Schuldrama "Die Klasse" Generation Hoffnung

Wie schlimm ist sie wirklich, die Jugend von heute? "Die Klasse" von Laurent Cantet zeichnet ein ehrliches und trotzdem optimistisches Bild vom Unterricht an einer französischen Problemschule.

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Sie können einen wahnsinnig machen, wie sie da sitzen und mit ihren Handys spielen, sich übers Wochenende austauschen und für den Mann am Lehrerpult nur eine Mischung aus Verachtung und Gleichgültigkeit übrig haben. Der Mann (François Bégaudeau) steht am Anfang da wie ein moderner Held, denn er will der Lehrer von scheinbar Unbelehrbaren sein. Er will sie ernst nehmen, während sich die Jugendlichen offenbar schon mit einer Zukunft ohne Perspektive abgefunden haben.

Doch so einfach ist das nicht, in diesem Film über ein Schuljahr im verrufenen 20. Pariser Arrondissement, denn Laurent Cantets Film "Die Klasse" ist kein Hollywood-Schuldrama, in dem eine gutherzige Lehrkraft fehlgeleitete Ghetto-Kinder wieder in die Spur der Tugend führt.

Der Film basiert auf einem Buch von Hauptdarsteller Bégaudeau, der früher selbst Lehrer war, und so spielt er ebenso wie alle Schüler eine Leinwandversion seiner selbst.

Alles soll so echt wie möglich wirken, dokumentarisch fast, dramaturgisch gerade genug verdichtet, um dem Zuschauer erst emotional zu packen und dann intellektuell.

Der nette junge Lehrer ist kein Held, er versucht nur sein bestes, doch mit seiner Strategie der freundschaftlichen Autorität erweist er sich auch nicht als der Heilsbringer seiner Schützlinge, von denen viele Französisch nur als zweite Sprache sprechen.

Und die abgeklärten Jugendlichen sind weder Monster noch Opfer. Sie sind renitent, manchmal sogar brutal, doch sie sind auch lebenshungrig, intelligent und kameradschaftlich.

"Die Klasse" zeigt eine Generation, bei deren Anblick es die Älteren zunächst davor gruselt, dass das die Zukunft der Gesellschaft sein soll.

Gleichzeitig legt der authentische und trotzdem grundoptimistische Film seine ganze Hoffnung in diese jungen Menschen.

Beim Filmfestival in Cannes gab es dafür hochverdient die Goldene Palme.



insgesamt 2 Beiträge
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Sheherazade, 15.01.2009
1. Optimismus?
Ich habe den Film nicht gesehen, aber was mich an dem Buch ein wenig enttäuscht hat, war u.a. die Tatsache, daß der Lehrer zum Schluß selber die umgangssprachlichen Ausdrücke seiner Schüler übernommen und deren Grammatikfehler noch nicht mal verbessert hat. Das hatte was von Resignation.
Diomedes 16.01.2009
2. Altbekannte Problem- und Wirklichkeitsverweigerung...
Der Titel dieser Diskussion ist schon grundfalsch gewählt, denn dieser Film setzt sich nicht mit der Jugend von Heute im Allgemeinen auseinander, sondern mit den Folgen der verantwortungslosen Einwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte, welche große Bevölkerungsgruppen aus kultur- und religionsfremden Räumen nach Europa verpflanzte, ohne die langfristigen Folgen und Gefahren auch nur zu bedenken, geschweige denn öffentlich zu erörtern. Mittlerweile hat man nämlich schon fast Mühe die Bilder aus dem Gazastreifen von denen aus den französischen Vorstädten zu unterscheiden...
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