Rückblick: Die Skandale der Berlinale
Gina Lollobrigida plauderte Geheimnisse aus, Vietnam-Filme, ein erigierter Penis und eine "Berlinackte" erregten die Gemüter: Eine Übersicht über die Skandale aus 55 Jahren Filmfestspiel-Geschichte.
Michael Verhoeven als Soldat Erikson in "O.K."
Eine Welle von Protest hatte es daraufhin gegeben, und Journalisten und Regisseure solidarisierten sich mit Verhoeven. Das Ende vom Lied: Die Jury löste sich selbst auf, und es gab weder den Goldenen noch die Silbernen Bären, zum einzigen Mal in der Geschichte der Festspiele.
Nick (Christopher Walken), Michael (Robert De Niro) und Steven (John Savage) in Michael Ciminos "The Deer Hunter"
"Im Reich der Sinne" von Nagisa Oshima wurde 1976 der Pornografie verdächtigt und von der Berliner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Das Ermittlungsverfahren wurde zwar bald darauf eingestellt, die Aufführung im Internationalen Forum war durch den Polizeieinsatz aber verhindert worden.
Drehbuchautor und Journalist Stefan Aust und Regisseur Reinhard Hauff bei der Vorstellung von "Stammheim"
Der Eklat kam erst bei der Preisverleihung: "Stammheim" wurde zum besten Film gekürt - die Jury-Vorsitzende Gina Lollobrigida war mit der Entscheidung allerdings nicht einverstanden und erklärte dies auch noch öffentlich. Damit verstieß die Italienerin gegen ihre Schweigepflicht - ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Berlinale.
Kerry Fox und Mark Rylana in "Intimacy": Viel Sex mit wenig Scham
Stopp für Festivalleiter Moritz de Hadeln: Nach 22 Jahren flog der Holländer raus
Nur wenige Tage vor diesem Termin erhielt er im Urlaub die schriftliche Kündigung. De Hadeln behauptete, es hätte vorher keine Gespräche gegeben. Überraschend war diese plötzliche Entlassung auch, weil de Hadeln den Umzug der Berlinale vom Zoopalast zum Potsdamer Platz ordentlich gemeistert hatte. Als Grund für die vorzeitige Kündigung wird häufig das gespannte Verhältnis zwischen de Hadeln und dem damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann angegeben. Naumann hatte bei der Entscheidung das letzte Wort.
2004 gewann Fatih Akins "Gegen die Wand" den Goldenen Bären, die "Bild"-Zeitung" enthüllte jedoch einen Tag nach der Preisverleihung, dass Hauptdarstellerin Sibel Kekilli früher in Pornofilmen mitgewirkt hat. Die Nation schwankte tagelang zwischen Jubel über einen deutschen Gewinnerfilm, Toleranz und Empörung. 2005 verlief ungleich unskandalöser. Für Schlagzeilen sorgte jedoch Jurymitglied Bai-Ling: Die chinesische Schauspielerin tanzte auf Berlinale-Partys betont freizügig und handelte sich damit den Spitznamen "Berlinackte" ("Bild") ein.
2006 sorgte vor allem Matthias Glasners Vergewaltiger-Drama "Der freie Wille" für Schlagzeilen. "Gewalt-Sex schockt die Berlinale", titelte die Boulevard-Zeitung "B.Z." ob der drastischen Darstellungen. Am Ende gewann Jürgen Vogel für die Hauptrolle einen Silbernen Bären.
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- Dienstag, 10.02.2009 – 14:22 Uhr
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- Chronik: Chronik - Die Höhepunkte der Berlinale (07.02.2000)
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