Romanze "Larry Crowne" Forrest Gump trifft Erin Brockovich

"Larry Crowne" ist der Film zur Wirtschaftskrise: eine Komödie über einen arbeitslosen Polohemdträger, der auf dem zweiten Bildungsweg zu verborgenen Talenten findet. Im Zentrum des romantischen Geschehens: das Hollywood-Superstarpaar Julia Roberts und Tom Hanks.

Kinowelt

Von Ilse Henckel


Larry Crowne ist geschieden und lebt in Kalifornien, ein mittelalter, mittelgrauer, umgänglicher Typ. Früher Koch in der Navy, ist er heute Verkaufsleiter einer Supermarktkette. Bis er plötzlich hinausfliegt - unter dem faulen Vorwand, kein Studium absolviert zu haben.

Larry liegt brach und macht sich Sorgen um seine Zukunft und ums Geld - sein altes Leben ist zu teuer. Also nutzt er seine neue Erfahrung mit dem Downsizing, nämlich von der Firma weggeschrumpft zu werden, um selber unnötige Bestände abzustoßen. Zum Beispiel sein Auto. Günstigen Fahrersatz in Form eines gebrauchten Rollers findet er bei seinem Nachbarn Lamar (Cedric the Entertainer), Betreiber eines Dauer-Trödelmarkts im eigenen Vorgarten. Ein Glück für Larry, wie sich zeigt, denn bald kurvt er mit einer Jugend-Scootergang durch die Gegend, um von der hübschesten Motorrollerbraut mit flotten Klamotten und einer schmissigen Frisur modernisiert zu werden.

Neun Verlierer im Rhetorik-Kurs

Doch die wahre Antwort auf seine Arbeitslosigkeit sei Fortbildung, meinen Freunde und Jobberater, irgendein College-Abschluss müsse her. Und so sitzt Larry als älteres Semester in den Vorlesungen eines exzentrischen japanischen Wirtschaftsprofessors (fabelhaft: George Takei, vormalig Mr. Sulu aus dem "Raumschiff Enterprise") oder mit neun anderen Verlierern in einem Kommunikationskurs von Mercedes Tainot, einer attraktiven, doch übellaunigen und aus Frustration dem Alkohol zugeneigten Rhetorik-Dozentin.

Auch sie steckt in einer Krise und muss ihr Leben umorganisieren; sie leidet am Lehramt und ihrem Ehemann, dem verhinderten Schriftsteller Dean mit einer Passion für Pornos. Larry verfällt ihr schnell.

Tom Hanks legt mit "Larry Crowne" nach "That Thing You Do" von 1996 seine zweite Regiearbeit vor; zusammen mit Nia Vardalos ("My big fat Greek Wedding") schrieb er das Drehbuch und fungiert außerdem als Produzent und Hauptdarsteller. Leider verliert sich die feine, hochaktuelle Grundidee seiner Rezessions-Romanze im Banalen, zu flach gelegt sind Charaktere und Humor, zu reibungslos folgt rückschlagsfreier Aufbruch auf realistische Probleme. Die Botschaft vom amerikanischen Traum, von der Tatkraft und dem Glück des Tüchtigen flaut ab zur ökonomischen Seifenoper.

Doch wen kümmert das, wenn Tom Hanks uneitel mit unflottem Sturzhelm die angesäuselte Julia Roberts auf dem Rücksitz seines Flitzers heimfährt, wenn er sie begeistert bekocht und becirct - wenn Julia Roberts strahlt.


Larry Crowne. Start: 30.6. Regie: Tom Hanks. Mit Tom Hanks, Julia Roberts.



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