"Satansweib von Tittfield" B-Movie-Ikone Tura Satana gestorben

Stripperin, Trash-Star, Tarantino-Heldin: Als schlagkräftige und kurvenmächtige Amazone schlug sich Tura Satana durch billige Gewaltfilme. Jetzt ist die japanischstämmige US-Aktrice im Alter von 72 Jahren gestorben.

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Hamburg/Los Angeles - Sie wirkte, als sei sie einer Jungsphantasie entsprungen, in der sich Angst und Begehren die Waage halten: Der Körper von Tura Satana verfügte über lebensgefährliche Rundungen, mehr als einmal brachte sie mit ihm auf der Leinwand Schlappschwänze um die Ecke. Am unvergesslichsten war ihr Auftritt in Russ Meyers Selbstermächtigungsreißer "Die Satansweiber von Tittfield" aus dem Jahr 1965, in dem sie als Anführerin einer Stripperinnentruppe mit bloßen Händen einen Mann erledigte.

Als der von Russ Meyer gedrehte Film erschien, war er recht erfolglos. Erst in den achtziger und neunziger Jahren, als Meyers Östrogen-Schocker wiederentdeckt wurden und in Programmkinos und auf Video cinephile, sexuell unterversorgte Jungs in den Bann zogen, entfaltete die in Japan geborene US-Überfrau ihren ganzen Einfluss auf die Popkultur. Mit ihrem pechschwarzen, kurvenbetonenden Look wurde sie neben ihrer Pin-up-Kollegin Bettie Page zum wichtigsten Fetischmoden-Vorbild, ihre optisch extrem ansprechende Kampfkraft machte sie zum Prototyp der Fantasy-Amazone à la "Xena".

Jemand, der in den Achtzigern wieder und wieder "Die Satansweiber von Tittfield" geglotzt haben dürfte, ist die Videotheken-Aushilfe Quentin Tarantino, die später als Starregisseur mit dem wunderbaren PS-Gewalt-Thriller "Death Proof" (2007) eine große Hommage an Meyers Trash-Meistwerk und dessen Hauptdarstellerin inszeniert hat. Darstellerin Rosario Dawson bildete darin mit ihrem schwarzen Stahlkanten-Pony eine perfekte (wenn auch zierlichere) Nachbildung Tura Satanas.

Die Filmografie der üppigen Aktrice ist eher schmal: Neben einem Kurzauftritt in Billy Wilders Rotlicht-Tragikomödie "Das Mädchen Irma La Douce" (1963) an der Seite von Shirley Maclaine und Jack Lemmon war sie in C-Movies wie "Astro-Zombies, Roboter des Grauens" (1968) oder "The Doll Squad" (1973) zu sehen. Dabei hat sie nach eigenen Angaben der Popkultur durchaus weitere Impulse gegeben: So habe sie in ihrer frühen Zeit als Stripperin Elvis Presley als Muse gedient. Von ihr soll der King sein markantes Hüftschwingen kopiert haben, für das er später "Elvis the Pelvis" genannt wurde. Musikhistorisch belegt ist dieses Kapitel nicht, glauben wollen wir es freilich gerne.

Schon am Freitag ist Tura Satana, die schwarz glänzende und bildschirmfüllende Projektionsfläche des amerikanischen Trashkinos, im Alter von 72 Jahren in einem Krankenhaus in Reno verstorben.

cbu/AP



insgesamt 9 Beiträge
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MikeNaeheHamburg 07.02.2011
1. Hm. ...
Tja, schade. Ebenfalls schade, dass einfach ein umgefrickelter AP-Artikel übernommen wird, der gerade einmal anreißt, dass Quentin Tarantino Fan des Films ist. Super! Ich behaupte, dass Filme wie „Faster Pussycat, Kill! ... Kill!“ (der Originaltitel, bei dem sich die Erfinder des idiotischen deutschen Titels heute noch schämen sollten), die Popkultur in den letzten 40 Jahren geprägt hat. Allein der Soundtrack des Films hat haufenweise Garagenbands inspiriert. Um mal eine bekannte zu nennen: The Cramps. Wer in mal komplett online sehen möchte, der sollte nach dem Originaltitel googeln. Steht ziemlich weit oben komplett zur Verfügung - im englischen Original.
Domkirke 07.02.2011
2. Rip
Eine traurige Nachricht. Die Gute war irgendwie eine tolle Schauspielerin. Faster Pussycat, Kill! Kill! ist ein genialer Streifen. Eigentlich fast der Beste von Russ Meyer. Tura hatte dabei immer eine einmalige Ausstrahlung. Möge sie jetzt neben Gary Morre sitzen!
gregor.zielinski 07.02.2011
3. Farewell Tura
Prima, solch ein Nachruf. Aber, um Gottes Willen, Tarantinos "Death Proof" ist allen Zitaten zum Trotz doch einer der langweiligsten Filme dieses Jahrtausends. Absolut grauenhaft.
My2Cents 07.02.2011
4. Der Ton macht die Musik
Mich stört ein wenig der abfällige Unterton gegenüber denjenigen, die sich diese Filme damals gerne angesehen haben, wie zum Beispiel ich. Schließlich ist nichts verwerfliches daran, schöne Frauen schön zu finden. Man kann ja schließlich, bei allem Einsatz, nicht gleich mit allen dann auch schlafen. Ich find ja schließlich auch nichts abfälliges daran, wenn Frauen erregt männliche Babys anglotzen.
Rabban, 07.02.2011
5. .
Ist ja wirklich ne sensationelle Fotostrecke. Grade mal ein Foto von Santana, glückwunsch...
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