Schlag gegen Regimekritiker Filmregisseur Panahi in Teheran festgenommen

Bei der Berlinale sollte der renommierte Regisseur Jafar Panahi über den Iranischen Film diskutieren, doch das Regime ließ ihn nicht ausreisen. Jetzt wurde der oppositionelle Filmemacher festgenommen - der Teheraner Staatsanwalt wirft ihm diffus "einige Verbrechen" vor.

Erst Ausreiseverbot, nun Festnahme: Der regimekritische Regisseur Jafar Panahi
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Erst Ausreiseverbot, nun Festnahme: Der regimekritische Regisseur Jafar Panahi


Teheran - Der renommierte iranische Filmregisseur Jafar Panahi ist nach Angaben von Regimegegnern in Teheran festgenommen worden. Oppositionelle Websites zitierten am Dienstag den Sohn des Filmemachers. Demnach wurde Panahi zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und anderen Dissidenten am Montagabend verhaftet.

Insgesamt wurden nach Angaben des Sohnes 18 Menschen während einer privaten Versammlung in Panahis Haus festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Es habe keine Begründung der in Zivil gekleideten Sicherheitskräfte gegeben. Die Festgenommenen kommen alle aus der Filmbranche. Panahis Haus sei durchsucht worden, persönliche Gegenstände und Computer konfisziert worden.

Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi bestätigte Panahis Festnahme. Dolatabadi sagte der Nachrichtenagentur ISNA, der Regisseur sei nicht aus politischen Gründen festgenommen worden, oder weil er Künstler sei: "Ihm werden einige Verbrechen vorgeworfen. Aufgrund einer richterlichen Anordnung wurde er zusammen mit einer anderen Person festgenommen."

Der 49-Jährige war im Februar als Ehrengast zur 60. Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Er gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Regisseure in Iran. Im Jahr 2000 hatte er mit seinem Film "Der Kreis" den Goldenen Löwen von Venedig und mit "Offside" 2006 einen Silbernen Bären in Berlin gewonnen.

In Iran hatte sich Panahi zuletzt gemeinsam mit der grünen Bewegung der Opposition gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gestellt. Beim Filmfestival in Montreal im Sommer 2009 überzeugte er seine Mitjuroren, wie er einen grünen Schal zu tragen. Viele Regisseure haben beklagt, dass die Bedingungen für die Branche seit der Amtsübernahme Ahmadinedschads 2005 deutlich verschärft wurden. Sie hatten mehrheitlich das offizielle iranische Filmfestival im vergangenen Monat boykottiert.

feb/AFP/dpa



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Parzival v. d. Dräuen 02.03.2010
1. Revolutionsgelehrte
Gut, gegen China wäre jeder Versuch heillos zum Scheitern verurteilt, aber, Imperialismus hin oder her, kann man nicht endlich im Iran einmarschieren und das Volk befreien?
bfz 02.03.2010
2. ...
Zitat von Parzival v. d. DräuenGut, gegen China wäre jeder Versuch heillos zum Scheitern verurteilt, aber, Imperialismus hin oder her, kann man nicht endlich im Iran einmarschieren und das Volk befreien?
Nein nein, dann heißt es wieder wir wollen deren Öl.
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