Russland Regisseur Elem Klimow gestorben

Elem Klimow galt als einer der bedeutendsten Filmemacher der Sowjetunion: Über die Grenzen Russlands hinaus bekannt wurde er mit dem Film "Abschied von Matjora". Aufsehen erregte auch sein erschütternd realistisches Werk "Komm und sieh" über die Auslöschung eines weißrussisches Dorfes durch die deutsche Armee.


Regisseur Klimow (1990): Erschütternder Realismus
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Regisseur Klimow (1990): Erschütternder Realismus

Moskau - Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Klimow bereits am Sonntag im Alter von 70 Jahren nach einwöchigem Koma in einem Moskauer Krankenhaus. Er gehörte in den achtziger Jahren zur Zeit des politischen Umbruchs in der damaligen Sowjetunion neben Andrej Tarkowskij zu den bedeutendsten Filmemachern seiner Heimat. 1987 widmete ihm die Berliner Akademie der Künste im Westteil der Stadt eine umfangreiche Werkschau.

Bekannt wurde der Schüler von Michail Romm ("Der gewöhnliche Faschismus") vor allem mit dem Film "Abschied von Matjora" (1983) nach einem Roman von Valentin Rasputin, der 1987 als Abschlussfilm auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin gezeigt wurde und damit auch im Westen große Aufmerksamkeit fand.

Der Film, ursprünglich von Klimows 1979 tödlich verunglückten Frau Larissa Schepitko begonnen, erzählt die Geschichte eines russischen Dorfes, das einem Staudamm weichen muss. Kernthema ist der Konflikt zwischen dem optimistischen Glauben an den technischen Fortschritt und der Verbundenheit mit der Natur, eingebettet in einen Generationskonflikt.

Der 1933 in Stalingrad geborene Klimow, der ursprünglich mit Komödien und Sozialsatiren seine Karriere begann, arbeitete von 1974 an an seinem Film "Agonie" über das Ende der Zarendynastie Romanow und die zwielichtige Figur des Grigori Rasputin. Der Film wurde von Kritikern auch als "furioser Totentanz der Monarchie" gelobt. In seiner Heimat konnte der Film aber erst 1981 bei den Moskauer Filmfestspielen uraufgeführt werden und in die Kinos gelangten nur wenige, stark gekürzte Kopien.

Glänzende internationale Kritiken erhielt Klimows Film "Komm und sieh" (1985), der 1987 auch in die westdeutschen Kinos kam und als "grandioses düsteres Requiem für alle Opfer des Krieges" einen tiefen Eindruck hinterließ. Aus dem Blickwinkel eines Jungen schildert der Film mit erschütterndem Realismus die Auslöschung eines weißrussischen Dorfes durch deutsche Truppen im Jahre 1943.

Bei den Filmfestspielen in Moskau wurde er 1985 mit einem Großen Preis ausgezeichnet. Ein Jahr später wurde Klimow in der damals beginnenden Ära Michail Gorbatschows und seiner Perestroika zum Ersten Sekretär des Verbandes der Filmschaffenden der UdSSR gewählt.



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