn: "Du kannst keine großen Filme erzwingen" Fotos
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SPIEGEL ONLINE: Herr Winding Refn, Sie haben bereits zwei Preise für Ihr Lebenswerk erhalten, von Ihrem Debütfilm gibt es ein Remake, zuletzt hat Ihnen das Filmfest München eine Retrospektive gewidmet - dabei sind Sie erst 42 Jahre alt. Fühlt sich so viel Historisierung nicht komisch an?

Winding Refn: Nein, wenn sich Leute für meine Arbeit interessieren, schätze ich das. Aber ein bisschen alt fühle ich mich dadurch schon.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihre Karriere selbst beschreiben?

Winding Refn: Steinig. Nein, eigentlich hat's immer Spaß gemacht. Selbst in den schlechteren Zeiten war's okay - und ich hatte echt schlechte Zeiten. Ich glaube, man muss erst Schmerz erfahren haben, um wirklich Spaß haben zu können. Je stärker der Schmerz, desto stärker der Höhepunkt.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie als Ihre schlechteste Zeit als Regisseur beschreiben?

Winding Refn: Die Arbeit an "Fear X", meinem ersten englischsprachigen Film. Der hat künstlerisch nicht funktioniert und mich finanziell ruiniert.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland kam der Film nie in die Kinos, jetzt ist er erstmalig auf DVD erschienen. Welche Gefühle hegen Sie heute gegenüber dem Film?

Winding Refn: Ich bin noch nicht bereit, über ihn zu sprechen - außer über den Umstand, dass er mir letztlich doch sehr viel ermöglicht hat. Hätte ich bei "Fear X" nicht auf so vielen Ebenen versagt, hätte ich nicht wieder von vorn anfangen müssen. Ich hätte nicht "Pusher 2" und "Pusher 3" in einem Jahr drehen müssen, hätte nicht "Bronson" und dann "Valhalla Rising" gemacht, hätte wegen dieser Filme nicht einen Anruf von Ryan Gosling bekommen und hätte nicht mit ihm zusammen "Drive" gedreht. Auch wenn sich "Fear X" wie ein Tiefpunkt anfühlte: Rückblickend ist er das Beste, was mir je passiert ist.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt, als hätten Sie sich von dem Fluch befreit.

Winding Refn: Nein, der Film verfolgt mich immer noch. Durch ihn weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn alles schiefgeht.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie das Gefühl seitdem noch mal?

Winding Refn: Ja, dauernd. Ich habe deswegen auch angefangen, Werbung zu drehen. Damit sichere ich mir meine filmischen Spielereien ab. Außerdem habe ich noch eine Familie zu versorgen.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Stellenwert hat finanzielle Sicherheit für Sie?

Winding Refn: Wenn finanziell alles abgesichert ist, kann man kreativ viel mehr wagen - dann ist der stärkste Druck weg, denn die finanziellen Verpflichtungen gegenüber seinen Kindern und anderen sind die schwerwiegendsten.

SPIEGEL ONLINE: Und kreativ gesehen - was bedeutet Unsicherheit da für Sie?

Winding Refn: Ich glaube, man muss sich bewusst in die Gefahr begeben, dass künstlerisch alles schiefgehen kann - dass die Dinge so oder so ausgehen können und eine Option davon der totale Fehlschlag ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie kreiert man solche offenen Situationen?

Winding Refn: Du musst dich selbst unter Druck setzen und herausfordern. Bei "Bronson" habe ich die Geschichte des berüchtigtsten Häftlings von Großbritannien als Avantgarde-Theaterstück inszeniert und daraus einen Film gemacht. "Valhalla Rising" habe ich als Wikingerfilm angefangen und während des Drehs in Science-Fiction umgewandelt, indem ich die Dialoge habe wegfallen lassen. "Drive" ist ein Autofilm, in dem es nicht um Autos geht. Meinen neuesten Film, "Only God Forgives", habe ich in Bangkok gedreht, um meiner angestammten Umgebung zu entkommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig sind Ihre Schauspieler dabei?

Winding Refn: Von denen hängt alles ab. Wenn man nicht die richtigen Schauspieler hat, hat man nichts.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Kultregisseur???
tylerdurdenvolland 25.07.2012
Zitat von sysopUniversumDer sensationelle Auto-Thriller "Drive" hat Nicolas Winding Refn zu einem der gefragtesten Regisseure der Welt gemacht, dabei hat ihn sein englischsprachiges Debüt damals ruiniert. Im Interview erklärt der Däne, was ihn der Flop gelehrt hat - und was seine Filme mit Pornographie gemein haben. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,843068,00.html
"Der sensationelle Auto-Thriller "Drive" hat Nicolas Winding Refn zu einem der gefragtesten Regisseure der Welt gemacht..." Ich komme aus dem Lachen kaum noch raus. Ist der Spiegel jetzt eine Zeiotschrift von 12jährigen für 12jährige. Anstatt diesen Beitrag jetzt zu zensieren wie üblich, solltet ihr zugeben dass so ein Artikel nicht in der Druckausgabe landet!
2. .
frubi 25.07.2012
Zitat von sysopUniversumDer sensationelle Auto-Thriller "Drive" hat Nicolas Winding Refn zu einem der gefragtesten Regisseure der Welt gemacht, dabei hat ihn sein englischsprachiges Debüt damals ruiniert. Im Interview erklärt der Däne, was ihn der Flop gelehrt hat - und was seine Filme mit Pornographie gemein haben. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,843068,00.html
Als ich den ersten Pusher Teil gesehen habe, viel ich fast vom Glauben ab. Ich wollte gar nicht, dass der Film aufhört, so gespannt war ich beim zusehen von Frankes Untergang ("Hej, Franke mein Freund."). Diese Spirale der Verzweiflung eines Kleindealers, der eigentlich nur aus der Szene aussteigen und frei sein will, wurde von Refn wunderbar umgesetzt. Die beiden anderen Teile waren für Nachfolger, die erst Jahre später gedreht wurden, überraschen gut. Bronson und Valhalla Rising waren dann Projekte, die sich in Deutschland weder ein Regisseur, noch ein Produzent finden lassen würde. Filme, die aus der Reihe tanzen und die man entweder liebt oder hasst. In Bronson ist mir dann auch zum ersten mal das Genie Tom Hardy aufgefallen, den ich seitdem intensiv verfolge. Drive liegt noch Zuhause rum aber wird demnächst auch angeschaut. Refn FIlme werden immer meine Aufmerksamkeit erhalten. An ihm können sich einige deutsche Filmemacher ein Beispiel nehmen.
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Zur Person
  • Nicolas Winding Refn

    Jahrgang 1970, wurde in Kopenhagen geboren, lebte aber von 8 bis 17 Jahren in New York. In Dänemark schrieb er sich an der Filmhochschule ein, besuchte diese aber nie, weil er zuvor die Möglichkeit bekam, seinen ersten Spielfilm zu drehen. "Pusher" (1996) wurde ein internationaler Kritikererfolg. Sein Debüt auf Englisch, der Psycho-Thriller "Fear X" (2003), wurde jedoch zum kreativen und finanziellen Flop, der Winding Refn buchstäblich ruinierte. Aus finanziellem Druck drehte er 2004 gleich zwei Fortsetzungen von "Pusher". Beide Filme hatten wieder den gewünschten Erfolg, ebenso die folgenden Projekte "Bronson" (2008) und "Valhalla Rising" (2009). "Drive" (2011) mit Ryan Gosling brachte ihm schließlich Weltruhm ein: Winding Refn gewann in Cannes den Preis für die beste Regie. Sein neuer Film "Only God Forgives", wieder mit Ryan Gosling in der Hauptrolle, feierte im Mai in Cannes Premiere. Ab dem 18. Juli läuft das brutale Rachedrama auch in den deutschen Kinos.

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