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"RoboCop"-Remake: Liebenswerter Edelschrott

Von Daniel Sander

Das Original gilt als einer der besten Action-Filme der Kinogeschichte. Das Remake des Kinoklassikers "RoboCop" aber schwankt zwischen unfreiwilliger Komik und Satire. Ausgerechnet bei seiner Hauptaufgabe schwächelt der Cyborg.

Von manchen Filmen erwartet man so wenig, dass sie nur gewinnen können. Das Remake von Paul Verhoevens 26 Jahre altem Klassiker "RocoCop" ist so ein Fall. Das Original gilt als einer der besten Action-Filme der Kinogeschichte, noch dazu als brillante Satire auf die Gier der Großkonzerne und die Hysterie der Medien.

Es gibt viele Hardcore-Fans, die schon aus Prinzip gegen das Remake sind, weil sie das Original für perfekt halten. Andere haben kein Problem mit einer Neufassung, sehr wohl aber mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren - wo doch der alte "RoboCop" an Härte und Brutalität auch heute noch seinesgleichen sucht. Wieder andere dürften von den vernichtenden Reaktionen des Regisseurs José Padilha ("Tropa de Elite", immerhin ein Berlinale-Gewinner) auf eine durchgesickerte Drehbuchfassung gehört haben. Er soll einem Kollegen anvertraut haben, dass die Arbeit am Film "die Hölle" sei und die Hollywood-Bosse von zehn seiner Ideen mindestens neun standardmäßig vernichten würden.

Spricht alles nicht für einen Superhit. Und nein, ein Superhit ist "RoboCop" anno 2014 auch nicht geworden. Aber auch keine Katastrophe. Und manchmal, öfter als gedacht, kann das Ganze sogar ziemlichen Spaß machen.

Gepanzerte Menschmaschinen sorgen für Ordnung

Dazu sollte man die wohligen Erinnerungen an das Original von 1987 möglichst verschwommen halten, denn davon ist nur das grobe Handlungsgerüst übriggeblieben: Nachdem der ehrenwerte Cop Alex Murphy (früher Peter Weller, jetzt Joel Kinnaman) im Detroit einer nicht allzu fernen Zukunft miesen Kriminellen zum Opfer fällt, bastelt der skrupellose Konzern OmniCorp (früher: Omni Consumer Products) aus Murphys Überresten eine gepanzerte Menschmaschine, die für Recht und Ordnung in Detroits Straßen sorgen soll. Eigentlich will OmniCorp damit aber nur den Weg ebnen für den USA-weiten Einsatz vollautomatischer Polizeiroboter und damit für unendlichen Profit.

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"RoboCop"-Remake: Syntax Error im Familiendrama-Modus
Neu im Remake ist, dass die Polizeiroboter hier schon genutzt werden, und zwar als zweibeinige Kampfdrohnen in Kriegsgebieten auf der ganzen Welt. Super Sache, auch wenn die Maschinen nicht immer 100-prozentig zuverlässig Feinde erkennen können und deswegen alles niedermetzeln, was entfernt bedrohlich wirkt. Kinder mit Taschenmessern etwa. Auf den eigenen Straßen ist das den Amerikanern dann auch zu gefährlich, weswegen OmniCorp eine RoboCop-Imagekampagne braucht. Nicht gerade eine subtile, aber eine effektive Metapher auf die heutige amerikanische Kampfdrohnenpolitik - und noch einmal aufgepimpt durch den TV-Moderator Pat Novak (Samuel L. Jackson), der in seiner überpatriotischen Show "The Novak Element" fanatische Plädoyers für die Roboter hält. So wie es in der Realität in Bill O'Reillys Fox-News-Show "The O'Reilly Factor" passieren könnte.

Frei von wildem Horror

In diesem Satiremodus funktioniert der neue "RoboCop" - wie das Original - am besten: als beißend böser Blick auf Politik und Medien. Den wahrscheinlich amüsantesten Auftritt im ganzen Film hat Michael Keaton als fieser OmniCorp-Boss - kein typischer Hollywood-Oberschurke, sondern ein enthusiastischer Innovationsguru mit mitreißender -Steve-Jobs-Attitüde.

Es gibt in "RoboCop" allerdings auch noch den schadenanfälligen Action-Modus, der schon wegen der "Ab 12 Jahre"-Altersfreigabe nicht flüssig funktionieren will. Wenn RoboCop seine Gegner umnietet, sieht das hier aus wie in einem langweiligen Computerspiel - steril und blutlos, frei von dem wilden Horror, den das Original berühmt gemacht hat.

Und, noch schlimmer: "RoboCop" im Familiendrama-Modus. Den gab es im Original gar nicht, und es hat ihn auch niemand vermisst. Hier aber hat RoboCop auch als Cyborg noch eine liebende und sorgende Ehefrau (Abbie Cornish) und einen kleinen Sohn (John Paul Ruttan), der seinen Daddy auch als gruseligen Metall-Freak noch liebhat. Das soll wahrscheinlich für Momente der Rührung sorgen, bringt aber nur weitere Comedy-Elemente, diesmal allerdings unfreiwillige.

Was bleibt also übrig vom neuen RoboCop? Er ist natürlich nicht so gut wie das Original, doch was heißt das schon? Besser aber als "RoboCop 2", und im Verhältnis zu "RoboCop 3" geradezu ein Meisterwerk (wobei im Verhältnis zu "RoboCop 3" auch ein Marmeladenbrot als Meisterwerk durchgeht). Der "RoboCop" von heute ist edler Schrott, den man nicht wirklich braucht und trotz aller Macken doch heimlich ins Herz geschlossen hat.


RoboCop. Regie: José Padilha. Mit Joel Kinnaman, Michael Keaton, Gary Oldman, Abbie Cornish.

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Neu im Kino: Tops und Flops
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insgesamt 17 Beiträge
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1. Tropa de Elite
krustentier120 06.02.2014
Ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film über Polizeikorruption und -brutalität. Hoffentlich kriegt er ab jetzt Geld dafür, wieder neue
2. Familienunterhaltung
stalkingwolf 06.02.2014
Da können noch andere Regisseur ein Lied von singen. Dort werden Filme für Erwachsene so weich gespült, so dass die ganze Familie ins Kino gehen kann. Der Regisseur von i am legend hatte z.b auch das Problem
3. Der Robo kriegt was auf 'n Kopp drop!
oneironaut 06.02.2014
wieder mal Hochglanz pseudo Cyber Punk für die Massen. Für all jene, die bei dem Gedanken jetzt den Kopf schütteln empfehle ich wärmstens den im vorletzten Jahr erschienenen Remake von Dreed.
4. Omar
Imrahil02 06.02.2014
aber "Omar" spielt mit, alleine deswegen muss man ins Kino!
5.
TheHutt 06.02.2014
Ein gutes hat dieser Remake-Wahn dennoch. Die Studios machen sich immerhin die Mühe, die Klassiker zeitgleich restauriert auf BluRay wiederzuveröffentlichen. So auch mit dem "RoboCop" von Paul Verhoeven, der seit 31. Januar in einer 4K Restaurierung im Director's Cut mit umfangreichen Bonusmaterial zu haben ist. Ohne Bundle mit dem Remake im Kino hätte sich das Studio diesen Aufwand bestimmt erspart.
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