Interview mit Matthias Schweighöfer: "Grüße von Clooney? Finde ich krass"

Er ist die deutsche Ein-Mann-Komödien-Fabrik: Matthias Schweighöfer führt Regie, produziert und spielt natürlich mit. Im Interview zu "Schlussmacher" verrät er, wie er kommerzielle Kunstfilme drehen will, was er von seinem Kumpel Til Schweiger gelernt hat - und wer ihm aus Hollywood mailt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schweighöfer, Ihr neuer Film "Schlussmacher" ist Ihre zweite Regie-Arbeit. Sind Sie zufrieden?

Schweighöfer: Ich bin sehr stolz darauf und finde ihn ganz schön erwachsen für einen zweiten Film - lustige Unterhaltung, die auch berühren soll. Und wir haben eine Menge Neues ausprobiert. Gut finde ich zum Beispiel, dass wir mal einen richtigen Action-Stunt gemacht haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst haben sich unlängst nach neun Jahren von Ihrer Freundin getrennt. Nun spielen Sie einen jungen Kerl, der sein Geld damit verdient, stellvertretend Beziehungen zu beenden. Wie viel eigenes Leben fließt in so eine Komödie ein?

Schweighöfer: Alle meine Filme haben mit meinem Leben zu tun. Der nächste handelt übrigens vom Vaterwerden. Ich mochte die Idee, etwas total Fiktives wie die Schlussmacher-Agentur in einen realen Zusammenhang zu setzen, mit den beiden Männern, Paul und Toto, die jeweils auf ihre eigene Weise mit Trennungen umgehen. So ist das im Leben ja oft: Man trennt sich und kommt wieder zusammen. Aber was passiert eigentlich dazwischen? Vorbilder für meine und Milan Peschels Rollen waren Jack Lemmon und Walter Matthau.

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Matthias Schweighöfer: Der Komödiant, der auch Kunstfilm kann
SPIEGEL ONLINE: Wie viel Schweighöfer steckt in "Schlussmacher"-Paul?

Schweighöfer: Ein Beispiel: Paul pennt ja nie bei seiner Freundin. Und am Anfang unserer Beziehung ist meine Freundin Ani auch immer morgens um vier nach Hause gegangen. Das habe ich umgedreht und eingebaut, weil ich dachte: Das ist doch scheiße für eine Frau, wenn ein Typ nachts immer geht. Katastrophe!

SPIEGEL ONLINE: Für Männer ja auch.

Schweighöfer: Klar, für den Typen ist das auch scheiße.

SPIEGEL ONLINE: Ist bei Ihnen denn ein Happy End abzusehen?

Schweighöfer: Bei der Trennung von Ani und mir ging es ja eigentlich nur darum, dass jeder mal wieder Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen musste, damit man sich vielleicht irgendwo mal wieder trifft. Wir haben das zusammen entschieden. Es kommt ja auch immer darauf an, wie egoistisch man ist. Oder wie sehr man mit seinem eigenen Leben beschäftigt ist. Wenn man mit einem Typen wie mir zusammen ist, ist das auch nicht immer easy.

SPIEGEL ONLINE: Tatsächlich gehören Sie zu den umtriebigsten und erfolgreichsten Personen des deutschen Kinobetriebs, seit kurzem sogar mit eigener Produktionsfirma. Wächst da der Druck, massentaugliche Filme zu drehen?

Schweighöfer: Es wird die Phase kommen, in der ich wieder ernste Filme drehe. Aber ich brauche vorher mindestens drei gute Pferde im Stall, die mir den Kunstfilm finanzieren, falls er nicht funktionieren sollte. Was mich interessiert: Wie kommerziell kriegt man einen Arthouse-Film hin? Ich gehöre ja zu einer neuen Generation von Schauspielern und frage mich, wie ich als junger Filmemacher das Publikum, das ich bespiele, auf eine ernste Ebene mitnehmen kann, die aber trotzdem populär ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon eine Idee, wie das klappen könnte?

Schweighöfer: Meinen Reich-Ranicki-Film oder "Kammerflimmern" habe ich gerne gemacht, und ich stehe total auf solche Filme. Aber wenn, dann muss man sie so machen wie Clint Eastwood in den USA - und nicht immer mit diesem schweren Deutschtum. Bei uns muss alles möglichst real sein oder sich mit der deutschen Geschichte beschäftigen. Mir fehlen hier oft die Träume. Die Filme, die ich jetzt mache, sind zwar große Produktionen, aber ich lerne ja noch. Unter den nächsten zehn sind bestimmt zwei, drei ernste. Ich würde gerne mal so etwas drehen wie "Million Dollar Baby"; eine ernste Angelegenheit, aber trotzdem großes Kino.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben ein enges Verhältnis zu Til Schweiger, seine rechte Hand Torsten Künstler ist Ihr Co-Regisseur. Was haben Sie von Schweiger gelernt?

Schweighöfer: Von Til habe ich gelernt, Musik und Szenen so massentauglich zu verbinden. Ich würde aber nie seine Männerfiguren spielen, weil ich so einfach nicht bin. Das sind Tils Typen, die er wahrscheinlich so spielen muss, weil er sie so aus seinem Leben, aus seiner Sicht auf die Dinge schöpft. Til hat auch ein gutes Händchen für lustige Dialoge und seine Filme sehen immer fett und gut aus.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie also anders machen?

Schweighöfer: Das Gute an Til ist ja, dass er versucht, Genres zu prägen. Okay, das hat mit "Schutzengel" jetzt nicht so gut funktioniert. Aber falls ich je einen Actionfilm machen sollte, dann definitiv mit Friedrich Mücke an meiner Seite, so dass zwei Berliner die ganze Zeit nur rumlabern. Damit sich die Leute identifizieren können, wenn zwei Typen da übers Leben und die Frauen reden, während sie parallel von 20 Autos verfolgt werden. Man muss halt gucken, wohin man die Zuschauer mitnehmen kann. Ein Erlebnis vergesse ich nie: Ich war mit "12 Meter ohne Kopf" auf Kino-Tour und saß in einem Saal mit 100 Plätzen, in dem 40 Leute saßen. Und nebenan lief "Zweiohrküken": 900 Leute und der Saal war voll. Das war hart. Vor 40 Leuten zu stehen, die sich einen Film ansehen, bei dem man mal was Ernsteres versucht hat. Dann gehst du in den anderen Saal und der schreit. Und du weißt: Okay, dein Beruf bedeutet eben auch, Kino für die Massen zu machen. Ich werde aber auch definitiv irgendwann über die Treppen von Cannes laufen, aber ich bin jetzt 31, ich habe noch so viel Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Ihr erster Schritt auf die Weltbühne scheint ja gemacht: Die "New York Times" brachte eine Kurzkritik zum US-Start Ihres Regie-Debüts "What A Man" - und nannte Sie in einem Atemzug mit Woody Allen.

Schweighöfer: Die Kritik haben wir uns schicken lassen, die wird eingerahmt und ins Büro gehängt. Aber wirklich stolz bin ich auf eine Mail, die ich vor ein paar Tagen von Jim Gianopulos bekommen habe, dem Chef der Fox in den USA, also dem besten Freund von James Cameron und so. Der schrieb mir: 'Hey Matthias, ich bin schon sehr gespannt auf 'Schlussmacher'. Und ich soll dir liebe Grüße ausrichten von George Clooney, der hat die Kritik in der 'Times' gelesen und freut sich für den Film.' Das finde ich krass! Da sitzt ja nicht irgendwer. Sondern der Mann, der für "Avatar" und "Titanic" verantwortlich war!

SPIEGEL ONLINE: Hebt man da nicht ab?

Schweighöfer: Nee. Ich frage mich dann eher: Was ist das jetzt gerade? Ist das alles richtig so? Man kriegt's gar nicht richtig gefasst.

Das Interview führte Andreas Borcholte

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Zur Person
Matthias Schweighöfer, Jahrgang 1981, gehört zu den erfolgreichsten und populärsten deutschen Schauspielern. Seinen Durchbruch erlebte der in Anklam geborene Sohn des Schauspielerehepaars Gitta und Michael Schweighöfer 2003 in der Verfilmung von Benjamin von Stuckrad-Barres Roman "Soloalbum". Schweighöfer spielte den Kritiker Marcel Reich-Ranicki ebenso wie den Dramatiker Friedrich Schiller und machte sich binnen weniger Jahre einen Ruf als versierter Allrounder für Kino und TV. Das Herz des Teenager-Schwarms schlägt jedoch für die Komödie. Zuletzt drehte er auch als Regisseur für seine eigene Produktionsfirma Pantaleon Films ("What a Man", 2011; "Schlussmacher", 2013). Zusammen mit Joko Winterscheidt betreibt der Wahlberliner das Mode- und Designlabel German Garment. Schweighöfer wurde unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Mit seiner langjährigen Freundin Ani Schromm hat er eine gemeinsame Tochter. Seit 2012 ist das Paar getrennt.