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Zum Tode von Robin Williams: Lachen am Abgrund

Ein Nachruf von

Ob als "Mork vom Ork", als Peter Pan oder Mrs. Doubtfire: Robin Williams gab in seinen Filmen oft den reinherzigen Clown. Ein grandioser Balanceakt zwischen Witz und Verwundbarkeit, den er auch im Leben versuchte.

Robin Williams: Schauspieler, Komiker, Mensch Fotos
AP

Garry Marshall, in den Siebzigern Produzent erfolgreicher TV-Sitcoms, antwortete einst legendär trocken auf die Frage, wie der damals unbekannte Komiker Robin Williams die Rolle des Außerirdischen "Mork vom Ork" bekommen habe: Williams sei nun einmal der einzige Alien gewesen, der sich beworben habe.

Die TV-Serie "Mork & Mindy", in den USA zwischen 1979 und 1982 ausgestrahlt, war Williams' Durchbruch in die Unterhaltungsindustrie. Auch deutsche Zuschauer staunten und lachten über den bunt angezogenen Clown mit Hosenträgern, der zur Begrüßung "Na-nu Na-nu" sagte und die Hand zu einer Art Vulkanier-Gruß erhob. Als Gestrandeter vom Planeten Ork wirbelte er mit anarchischem Witz das beschauliche Leben in Boulder, Colorado, durcheinander und brachte mit rasanten Gags und wahnwitzigen Stimmenimitationen immer wieder seine Serienpartnerin Pam Dawber alias Mindy dazu, unfreiwillige Lacher unterdrücken zu müssen.

Zuvor hatte sich Williams, der in der Nähe von Detroit aufgewachsene Sohn eines Ford-Managers, als Stand-up-Komiker in kalifornischen Bars durchgeschlagen und gelegentlich bei TV-Auftritten in der "Richard Pryor Show" oder bei "Saturday Night Live" geglänzt. Erst als Mork jedoch konnte Williams sein ganzes Witzrepertoire zeigen. Angeblich gab es in den Drehbüchern extra Leerstellen, die Williams mit explosiven Improvisationen füllen durfte.

Es war der Start in eine der erfolgreichsten und erstaunlichsten Hollywood-Karrieren der jüngeren Zeit.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren gab es kaum einen Schauspieler und Komödianten, der bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt war. Robin Williams war ein Clown im klassischen Sinne, ein Tragikomiker, dessen Kanonaden brachialer Gags das Zwerchfell strapazierten. Der im nächsten Augenblick aber, mit diesen schelmischen, leicht verschwiemelten und verlegenen Blicken, allergrößte Verletzlichkeit darstellen konnte. Ob als "Popeye" oder als "Garp", als "Mrs. Doubtfire", "König der Fischer" oder erwachsener Peter Pan in Steven Spielbergs "Hook": Robin Williams war der Humor-Berserker, der jeder Misere gleich drei, vier Gags entgegenfeuerte, dabei aber nie die Sensibilität für den eigentlichen Ernst vermissen ließ.

Strategien gegen die Einsamkeit

Williams' Freund und Komikerkollege Billy Crystal sagte einmal, bei Stand-up-Comedy ginge es im Grunde darum, das Schmerzhafte zu bewältigen. In diesem Sinne war die Komik für Robin Williams ein Trost- und Fluchtpunkt, ein Refugium, das er beherrschte und in das er sich zurückziehen konnte.

Während seiner Kindheit, erzählte der 1951 geborene Williams, sei er mit seiner Familie viel herumgereist, keine dauerhaften Freundschaften, nur viel Einsamkeit. "Ich sammelte Modellsoldaten, Tausende davon", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" 2011. "Man hat niemanden, mit dem man spielen kann, nur sich selbst. Man lernt, wie man Spiele für sich selbst erfindet, und man liest viel. Das war nicht wirklich ein Spaß, aber später entwickelt man Strategien, die einem helfen zu überleben. Das hilft einem als Komiker, und es verschafft einem Phantasie."

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Unsicherheit und die Angst vor dem Alleinsein waren es auch, die Williams bereits Ende der Siebziger in die Drogensucht trieben. In späteren Interviews scherzte er gerne über schlimme Kokain-Räusche und Alkoholabstürze während seiner Stand-up-Zeit, doch romantisiert hat er die Sucht nie. "Diese Idee, dass du dich als Künstler pushen musst und die dunkle Seite erforschen musst? Ich habe das gemacht. Du kannst viel interessantere Sachen machen, wenn du es sein lässt", sagte er der "New York Times" 2009.

Nachdem sich der befreundete Komiker John Belushi 1982 im Hotel Chateau Marmont in Los Angeles eine tödliche Überdosis aus Kokain und Heroin verpasst hatte, machte Williams Schluss mit Drogen, vorerst. Kurz vor der Geburt seines ersten Sohnes Zachary wurde er clean und blieb es über 20 Jahre lang.

Es folgten Oscar-Nominierungen für seine Rolle als nonstop plappernder Front-DJ in "Good Morning, Vietnam" (1987), danach für seinen Part als Lehrer, der seinen Schülern die Lust an Poesie, Liebe und Abenteuer nahebringt in "Der Club der toten Dichter" und schließlich für seine bis heute bewegendste Rolle als psychisch aus der Bahn geworfener "König der Fischer" (1991), der nach dem Mord an seiner Frau ein Leben als freigeistiger Penner im Central Park führt.

1998, nachdem er vor allem mit komödiantischen Rollen in "Hook", "Toys", "Mrs. Doubtfire" und "Jumanji" zum Hollywood-Superstar geworden war, gewann er den Oscar als bester Nebendarsteller für seine Darstellung in Gus Van Sants "Good Will Hunting" als Psychologe, der einem mathematisch hochbegabten, aber sozial unterentwickelten Jungen (Matt Damon) Halt und Orientierung gibt.

Williams, trotz starker Körperbehaarung und kräftiger Statur ein weicher, eher femininer Typ, konnte vor allem diese väterlichen Rollen wie kein anderer seiner Generation verkörpern. Seine Darstellungen vermittelten dem Zuseher das Gefühl einer gutmütigen, tröstlichen Konstante im Chaos. Es war eine zutiefst unzynische Haltung zum Leben, die sich selbst durch die zahlreichen minderwertigen Komödien und Albernheiten zog, die Williams während seiner Karriere gleich dutzendweise drehte, darunter hohle Klamotten wie "Bicentennial Man" und "Nachts im Museum". Um Geld zu verdienen, wie er in späteren Interviews zugab.

Rückfall in die Sucht, Rückkehr ins Fernsehen

Doch der Abgrund blieb stets nur einen Schritt entfernt - ein prekärer Lebenszustand, aus dem Williams aber auch die Energie zog, mit der er sein Publikum begeisterte.

In einer späten Phase seiner Karriere testete Williams aus, wie es ist, einmal nicht den Kasper zu geben; in Mark Romaneks "One Hour Photo" und Christopher Nolans "Insomnia" (beide 2002) zeigt er sich von einer psychisch labilen, bedrohlichen Seite. "Ich habe immer gefühlt, dass Robins blendende Geschwindigkeit und sein blitzartiger Witz eher ein Versuch waren, mehr zu verbergen als zu offenbaren", sagte sein langjähriger Freund, Monty-Python-Mitglied Eric Idle, einmal der "New York Times. "Er erzählte über Sex oder ganz persönliche Dinge, aber es war immer im Allgemeinen, es ging nie konkret um ihn."

Das änderte sich, als Williams 2003 während eines Drehs in der Einsamkeit Alaskas plötzlich rückfällig wurde. Drei Jahre später begab er sich in eine Entzugsklinik, doch sein Privatleben rettete er nicht mehr: 2008, nach fast 20 Jahren Ehe, trennte sich seine Frau Marsha Garces von ihm. Ein Jahr später musste sich Williams einer Operation am offenen Herzen unterziehen. Danach ging er mit einem neuen Stand-up-Programm auf Tour, Titel: "Weapons of Self Destruction". Und in Interviews begann er, freimütig über seine Drogensucht zu reden, als sei das Teil einer Therapie, die er sich selbst verordnet hatte.

"Ich glaube, Berühmtheit selbst ist eine Droge", sagte Williams zu jener Zeit dem Magazin "Time": "Es gibt Entzug, weil sie in Wellen verläuft: Du bist angesagt, dann bist du es nicht, und dann wieder doch. Sogar jetzt, mit einem Oscar, bin ich immer noch Mork."

Tatsächlich zog es Williams zum Schluss zurück ins Fernsehen. In der Serie "The Crazy Ones" spielte er den nervös-flippigen Chef einer Werbeagentur an der Seite der ehemaligen "Buffy"-Darstellerin Sarah Michelle Gellar. Doch Williams' für die Leinwand perfektionierter Witz war für viele Kritiker schon zur Pose geronnen, der Zeitgeist hatte seinen reinherzigen Humor überholt. Die CBS-Show wurde nach schlechten Quoten nicht für eine zweite Staffel verlängert.

Kurz danach ließ sich Williams erneut in eine Suchtklinik einweisen. Nicht, weil er wieder abgestürzt sei, sondern um den Absturz zu verhindern, hieß es. Ein Kampf, den er offenbar verloren hat. "Shazbot" würde Mork, das Alien, jetzt auf Orkanisch fluchen - gefolgt von einem tiefen Seufzer.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.


Wegen des Todes von Robin Williams haben einige Fernsehsender ihr Programm geändert. Tele 5 zeigt am Mittwoch um 20.15 Uhr die Komödie "Birdcage - ein Paradies für schrille Vögel". Das ZDF nimmt am Mittwoch um 22.45 Uhr den Thriller "Insomnia - Schlaflos" ins Programm. Die ARD strahlt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 0.35 Uhr das Drama "Zeit des Erwachens" aus. Freitagabend folgt der Digitalsender ZDFneo mit einer ganzen Themennacht. Ab 20.15 Uhr zeigt der Sender "Good Will Hunting", "Insomnia" und "The Big White". Der Bezahlsender Sky zeigt am 23. August "The Big Wedding."

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1. Den Mann mit dem traurigen Lachen
kael 12.08.2014
wird man vermissen.
2. es tut mir so leid
julia-s12345 12.08.2014
Es tut mir so leid. Ein ganz großer Schauspieler ist nicht mehr unter uns. Möge er in Frieden ruhen. Vielleicht guckt er aus dem Himmelsfenster hinunter und sieht, wie wir ihn alle geliebt haben und was seine Filme uns bedeutet haben! Wir werden Dich vermissen, Robin!
3. Kraft
anne63 12.08.2014
Was muss es für Kraft und Überwindung kosten, sich über alle Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit hinweg der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich kann es mir nur schwer vorstellen wie es ist, so tief unten zu sein und keinen Sinn im Leben zu sehen. Diese Krankheit muss sehr schlimm sein und mir tun seine Kinder und seine Familie sehr leid. Mir wird er fehlen.
4. Normalerweise...
sangreal 12.08.2014
bin ich nicht geschockt wenn ein Schauspieler stirbt. Aber bei ihm traf es mich sehr. Mögest du in Frieden ruhen, Robin.
5. Typisch: Der traurige Clown,
EiligeIntuition 12.08.2014
der alle anderen zum Lachen bringt, besitzt selbst eine zutiefst verletzte Seele.
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Erste Hilfe bei Depressionen
Das Portal der Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet weiterführende Informationen und Kontakte zu Krisendiensten. Dort kann man, nach Postleitzahlen gegliedert, ortsgebundene Anlaufstellen finden.

Bei akuten Notfällen sollte der Rettungsdienst unter der Nummer 112 verständigt werden.
Erste Hilfe bei Alkoholsucht
Auf dem Hilfsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden sich ein Selbsttest und Informationen zum Thema Alkohol beziehungsweise Suchtprävention.

Interessierten steht zudem ein Infotelefon zur Verfügung. Die Mitarbeiter der BZgA beantworten unter der Nummer 0221-892031 Fragen zur Suchtvorbeugung und vermitteln Betroffene an Beratungsstellen in ihrer Nähe. Die Homepage bietet zudem ein Verzeichnis der Suchtberatungsstellen.
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Auf dem Portal zur Spielsucht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es einen Selbsttest, eine Chatsprechstunde, eine Online-Beratung sowie ein kostenloses und anonymes Beratungstelefon unter der Nummer 0800-1372700. Außerdem bietet das Portal weiterführende Links zu regionalen Anlaufstellen in Wohnortnähe.
Spezifische Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern
Beim kostenlosen und anonymen Angebot des Vereins Nummer gegen Kummer können Kinder und Jugendliche über Sorgen und Probleme reden. Unter der Nummer 0800-1110333 erhalten die Jugendlichen montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr Hilfe, samstags beraten Jugendliche die Jugendlichen.

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