Film-Mogul Run Run Shaw ist tot Der Kung-Fu-Kino-Kapitalist

Er verpflanzte Hollywood nach Hongkong und baute ein Kino-Imperium auf: Kung-Fu-Kämpfer prägten seine Fließband-Filme, schöne Frauen schmückten sein Image, Gewerkschaften waren ihm ein Graus. Nun ist der Martial-Arts-Mogul Run Run Shaw gestorben, er wurde 106 Jahre alt.

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Ob er ohne Feng-Shui solche Reichtümer hätte anhäufen können? 1977, als der SPIEGEL erstmals über die "Kunst des Erdwahrsagens" berichtete, wurde der Filmmagnat Sir Run Run Shaw als Kronzeuge für "Aberglaube und Magie" in der sonst so westlich abgeklärten damaligen britischen Kolonie Hongkong zitiert: "Unter allen verfügbaren Bauplätzen wählte Runs Geomant einen felsigen Hügelhang in einem der entlegensten Gebiete der Neuen Territorien aus."

Dort, an der Clearwater Bay, war das Land billig, es lag nahe an der "rotchinesischen Grenze", wie es damals hieß. Also kaufte Run Run Shaw der Krone 1957 rund 20 Hektar ab, um die seinerzeit größten Filmstudios Asiens zu bauen. Shaw Movietown wurde 1961 eröffnet - und zur Zentrale eines Imperiums.

In Movietown imitierte Shaw die klassischen Hollywoodstudios, die Schauspieler wohnten auf dem Gelände, in zehn Hallen und 16 Freiland-Sets wurde rund um die Uhr gedreht. Zu seinen produktivsten Zeiten warf das Filmfließband um die 40 Spielfilme pro Jahr ab.

Ein paar Unterschiede zu Hollywood benannte Run Run Shaw 1979 gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" allerdings: Weil es in Hongkong keine Kartellgesetze gab, konnte er ungehindert Kinos zukaufen, die seine Produktionen zeigten. Und: "Wir brauchen uns nicht um Gewerkschaften zu kümmern, die, wie es in Hollywood üblich ist, unsinnige Forderungen stellen." Eine Geschäftsphilosophie, die sogar die konservative "FAZ" spitz als "frühkapitalistisch" bezeichnete.

Inhaltlich befriedigte die Produktionsfirma Shaw Brothers die breite Masse: Kampfkunst-Epen, Breitwand-Musicals. Oft wurden die Filme sogar ohne Ton gedreht, die Schauspieler sagten nur Zahlen auf, um den Mund zu bewegen. Das sparte Zeit und half später bei der Synchronisation. "Wir sind hier, um Geld zu verdienen", wehrte Shaw gegenüber dem US-Magazin "Time" alle künstlerischen Ambitionen ab.

Bruce Lee? Standardvertrag!

Immerhin gewann Shaws "The Magnificent Concubine" 1962 bei den Filmfestspielen von Cannes einen Technikpreis. Und über die Jahre wuchs der Respekt vor dem Werk des "Zaren des Asiatischen Kinos", wie Run Run Shaw tituliert wurde, wenn er mal wieder auf Festivals Hof hielt, oft mit Hongkongs schönsten Frauen im Arm. Westliche Besucher beeindruckte Shaw auch mit seinen Tai-Chi-Künsten, und sein Ginsengkonsum soll sehr kostspielig gewesen sein. Zudem schätzte er Autos der Marke Rolls-Royce.

Geboren wurde Run Run Shaw in der ostchinesischen Stadt Ningbo, die meisten Quellen sind sich über das Geburtsjahr 1907 einig, als jüngster von sechs Söhnen einer Textilhändlerfamilie, die ihren Namen Shao anglisierte. Von Singapur aus führte die Familie später eine Kinokette und Vergnügungsparks; vor der japanischen Invasion der malaiischen Halbinsel im Zweiten Weltkrieg legte sie ihr Vermögen nach Angaben von Run Run Shaw in Edelsteinen an und verbuddelte diese im Garten. Nach der Kapitulation Japans buddelten sie sie wieder aus und hatten ihr Startkapital für die neue Zeit.

Die US-HipHop-Gruppe Wu-Tang Clan baute lange später eine komplette Privatmythologie auf die Shaolin-Filme aus dem Hause Shaw auf. Und der Filmemacher Quentin Tarantino sagte über seine Vorbereitungen zu den "Kill Bill"-Filmen: "Ein Jahr lang habe ich mir jeden Tag einen alten Shaw-Brothers-Film angeschaut - wenn nicht drei."

Einen strategischen Fehler beging Shaw 1971, als er dem aufstrebenden Kung-Fu-Star Bruce Lee nur einen Standard-Schauspielervertrag anbieten wollte. Der ging daraufhin zur Konkurrenzfirma Golden Harvest, die der ehemalige Shaw-Mitarbeiter Raymond Chow gegründet hatte.

Als die Karate- und Kung-Fu-Film-Welle abebbte, verlor Run Run Shaw auch das Interesse am einheimischen Film. Er investierte als Co-Produzent in den USA, unter anderem in "Blade Runner" (1982). Vor allem aber baute er in Hongkong den bis heute reichweitenstärksten Fernsehsender TVB auf, dessen Shows die chinesische Gegenwartskultur prägten. Mit wachsendem Reichtum unterstützte Run Run Shaw gemeinnützige Einrichtungen in Hongkong, wofür ihn die britische Königin 1974 sogar adelte.

Am Dienstag ist Run Run Shaw, der seit 1997 in zweiter Ehe mit der früheren Sängerin Mona Fong verheiratet war, im Kreise seiner Familie in Hongkong verstorben. Nach westlicher Zählung wurde er 106 Jahre alt. Die Nachrichtenagentur AP verwies darauf, dass der Sender TVB in seiner Todesmeldung von 107 Jahren gesprochen habe, da man in China traditionell davon ausgehe, ein Kind sei bei seiner Geburt ein Jahr alt.

feb/AP/Reuters



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insgesamt 4 Beiträge
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kaitou1412 07.01.2014
1.
Was für ein Alter! Was für ein China er alles miterlebt hat … Die 36. Kammern der Shaolin, ein unvergessener Film. ^^ Eine ehrfürchtige Verbeugung von einem Shaolin-Artisten.
tylerdurdenvolland 08.01.2014
2. Lustig waren die Filme schon, das muss man ihm lassen...
Zitat von sysopddp imagesEr verpflanzte Hollywood nach Hongkong und baute ein Kino-Imperium auf: Kung-Fu-Kämpfer prägten seine Fließband-Filme, schöne Frauen schmückten sein Image, Gewerkschaften waren ihm ein Graus. Nun ist der Martial-Arts-Mogul Run Run Shaw gestorben, er wurde 106 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/run-run-shaw-martial-arts-film-mogul-aus-hongkong-gestorben-a-942158.html
Ich war in den 60er Jahren mal in Singapur und habe einen der run run shaw filme gesehen und mich ganz köstlich amüsiert. Man muss schon ein völlig frustrierter, völlig bedeutungs- und machtloser Loser sein, um sowas Kindisches zum Kompensieren zu brauchen. Wer sowas toll findet, der sollte sich mal über den Boxeraufstand etwas genauer informieren. Diese armen Narren glaubten tatsächlich an ihre Überlegenheit, Allmacht und Unverwundbarkeit. Das Resultat war dann leider anders, ganz banale Gewehrkugeln verursachten ein völlig einseitiges Massaker.
artusdanielhoerfeld 08.01.2014
3. Cooler Vorname
"Textilhändlerfamilie, die ihren Namen Shao anglisierte" Ok, aber es ist schade, dass man nicht erfährt, warum seine Eltern auf die abgedehte Idee kamen, ihren Sohn "Run Run" zu nennen.
dom30 08.01.2014
4. Das hört sich
Zitat von tylerdurdenvollandIch war in den 60er Jahren mal in Singapur und habe einen der run run shaw filme gesehen und mich ganz köstlich amüsiert. Man muss schon ein völlig frustrierter, völlig bedeutungs- und machtloser Loser sein, um sowas Kindisches zum Kompensieren zu brauchen. Wer sowas toll findet, der sollte sich mal über den Boxeraufstand etwas genauer informieren. Diese armen Narren glaubten tatsächlich an ihre Überlegenheit, Allmacht und Unverwundbarkeit. Das Resultat war dann leider anders, ganz banale Gewehrkugeln verursachten ein völlig einseitiges Massaker.
aber doch so an als wären diese Filme ideal für Sie?? Einen, wie wir jetzt wissen, Mann im Metusalemalter der hier schreibt, schreibt und schreibt und doch von nichts ne Ahnung hat. Es gibt schon traurige Figuren....
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