Schauspieler und Regisseur Vadim Glowna ist tot

Als Charakterdarsteller brillierte Vadim Glowna in Filmen wie "Die Unberührbare", sein markantes Gesicht veredelte viele Fernsehserienfolgen. Seine Regiearbeit "Desperado City" wurde in Cannes prämiert. Nun ist der große Filmschaffende in Berlin gestorben. Er wurde 70 Jahre alt.

dapd

Berlin - Noch vor wenigen Wochen war er als portugiesischer Kardinal in der internationalen TV-Serie "Borgia" zu sehen - nun ist der Schauspieler Vadim Glowna im Alter von 70 Jahren gestorben. Das teilte seine Agentur Contract am Donnerstag mit. Glowna sei in der Nacht zum Dienstag in einem Berliner Krankenhaus einer kurzen schweren Krankheit erlegen.

Der 1941 im schleswig-holsteinischen Eutin geborene Glowna spielte seit Mitte der sechziger Jahre in mehr als 160 Kino- und Fernsehfilmen mit. Sein Filmdebüt gab er in Johannes Schaafs "Im Schatten der Großstadt". Er trat in Krimiserien auf, spielte in Fernsehfilmen wie "Horror" (1969), dann in Sam Peckinpahs Kriegsfilm "Steiner - Das Eiserne Kreuz" (1976), in "Gruppenbild mit Dame" nach Heinrich Böll (1977) oder in dem Autorenfilm "Deutschland im Herbst" (1978). Er etablierte sich als einer der wichtigsten Protagonisten des neuen Deutschen Films.

Für sein Regiedebüt "Desperado City" (1981), eine im Hamburger Milieu zwischen Eimsbüttel, Altona und St. Pauli angesiedelte Großstadtballade, wurde er in Cannes mit der "Camera d'Or" ausgezeichnet. Weitere Regiewerke waren "Dies rigorose Leben" (1983) und "Des Teufels Paradies" (1986). 2006 kam seine letzte Regiearbeit "Das Haus der schlafenden Schönen" in die Kinos, nach einem Buch des japanischen Literatur-Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata. Im Fernsehen inszenierte er unter anderem die RTL-Krimiserie "Eine Frau wird gejagt" (1995).

Großer Außenseiter des deutschen Films

Als Schauspieler drehte Glowna mit Romy Schneider und Klaus Kinski. Er brillierte in zahlreichen Literaturverfilmungen wie Feuchtwangers "Exil", Frischs "König Blaubart" und Walsers "Ein fliehendes Pferd". International bekannt wurde Glowna mit Filmen wie Claude Chabrols Remake von "Stille Tage in Clichy" oder Sam Peckinpahs Kriegsfilm "Steiner - Das eiserne Kreuz".

Doch das deutsche Massenpublikum kannte ihn vor allem als "Bösen vom Dienst" ("Frankfurter Rundschau") in zahlreichen Fernsehkrimis. Dazu trug auch sein Markenzeichen bei, seine markante Nase, die er sich als Junge bei einer Schlägerei gebrochen hatte. Seine Vorliebe für die Darstellung von Rebellen, Außenseitern und Randfiguren der menschlichen Gesellschaft erklärte Glowna damit, dass solche Menschen "einen Rest von Freiheit" verkörperten. Er selbst stammte nach eigenen Angaben "aus ärmsten Verhältnissen". 2006 veröffentlichte er seine Autobiografie "Der Geschichtenerzähler".

In den Nuller Jahren wurde Vadim Glowna zu so etwas wie dem Stammschauspieler des Regisseurs Oskar Roehler: Er hatte einen kurzen, aber großen Auftritt an der Seite von Hannelore Elsner in "Die Unberührbare", für den er 2000 den Preis der deutschen Filmkritik als Bester Schauspieler bekam. Außerdem spielte er in "Der alte Affe Angst" und überzeugte als Anti-Vater in "Agnes und seine Brüder".

Glowna stand für Theaterregisseure wie Gustaf Gründgens und Claus Peymann auf der Bühne; 2004 gab er nach langen Jahren der Bühnenabstinenz sein Theater-Comeback unter der Regie von Peter Zadek am Deutschen Theater Berlin neben Angela Winkler in "Mutter Courage". Vadim Glowna galt als vielseitiger Charakterkopf unter deutschen Schauspielern. Als großer Außenseiter des deutschen Films wird er unvergesslich bleiben.

feb/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
hermes69 26.01.2012
1. :(
Das ist in der Tat eine sehr traurige Meldung. Mochte Ihn immer sehr gerne. Sehr, sehr schade :(
theodorheuss 26.01.2012
2. Dieser Schauspieler
Zitat von sysopAls Charakterdarsteller brillierte Vadim Glowna in Filmen wie "Die Unberührbare", sein markantes Gesicht veredelte viele Fernsehserienfolgen. Seine Regiearbeit "Desperado City" wurde in Cannes prämiert. Nun ist der große Filmschaffende in Berlin gestorben. Er wurde 70 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,811490,00.html
stand irgendwie immer in der Zweiten Reihe, aber für mich war er immer der Akteur der mir ins Auge stach. Weiß auch nicht, es gibt sicher herausragendere Persönlichkeiten in Show biz, aber diesen Mann mit seiner fleischigen Stimme und seinem "pummeligen" Auftreten werde ich ganz sicher vermißen. Ich denke er war auch ein Klasse Kumpel, Freund, Familievater! Wir sehn uns alle wieder, früher oder später. Ich jedenfalls freu mich da mal auf einen smalltalk mit dir Vadim!
Hemul 26.01.2012
3. Lieber Vadim...
...ruhe in Frieden und vielen, vielen Dank für wunderbare Schauspielleistung.Vielen Dank für schöne, unterhaltsame und vor allem spannende Film- und Fernsehstunden! Deutschland hat und hatte viele Gute Schauspieler, du warst einer von Ihnen, schade dass du fort gehen musstest!
h.hass 26.01.2012
4.
Traurig. Dieser immer etwas zerknautscht und melancholisch wirkende Mann war in jedem Film eine Bereicherung.
al.dente 26.01.2012
5. Nicht nur im Film...
Zitat von h.hassTraurig. Dieser immer etwas zerknautscht und melancholisch wirkende Mann war in jedem Film eine Bereicherung.
...auch im Berliner Straßenbild rund um die Schlüterstrasse, das Adnan und das Café Zett wir er fehlen. Ein bescheidener, angenehmer Mensch.
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