"Resident Evil": Milla im Monsterland
An der Verfilmung eines erfolgreichen Computerspiels ist schon so mancher gescheitert. Mit der in Deutschland produzierten Kinoversion des Zombie-Shooters "Resident Evil" gelang jedoch ein spannender Horror-Thriller, der dem Genre sogar neue Impulse gibt.
Jovovich in "Resident Evil": Alice im Zombieland
Das vergangene Jahr brachte zwei Filme hervor, die man lieber nicht gesehen hätte. Sowohl "Tomb Raider" als auch "Final Fantasy" konnten nicht halten, was lautstarke Marketing-Kampagnen vollmundig versprochen hatten. Beide Verfilmungen erfolgreicher Computerspiele scheiterten an der Ambition ihrer Macher, mehr aus dem vorhandenen Stoff machen zu wollen und hinterließen reihenweise enttäuschte Film- und Spielefans, die sich über hanebüchene oder dümmliche Story- und Plotergänzungen ärgern durften.
Ein Computergame, zumal ein Actionspiel, bei dem es zumeist darum geht, möglichst ungeschoren die größtmögliche Anzahl Gegner abzuballern, ist nun einmal simpel gestrickt, und dabei sollte man es auch belassen. Zwar gibt es auch im Game-Megaseller "Resident Evil" der japanischen Spielefirma Capcom einen notdürftigen Verschwörungs-Plot, der die Helden in jene Situationen bringt, aus denen sie sich unter Einsatz ihrer Lebenspunkte und Munition freischießen und - schlachten müssen, doch traditionsgemäß ist dieser inhaltliche Rahmen für all jene im Booklet des Spiels nachzulesen, die müßig genug sind, sich nicht sofort blutgierig und bis an die Zähne bewaffnet in die dunklen und bedrohlichen Labyrinthe zu klicken.
Für Filmemacher ist das natürlich ein großes Problem. Jeder Film braucht eine starke und interessante Story, denn der Endkonsument kann im Kino nicht selbst um Ecken schleichen, sondern ist zum bloßen Zuschauen verdammt. Gleichzeitig bieten viele Actionspiele aber nahezu perfekte atmosphärische Vorlagen für spannende Kinoereignisse, die noch dazu schon über feste Fan-Klientel verfügen. Eine vermeintlich viel versprechende Investition also.
Arbeiter zu Untoten: Das "Hive"-Personal wird zur hungrigen Horde
In Paul Anderson fand sich ein Regisseur, der mit "Mortal Kombat" die bisher wohl respektabelste Kinoversion eines Computerspiels vorgelegt hatte, sich zudem als beinharter "Resident Evil"-Fan erwies und auch gleich noch das Drehbuch übernahm. Als Hauptdarstellerin bot sich das burschikose Supermodel Milla Jovovich ("Das fünfte Element", "Johanna von Orléans") an, die das Spiel von ihrem kleinen Bruder kannte und sich mehr als aufgeschlossen gegenüber einer reinen Actionrolle zeigte.
Kampf gegen die Zombies: Soldatin Rain (Michelle Rodriguez) findet die Untoten gar nicht nett
Schnitt. Stille. Nach dieser actionreichen Anfangssequenz befinden wir uns plötzlich in einem luxuriösen Landhaus, wo Alice (Milla Jovovich) in der Dusche aus einer Ohnmacht erwacht. Schlaftrunken stellt sie fest, dass sie sich an nichts erinnern kann, doch ehe sich ihr Geist klären kann, bricht mit einem militärischen Einsatzteam auch die Action in das Haus ein und kurz darauf wissen wir, dass das Landhaus ein verdeckter Noteingang in den "Hive" ist, durch den das Team - mitsamt Alice und ihrem ebenfalls gedächtnislosen Ehemann Spence (James Purefoy) - in den Laborkomplex eindringen will, um herauszufinden, was dort geschehen ist.
Zentralcomputer: Das Sicherheitssystem der "Red Queen" hat seine Tücken
Dazu kommt, dass sich Milla Jovovich als perfekte Besetzung entpuppt: Im Cocktailkleid streift sie zu Anfang des Films somnambul durch die düsteren Gänge des Labor-Labyrinths - ein dunkelroter Farbtupfer, der die spätere Amazone zunächst als verletzliche Frau darstellt und die gräuliche Atmosphäre der nüchternen, artifiziellen Umgebung noch bedrohlicher macht. Nicht umsonst heißt Millas Charakter Alice: Regisseur Anderson, nicht nur Spiele-Fan, sondern auch Bewunderer der Werke von Lewis Carroll, sah Parallelen zwischen Game-Plot und den Abenteuern von Alice im Wunderland - eine Heldin taucht ein in eine phantastische Welt und erlebt übernatürliche Dinge. Auch beim Design des Zentralcomputers und dessen schachbrettartigem Sicherheitsmechanismus tauchen Motive aus dem Literaturklassiker auf. Ein Kniff, der dem Film - zusammen mit exzellenten Masken, soliden, sparsam eingesetzten Effekten und beeindruckendem Set-Design - einen unschätzbaren Mehrwert verleiht.
Erste internationale Rolle: Auch Heike Makatsch darf in "Resident Evil" mitspielen
"Resident Evil". Deutschland 2002. Regie: Paul Anderson; Buch: Paul Anderson; Darsteller: Milla Jovovich, James Purefoy, Michelle Rodriguez, Eric Mabius, Colin Salmon, Heike Makatsch; Produktion: Constantin Films, Impact Films, Davis Films, New Legacy; Verleih: Constantin; Länge: 100 Min.; Start: 21. März 2002
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 22.03.2002 – 16:31 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Milla Jovovich: "Ich könnte ein Junge sein" (21.03.2002)
- Interview mit Bernd Eichinger: "Zombies sind einfach toll!" (20.03.2002)
MEHR AUS DEM RESSORT KULTUR
-
Bestseller
Die aktuellen Listen: Hardcover, Taschenbücher, DVDs und Kino-Charts -
Rezensionen
Abgehört, vorgelesen, durchgeblickt: Unsere Rezensionen - was Sie nicht verpassen sollten -
TV-Programm
Ihr TV-Planer: So gucken Sie beim Fernsehen nie mehr in die Röhre -
Gutenberg
Bücher online lesen: Die Klassiker der Weltliteratur - gratis bei Projekt Gutenberg -
Tageskarte
Sieben Tage, sieben Empfehlungen: Die wichtigsten Entdeckungen der Woche.




