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12. Februar 2008, 16:18 Uhr

Romy-Schneider-Film

Ein Soap-Sternchen gibt den Weltstar

Von Daniel Sander

Bitte nicht die, beteten unzählige Verehrer von Romy Schneider. Sie wurden nicht erhört: Yvonne Catterfeld spielt in "Eine Frau wie Romy" die Titelrolle. Immerhin machte sie bei der heutigen Präsentation des Projektes nichts falsch- und das ist ja schon mal was.

Schon seit ein paar Tagen waberten die Gerüchte durch Berlin, viele hielten es für einen Witz, doch jetzt ist es offiziell: Yvonne Catterfeld wird Romy Schneider spielen, in einem großen, teuren Film, der irgendwann 2009 in die Kinos kommen soll, mit dem vielsagenden Titel "Eine Frau wie Romy". Ja, wirklich. Die Yvonne Catterfeld - bekannt als TV-Soap-Sternchen ("Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Sophie - Braut wider Willen"), Interpretin zunehmend erfolgloser Schmacht-Popsongs von Dieter Bohlen und als Ex-Freundin von Wayne Carpendale - spielt die Romy Schneider, die Einzigartige.

Schauspielerin Catterfeld: Inkarnation Romy Schneiders?
DPA

Schauspielerin Catterfeld: Inkarnation Romy Schneiders?

Das verlangt natürlich nach Erklärungen, und so mühten sich die Verantwortlichen auf der heutigen Pressekonferenz im Ballsaal des Berliner Hotel du Rome redlich, ihre zweifelsohne unerwartete Wahl vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Der Deutschland-Chef von Warner Bros. saß vorn, daneben Produzent Douglas Welbat, wobei es nicht besonders ermutigend klang, dass dieser als Mann hinter "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" vorgestellt wurde.

Gleich daneben der Regisseur Josef Rusnak, verantwortlich für die wenig erfolgreiche "Matrix"-Variante "The Thirteenth Floor" und eine Folge von "Schimanski". Und weil es beim Thema Romy Schneider ohne Franzosen nun einmal nicht geht, und wohl auch, um der anwesenden Presse ein etwas besseres Gefühl zu geben, ist auch Produzent Raymond Danon gekommen, natürlich als einziger im eleganten Anzug mit Krawatte und Einstecktuch. Ein alter Freund von Romy Schneider, der immerhin acht Filme mit ihr gemacht hat darunter ihren letzten, "Die Spaziergängerin von Sanssouci".

Von einem "Herzensprojekt" spricht Rusnak, dreieinhalb Jahre habe man schon daran geplant. "Ein Werk, das in die Geschichte eingehen wird" verspricht der Mann von Warner. Und alle reden sie davon, wie schwierig es gewesen sei, eine geeignete Hauptdarstellerin zu finden, denn mit diesem Punkt, na klar, stehe und falle das ganze Projekt. "Nach der Inkarnation Romy Schneiders" habe man gefahndet, so Danon.

Bevor diese dann das Podium betreten darf, gibt es schnell noch einen zweiminütigen Clip von "Probeaufnahmen" zu sehen, die einen Vorgeschmack auf die laut allen Beteiligten "überwältigende Leistung" gewähren sollen. Und da ist sie dann das erste Mal auf dem Bildschirm zu sehen: die kleine Yvonne Catterfeld, herausgeputzt als Romy auf einem Sofa sitzend, kindlich hoffnungsvoll von einer Karriere als Sissi schwärmend. Gleich danach nachdenklich mit dem Ruhm hadernd und letztlich als gebrochene Lady auf französisch der Verzweiflung anheim fallend. Tja.

"Ich möchte keinen Mythos zerstören."

Kurze Einblicke sollten das sein, in das, was einen da erwarten könnte, was sie angesichts der Kürze und geschickter Schnitte natürlich nicht wirklich waren. Als Sissi ist sie überzeugender, die spätere Romy ist ihr nur schwer abzunehmen, aber vielleicht hilft da das richtige Make-up. Ganz schlecht angestellt hat sie sich insgesamt aber nicht, so weit man das in zwei Minuten beurteilen kann, und das ist ja schon einmal etwas.

Und dann kommt sie. Im schwarzen Kleidchen und hochgesteckten Haaren, ganz auf elegant getrimmt, schwebt sie zu ihrem Platz, lächelt schüchtern und sagt das, was es für sie zu sagen gibt. Sie wolle die verborgenen Wahrheiten der Romy Schneider ergründen, es sei eine große Ehre, und vor allem gehe es ihr darum, Romy Schneider nicht nur als gespaltenen Star, sondern auch "als Geliebte, Liebende, Verführerin" darzustellen. "Als Hausfrau und Mutter", fügt Produzent Welbat allen Ernstes hinzu.

Nach einer guten Stunde ist alles vorbei. Die Dreharbeiten haben noch nicht begonnen, die anderen Rollen müssen noch besetzt werden - man wagt sich kaum auszumalen, wer wohl als Alain Delon auftreten wird - aber es klingt nicht so, als ob man das Ganze noch aufhalten könnte. Der Film soll Romy Schneiders ganzes Leben umfassen, bis zu ihrem Tod mit 43 Jahren, eine überlebensgroße Aufgabe für die 28-jährige Catterfeld, die ohne offizielle Schauspieler-Ausbildung auskommen muss. Sie werde sich aber "sehr professionell vorbereiten", verspricht sie, sie habe exzellente Lehrer. "Ich möchte keinen Mythos zerstören."

Genau. Das möchte niemand.

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