Schwarze Briten in US-Rollen Samuel L. Jackson kritisiert Casting in Hollywood

Zu viele schwarze Briten würden Afroamerikaner spielen: Samuel L. Jackson kritisiert, dass Rollen in Hollywoodfilmen über Rassenkonflikte zu selten mit US-Schauspielern besetzt werden.

Samuel L. Jackson
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Samuel L. Jackson


Der Schauspieler Samuel L. Jackson hat das Casting in Hollywoodproduktionen kritisiert: "In diesen Filmen spielen viele schwarze britische Schauspieler" mit, sagte Samuel L. Jackson in einem Gespräch mit dem US-Radiosender Hot 97 Anfang der Woche. Er würde sich fragen, wie ein Film wie "Get Out" mit einem "amerikanischen Bruder gewesen wäre, der es wirklich fühlt."

In dem Horrorthriller, der satirisch den Rassismus der US-Vorstadt entlarvt, spielt der britische Schauspieler Daniel Kaluuya einen Mann, der die Familie seiner weißen Freundin besucht.

"Daniel wuchs in einem Land auf, in dem sich Schwarze und Weiße seit 100 Jahren daten", sagte Jackson. "Was hätte ein Bruder aus Amerika aus der Rolle gemacht? Manche Dinge sind universell, aber nicht alle." Ebenfalls erwähnte der Schauspieler Ava DuVernays Werk "Selma"; in dem Film über den US-Bürgerrechtler Martin Luther King spielt der Brite David Oyelowo die Hauptrolle.

Bei der Premiere zu seinem neuen Film, dem King-Kong-Remake "Kong: Skull Island", milderte Jackson am Mittwoch seine Kritik ab, nahm sie aber nicht zurück: Er habe die britischen Schauspieler nicht runtermachen wollen und würde es genießen, mit ihnen zu arbeiten. Seine Äußerungen hätten sich nicht auf die Darsteller bezogen, sondern auf ein System, das schwarzen Schauspielern aus dem Ausland erlaubt, große Rollen in amerikanischen Filmen zu besetzen.

"Es war nur ein Kommentar dazu, dass Hollywood manchmal auf sehr interessante Weise funktioniert." Die Arbeitsbeziehungen zwischen den beiden Ländern seien in dieser Hinsicht wie eine Einbahnstraße: "Uns wird dieser Luxus nicht ermöglicht, aber das ist okay - wir haben viele Möglichkeiten,zu arbeiten."

Kritik an Jacksons Aussagen kam von John Boyega. Der britische "Star Wars"-Darsteller schrieb auf Twitter: "Schwarze Briten gegen Afroamerikaner. Ein bescheuerter Konflikt, für den wir keine Zeit haben."

Auf die Frage, warum so viele britische Schauspieler für amerikanische Rollen gecastet werden, hatte Jackson gesagt: "Zum einen sind sie billiger als wir. Sie kosten nicht zu viel. Und sie (die Agenten und Regisseure, Anm. d. Red.) denken, sie seien besser ausgebildet, weil sie klassisch ausgebildet werden."

"Selma"-Regisseurin Ava DuVernay selbst hatte 2013 angedeutet, die Theaterausbildung vieler britischer Schauspieler sei ein Grund für ihren Erfolg bei Castings - in den USA steht vor allem das Spiel vor der Kamera im Vordergrund. "Ihre Arbeit ist wirklich vom theatralen Spiel geprägt. Unser System ist sehr viel kommerzieller."

"Get out"-Regisseur Jordan Peele hatte in einem Interview mit dem "Observer" gesagt, er habe ursprünglich keinen britischen Schauspieler für die Hauptrolle casten wollen, da sein Film so stark eine afroamerikanischen Erfahrung behandele. Beim Casting habe Kaluuya seien Bedenken jedoch zerstreut - für ihn sei dabei klar geworden, wie universell diese Themen seien.

eth/AP

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