Rudolf Thome Rudolf Thome: "Paradiso" - Über sieben Brücken musst du gehen...

In dem sensiblen und schwerelosen Film "Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" verwirklicht der deutsche Regisseur Rudolf Thome seine Utopie von der modernen Großfamilie.

Von Cristina Moles Kaupp


Einmal zu einem runden Geburtstag all die Frauen am Tisch versammeln, die einem viel bedeutet haben im Leben. Schauen, was aus ihnen geworden ist, ob sie sich miteinander vertragen, ob man vielleicht geheime Muster erkennen kann. Nur eine Männerphantasie? Adam (Hanns Zischler) wagt es und will den Sechzigsten gleich eine Woche lang mit den wichtigsten sieben Frauen feiern. Draußen am mecklenburgischen See, auf seinem Grundstück mit dem netten Haus und dem kleinen Garten, den er hegt und pflegt. Er hatte Glück im Leben, Erfolg im Beruf und bei den Frauen. „Früher“, bekennt seine Stimme aus dem Off, „wollte ich immer nur die Wahrheit in der Musik“. Sie bedeutete Zerstörung - auch im Privaten: Drei Ehen und einen Sohn, Billy (Guntram Brattia), den er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat. Gealtert erkennt er nun den Wert der Vereinigung. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen eins werden, allerdings nicht nur in der Musik, die wie der Maestro selbst tiefe Eindrücke hinterlässt.

So kommen alle Sieben: Berenice (Irm Hermann), die nach der Trennung ins Kloster ging, die temperamentvolle Schauspielerin Lulu (Adriana Altaras), Lilith (Sabine Bach), Jacqueline (Amelie Zur Mühlen), Marion (Khyana El Bitar) und die Opernsängerin Lucia (Isabel Hindersin). Nur Eva (Cora Frost) ist schon da - seine junge Ehefrau, von der er zwei Kinder hat. Auch Billy traut sich, widerstrebend, weil er den unbekannten Vater nicht versteht. Unverblümt schimpft er Adam einen unsensiblen Egoisten mit Haremsallüren und holt, als die Worte nicht treffen, zum Schlag aus. Somit ist Ödipus Genüge getan und Rudolf Thome verzichtet dankenswerterweise auf weiteres Psychologisieren. Stattdessen gewährt er seinen Darstellen genügend Zeit, sich in dem zunächst befremdlichen Arrangement zurechtzufinden. Sonne und Naturidyll tun ihr Übriges: Die anfänglichen Animositäten weichen Verständnis und einer zärtlichen Neugier aufeinander. So feiert der ebenfalls 60-jährige Thome mit Adam nicht zuletzt auch die Möglichkeit der etwas anderen Großfamilie, die vielleicht glücklicher und entspannter als andere „normale“ Familien durch das Leben geht.

"Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen", Deutschland 1999, Regie: Rudolf Thome, Buch: Rudolf Thome, Kamera: Reinhold Vorschneider, Produktion: Moana-Film-GmbH, 103 Minuten



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