Schlöndorff-Eklat Wer kritisiert, fliegt

Kinofilm, Fernsehfilm: Weil Volker Schlöndorff den Zusammenhang von Drehbedingungen und Filmauswertung kritisiert hatte, wurde ihm als Regisseur der Bestseller-Verfilmung "Die Päpstin" gekündigt. Seine Kritik soll der Produktion geschadet haben.


München - Die Meldung liest sich wie das Drehbuch zu einem Medien-Thriller: Weil sich der Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff in einem Zeitungsartikel kritisch über heutige Produktionsbedingungen äußerte, wurde ihm von der Münchner Constantin Film AG als Regisseur der geplanten Verfilmung des Donna-Cross-Bestsellers "Die Päpstin" gekündigt. Doch es ist kein schlechter Scherz: Die Produktionsfirma bestätigte den Vorgang.

Oscar-Gewinner Schlöndorff: "Ruft mich nicht an, mir geht es gut"
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Vor sieben Jahren begann Volker Schlöndorff mit ersten Vorbereitungen für "Die Päpstin", seit etwa dreieinhalb Jahren arbeitete er mit der Constantin daran weiter.

Doch Schlöndorffs Kooperation mit der Constantin Film AG ist Geschichte - zumindest, was "Die Päpstin" betrifft. Zu SPIEGEL ONLINE sagte der Produktionsvorstand, Martin Moszkowicz, der Grund für Volker Schlöndorffs Kündigung sei dessen Kritik an "einer bestimmten Auswertungsart". Gemeint ist die bereits vor Drehbeginn geplante Auswertung eines Kinofilms auch als Fernsehfilm.

Schlöndorff hatte in der "Süddeutschen Zeitung" neue Mischformen von Film und Fernsehen kritisiert. Es beunruhige ihn, dass neue große Filmprojekte unter Ausnutzung von Filmfördermitteln und in Koproduktion mit dem Fernsehen entstünden, erst im Kino liefen und danach zu TV-Mehrteilern umgearbeitet und als "Director's Cut" vermarktet würden.

In dem Artikel mit dem Titel "Vorhang auf, Vorhang runter" schrieb er: "Keine Sequenz kann mehr mit der für einen Spielfilm erforderlichen Sorgfalt gedreht werden, immer heißt es, für die Fernsehfassung ist das genug." Diese Produktionsart sei eben ein "Verschnitt", und zwar in dem Sinne "wie das Wort bei der Weinpanscherei verwendet wird", keinesfalls aber ein "Grand Cru."

Moszkowicz hält dagegen: "Das ist kontraproduktiv für seine eigene Produktion, die sich gerade in der Finanzierungsphase befindet." Außerdem unterstelle Schlöndorffs Kritik Regisseuren wie Max Färberböck und Uli Edel, die gerade mit eben solchen Produktionen beschäftigt sind, eine schludrige Arbeitsweise.

Den Film "Die Päpstin" erwähnte Schlöndorff in seinem Zeitungsbeitrag allerdings nicht, seine Kritik habe sich generell gegen die "jetzt geplanten und in Arbeit befindlichen Mehrteiler" gerichtet. Heute sagte er der "SZ" in einem Interview, ihm sei nicht klar gewesen, "wie sehr sich mein Bemühen um eine allgemeine filmpolitische Auseinandersetzung arbeitsrechtlich gegen mich verwenden lassen würde".

Moszkowicz äußerte sich jedoch verwundert: "Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass diese Diskussion aufkommen wird." In einem Gespräch in der vergangenen Woche scheint keine Aussöhnung zwischen den Parteien möglich gewesen zu sein: Schlöndorff habe ihm gesagt, so Moszkowicz, der Artikel würde der Produktion nicht schaden. "Da muss ich aber sagen: Da ist er sehr, sehr naiv", erklärte der Produzent. Jetzt würden Gespräche mit potentiellen neuen Regisseuren geführt. Es gebe bereits großes Interesse.

Abschließend zeigte sich Moszkowicz versöhnlich: "Es gibt keinerlei Ressentiments. Wir würden uns auch sehr freuen, zukünftig bei einem anderen Projekt mit Volker Schlöndorff zusammen zu arbeiten."

Derzeit hat der Regisseur sich aber zunächst einmal zurückgezogen: "Auf zu neuen Ufern", schreibt er in einer Stellungnahme, die SPIEGEL ONLINE per E-Mail aus den USA erhielt. Fett gedruckt und in Großbuchstaben äußert er darin noch den Wunsch: "Bitte schreibt mir nicht, antwortet nicht, ruft mich nicht an. Mir geht es gut."

bos/dpa/ddp



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