Rumänien Dorfbewohner verklagen "Borat"

Beschwert haben sie sich schon - jetzt lassen Bewohner des rumänischen Dorfes, das in "Borat" gezeigt wird, Taten folgen und reichten Klage ein. In Israel sorgten indes nicht die antisemitischen Witze, sondern ein zweifelhaftes Outfit des Reporters für Aufregung.


New York - Nach Protesten aus Kasachstan und den USA und den Klagen zweier amerikanischer Studenten, wollen jetzt auch Bewohner eines rumänischen Dorfes die Produzenten des Erfolgsfilms "Borat" vor Gericht sehen. In der am Montag in New York eingereichten Klage verlangen sie eine Entschädigung in Höhe von 30 Millionen Dollar. Sie werfen dem Filmemacher Sacha Baron Cohen vor, sie in die Irre geführt und behauptet zu haben, er drehe eine Dokumentation über Armut in Rumänien.

Komiker Cohen als "Borat": In Israel will man dieses exzentrische Kleidungsstück nicht dulden
20th Century Fox

Komiker Cohen als "Borat": In Israel will man dieses exzentrische Kleidungsstück nicht dulden

Die beiden Kläger Nicolae Todorache und Spiridom Ciorebea aus dem Dorf Glod, knapp 140 Kilometer nordwestlich von Bukarest, sind in "Borat" in Statistenrollen als Kasachen zu sehen. Sie erklärten, die Produktionsfirma 20th Century Fox habe ihnen eine realistische Darstellung ihrer Lebenswelt zugesagt. "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein", heißt es in der Klageschrift. "Das Projekt zielte darauf ab, die Kläger und andere Dorfbewohner als Vergewaltiger, Abtreiber, Prostituierte, Diebe, Rassisten, Fanatiker, Dummköpfe und/oder Flegel darzustellen."

Ein Sprecher von 20th Century Fox, Gregg Brilliant, wies die Vorwürfe zurück und erklärte, es sei niemals von einem Dokumentarfilm die Rede gewesen. Die Kläger seien für ihre Rollen bei der Darstellung eines fiktiven Dorfes sehr gut bezahlt worden. "Es ist ein Film, der satirische Mittel nutzt, um Rassismus und Bigotterie zu entlarven", erklärte Brilliant.

Erst kürzlich hatten auch zwei Studenten, die in "Borat" in angetrunkenem Zustand rassistische und sexistische Kommentare abgeben, Klage eingereicht.

Auch in Israel sorgt "Borat" für Ärger, allerdings wurden da nicht etwa die antisemitischen Witze des fiktiven Reporters beanstandet, sondern sein exzentrischer Badeanzug. Poster, auf denen er in der - zugegeben scheußlichen - Kreation posiert, seien abgerissen worden, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz". Stattdessen sollen Plakate aufgehängt werden, auf denen "Borat" seinen schlecht sitzenden Anzug trägt.

Der britische Komiker Cohen spielt in "Borat" einen gleichnamigen kasachischen Journalisten, der die USA bereist. Der Film wurde zum Überraschungserfolg und spielte allein in den USA bereits mehr als 90 Millionen Dollar ein. Bewohner Kasachstans haben ebenfalls gegen ihre Darstellung in dem Film protestiert.

amg/AP/Reuters



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