Sebastian Koch kritisiert "Werk ohne Autor"-Verrisse "Persönlich und emotional"

Das Drama "Werk ohne Autor" wurde für zwei Oscars nominiert, kam bei deutschen Kritikern aber schlecht weg. Für den Darsteller Sebastian Koch mangelt es beim Umgang mit diesem und anderen Filmen an Respekt.

Sebastian Koch in "Werk ohne Autor" als SS-Arzt Carl Seeband
DPA/ Disney

Sebastian Koch in "Werk ohne Autor" als SS-Arzt Carl Seeband


Manche Kritik empfand er als "sehr persönlich und emotional": Der Schauspieler Sebastian Koch hofft, dass Florian Henckel von Donnersmarcks Drei-Stunden-Epos "Werk ohne Autor" nach den Oscar-Nominierungen eine zweite Chance an den Kinokassen bekommt.

Der Film, der an Leben und Werk des Künstlers Gerhard Richter angelehnt ist, war am Dienstag für zwei Oscars nominiert worden: für den besten fremdsprachigen Film und die beste Kamera (Caleb Deschanel). In Deutschland hatte der Film bisher 200.000 Zuschauer, fuhr aber zum Teil vernichtende Kritiken ein (lesen Sie hier die Besprechung von SPIEGEL ONLINE).

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Sebastian Koch, der in "Werk ohne Autor" einen ehemaligen SS-Arzt spielt: "Den Film muss ja keiner mögen. Er sollte aber respektvoll behandelt werden. Und das war hier leider nicht der Fall." Es sei ihm wichtig, dass die Menschen sich selbst ein Urteil bildeten "und sich nicht abschrecken lassen von Kritiken, die mit der Sache gar nicht so viel zu tun haben".

Kritik hatten "Werk ohne Autor" und sein Macher Henckel von Donnersmarck auch von Gerhard Richter auf sich gezogen, mit dem der Regisseur vor den Dreharbeiten mehrfach gesprochen hatte. Richter hatte gesagt, seine Biografie sei missbraucht und übel verzerrt worden.

Sebastian Koch scheint ohnehin mit der deutschen Filmkritik unzufrieden zu sein. Er kritisiert auch den Umgang der Medien mit den desaströsen Besucherzahlen von Til Schweigers US-Remake "Honig im Kopf". "Wenn der Film in den USA nur einige Tausend Zuschauer hat, wird das hier richtig mit Häme gefeiert. Das ist so widerlich und unangenehm. Ich finde das ganz schlimm. Das geht so nicht. Man hat immer weniger Lust, hier zu arbeiten", so Koch.

Die deutsche Filmkritik hat "Head Full of Honey" bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Deutsche Medien, auch SPIEGEL ONLINE, berichteten über die ungnädige Aufnahme des Films in den USA und Großbritannien.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes stand, "Werk ohne Autor" habe schon zwei Millionen Zuschauer gehabt. Wir haben diese Angabe korrigiert, es lag eine Verwechslung von Einspielergebnis und der Anzahl der Zuschauer vor.

kae/dpa

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
Kurt-C. Hose 23.01.2019
1. Tja
Hämisch zu sein ist halt viel einfacher als selbst kreativ zu werden.
taglöhner 23.01.2019
2.
Ich lese vorher nur Kritiken von Filmen, die mich garantiert nicht interessieren. Nach meinem Empfinden allermeistens ärgerliche, anmaßende Pflichtübungen mit viel Spoiler-Blabla. Auch Trailer meide ich, wo es geht. Das hat zur Folge, dass ich mich auf jeden Kinoabend freue wie damals aufs Christkind.
dasfred 23.01.2019
3. Also wenn ich Gerhard Richter nehme
Also Richter wird noch zuerst wissen, wie weit seine Biographie übernommen wurde. Der Film mag seine eigene Qualität haben, muss aber eben auch seine Fans finden. Die Häme über Schweigers miesen Start in den USA hat sich der liebe Till Schweiger durch sein polarisierendes Auftreten und seine umstrittenen Tatorte, sowie Küken und Hasen mit und ohne Ohren selbst hervorgerufen.
Knossos 23.01.2019
4.
Zitat von Kurt-C. HoseHämisch zu sein ist halt viel einfacher als selbst kreativ zu werden.
Das stimmt. Richtig ist aber auch die Feststellung seltsam in herbei bemühter Belanglosigkeit stochernder Kreativität, während das Zeitgeschehen geradezu schreiende Plethora direkter Signifikanz und indirekten Rufes nach Denkanstößen anbrandet. Vielleicht sind glücksverwöhnte Autoren hier benannter Verfilmungen profaner Realität zu entrückt, um sich für triviales Kino der Belanglosigkeit immer noch massenhaften Beifall zu wünschen. Eventuell verhülfe ihnen Gespräch mit Kollegen wie Hannes Jaenicke zu bodenständiger Inspiration.
HansHansen 23.01.2019
5. Seltsame Größe
Respekt sollten die Menschen ohne Frage einander entgegenbringen, aber im Verhältnis von Kunst und ihrer Rezeption scheint mir das eine etwas fragwürdige Forderung. Künstler sind ihrem Werk verpflichtet, Rezensenten ihren jeweiligen Maßstäben. Dass letztere oft dazu neigen, private Vorlieben bis hin zu Neurosen mit Objektivität verwechseln ist sicherlich ärgerlich. Es wäre aber von ungleich größeren Gewinn, wenn auch SPON z.B. im Falle von "Werk ohne Autor" nicht vornehmlich darüber berichten würde, wer sich von dem Film oder seiner Rezeption persönlich angegriffen fühlt, sondern inhaltlich zu debatieren. Was auch bedeutet hätte, sich aus dem gigantischen, vielschichtigen von-Donnersmarck-Portrait im aktuellen "New Yorker" nicht nur Gerhard Richters wohlfeilen MIssmut herauszupicken, wie vor wenigen Tagen geschehen...
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