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Science-Fiction-Komödie "Planet 51": Spießer from Outer Space

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Und wer ist hier der Alien? Auf "Planet 51" wohnen kleine grüne Männchen und Weibchen wie in biederen US-Vororten der fünfziger Jahre - bis ein Mensch auf dem Gestirn landet. Ein flott animierter Spaß über das Eigene im Fremden, bei dem Kinokenner und Kinder gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Trickfilm "Planet 51": Alien-Invasion mal anders Fotos
Sony Pictures

Es ist ein kleiner Schritt für Captain Charles T. Baker, aber ein großer für die Menschheit. Gravitätisch steigt der Astronaut mit Sauerstoffrucksack auf den gerade entdeckten Planeten hinab, und um sich in Stimmung zu bringen, summt er das Intro aus Stanley Kubricks Raumfahrer-Opus "2001". Dann rammt er das amerikanische Sternenbanner in den Boden, um die neue Welt zu markieren.

Neue Welt? Nicht wirklich, handelt es sich doch bei seinem Landeplatz um den Vorgarten einer geradezu genormt wirkenden Mittelstandsfamilie. Fünf-Zimmer-Eigenheim, vier Burger auf dem Grill, drei Fahrzeuge in der Garage, zwei Kinder auf dem korrekt frisierten Rasen und ein Hund, der den Briefträger ärgert - auf der fernen Mutter Erde hat man solche genau abgezirkelten Sozialgefüge ja seit den guten alten fünfziger Jahren nicht mehr gesehen.

Hier aber, auf dem extrem grünen und extrem geputzt wirkenden Planet 51, leben die Menschen zusammen wie in frühen Werbespots für Tupper-Ware. Die jungen Frauen tragen Petticoats, die Männer Baseballshirts. Befremdlich sind allenfalls die Antennen, die unter den Ponys und Tollen hervorgucken - und, natürlich, die grüne Gesichtsfarbe der Bilderbuch-Teddy-Boys und -Girls: Spießer from Outer Space.

Comic- und Kino-Bizarrerien aus den Fünfzigern

Wie man im Fremden das Eigene findet - daraus haben die Macher des Zeichentrickabenteuers "Planet 51" (Regie: Jorge Blanco und Javier Abad) eine für alle Alterklassen geeignete, aber reich an klugen Verweisen ausgestattete Science-Fiction-Parabel gemacht.

Die Annäherung an die grünen Wohlstands-Männchen und -Weibchen gestaltet sich für den für den Erdenbewohner dann allerdings erst einmal schwierig. Denn Captain Charles T. Baker, dieser geltungsbedürftige und wirkungsbewusste Astronauten-Posterboy, sieht sich auf Planet 51 zum intergalaktischen Schreckgespenst, zum astro-zombie from earth verunglimpft.

Ist eben dumm gelaufen, wenn man ausgerechnet auf einem Weltraumgestirn landet, dessen Bewohner neben vielen anderen zivilisatorischen Errungenschaften auch eine ausgeprägte B-Movie-Kultur ihr eigenen nennen, in der "weiße Männchen" zum Inbegriff des bizarren Horrors stilisiert werden. Klasse, wie in "Planet 51" zitatsicher die Fünfziger Jahre samt ihrer Comic- und Kino-Bizarrerien auf einen fremden Planeten verpflanzt worden sind.

"Meine Mutter ist ein Astro-Zombie!"

Zugegeben, der Spaß aus dem in Sachen Trickfilm noch recht ungeübten Hause Sony ist keine große Animationskunst: Es gibt hier keine frappierend wuscheligen Monster wie in "Monster AG", keine furiosen 3D-Tricks wie in der artverwandten B-Movie-Hommage "Monsters vs. Aliens" und erst recht keine zart gezeichnete Zukunfts-Poesie wie im Trickfilm-Meisterwerk "Wall.E".

Aber Autor Joe Stillman, der für DreamWorks an den ersten beiden "Shrek"-Produktionen mitgearbeitet hat, versteht es, im Zukunftsszenario ein nostalgisch anmutendes Nierentisch-Suburbia zu spiegeln. Dabei werden nicht nur lustvoll Invasions-Oldies von "Der Tag an dem die Erde still stand" bis "Astro-Zombies" zitiert, sondern auch Sitten, Gebräuche und Architektur jener prosperierenden, aber eben doch auch arg paranoiden Fünfziger Jahre gezeigt. Damals kündete ja potenziell jede Aktivität hinterm eigenen Gartenzaun von einer roten oder eben außerirdischen Invasion.

Das Gute: Man muss nicht alle Zitate erkennen, um sich über den zuweilen bösen Witz darin zu freuen. Kinokenner und Kinder kommen gleichermaßen auf ihre Kosten - etwa wenn in der Mitte des Filmes, als die grünen Männchen in Panik vor dem Astronauten geraten, eine an "Die Invasion der Körperfresser" erinnernde Atmosphäre der Paranoia breit macht. Da will eine Frau ihr halbwüchsiges Kind zum Zahnarzt schleppen. Und um seine Mutter loszuwerden, denunziert der Junge seine Erziehungsberechtigte bei einer Patrouille schwerbewaffneter Militärs: "Meine Mutter ist ein Astro-Zombie!"

Noch so eine tiefe Wahrheit, die in diesem spiegelverkehrten Invasionsschocker ans Tageslicht kommt: Eltern, das sind für Pubertierende immer Aliens.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. Danke
Zephira 01.12.2009
*lach* Großartige Rezension, ich bin gespannt! Man muss Animationsfilme einfach lieben, die lassen sich noch gute Stories einfallen, weil sie nicht mit effektvollen Explosionen und bekannten Gesichtern auftrumpfen können :)
2. ...
Celegorm 01.12.2009
Die Kritik hier klingt in der Tat interessant, allerdings zeigt eine kleine Recherche, dass der Autor da leider ziemlich alleine auf weiter Flur zu stehen scheint. Zumindest scheint der Film ansonsten primär Enttäuschung und Unverständnis zu ernten und wird als eher platt hingestellt. Aber da die Mehrheit ja nicht zwangsweise im Recht sein muss kann man wohl doch noch hoffen..
3. .
Drunken Masta 03.12.2009
Hm, irgendwie ist das ja ganz kurzweilig zu lesen, eine wirkliche Entscheidungshilfe ist es für mich aber nicht. Als ich zum ersten Mal einen Trailer gesehen habe, fand ich die Idee interessant, die gezeigten Witze nicht großartig komisch, aber annehmbar. Nachdem der Film nun auch hierzulande anläuft, hab ich mich mal wieder etwas durch die imdb geklickt und bin etwas ins Grübeln geraten, ob sich das denn nun wirklich lohnt. Und nun les ich hier auf SPON. Wenn man davon ausgeht, dass die us-amerikanischen 50er samt Klischees und Jugenkultur doch relativ weit enfernt sind und man, wenn überhaupt, ein sehr grobes Bild hat, mir sagen wir 50 Prozent der Anspielungen auf andere Filme auffallen werden und Grafik sowie Story solide, aber nicht großartig sind. Bleibt da, außer der orginellen Idee, etwas für mich übrig?
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"Planet 51"

(USA 2009)

Originaltitel: Planet 51

Regie: Jorge Blanco und Javier Abad

Buch: Joe Stillman

Produktion: Ignacio Pérez Dolset

Länge: 90 Minuten

Start: 3. Dezember 2009

Offizielle Website zum Film



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