Sex-Symbol January Jones "Ich schwimme lieber mit Haien"

Die Serie "Mad Men" machte sie zum Star - jetzt ist January Jones in dem Kino-Thriller "Unknown Identity" zu sehen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht die Schauspielerin über ihr Image als Sex-Symbol und ihren persönlichen Trick, peinliche Momente beim Dreh zu überstehen.


SPIEGEL ONLINE: Wir beginnen mit einer technischen Frage: Liam Neeson, an dessen Seite Sie in dem Thriller "Unknown Identity" auftreten, ist 25 Zentimeter größer als Sie. Früher stellte man die wesentlich kleinere Person eines Liebespaares bei Dreharbeiten auf eine Kiste. Wie wird dieses Problem im Zeitalter der Computeranimation gelöst?

January Jones: Ich stehe in einigen Szenen immer noch auf der guten, altbewährten Apfelkiste, damit der Größenunterschied nicht lächerlich wirkt. In anderen Einstellungen soll der männliche Held im wahrsten Sinne des Wortes "larger than life" wirken. Da ist meine geringere Körpergröße dann wieder ein Vorteil.

SPIEGEL ONLINE: Was ist wichtig, wenn man eine Liebeszene auf der Apfelkiste spielt?

Jones: Man muss aufpassen, dass man nicht runterfällt. Aber ich stand im Laufe meiner Karriere schon öfter auf Kisten und habe mich daran gewöhnt. Und dann gibt es bei Dreharbeiten wesentlich absurdere Momente als den, auf einer Kiste zu stehen.

SPIEGEL ONLINE: Was war die absurdeste Situation, die Sie bei Dreharbeiten erlebt haben?

Jones: Ich finde jede Art von Intimität vor der Kamera ziemlich absurd. Und dabei meine ich nicht nur physische Intimität, sondern vor allem auch emotionale Szenen. Man soll sein Innerstes nach außen kehren und teilt diesen Moment mit einer Crew von ungefähr hundert Menschen, die einem dabei zusehen. In solchen Szenen stelle ich mir immer vor, ich befände mich in einer Blase, ganz woanders. Das ist der Teil des Jobs, den dir niemand beibringen kann. Jeder Schauspieler arbeitet da mit anderen Tricks.

SPIEGEL ONLINE: Dieses Gefühl, in einer Blase zu sein, können Sie inzwischen einfach abrufen, wenn Sie es brauchen?

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"Mad Men"-Star January Jones: "Gute altbewährte Apfelkiste"
Jones: Das wäre schön. An manchen Tagen gelingt mir das ganz gut, an anderen ist es schwierig. Es kommt auf meine Stimmung an. Und immer wenn ich denke, ich habe mich grundsätzlich an bestimmte Dinge gewöhnt, kommt wieder so ein Tag, an dem ich verunsichert bin. Letztlich ist das gut, ich will ja nicht irgendwann anfangen, auf Autopilot zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist das bei Nacktszenen und Foto-Sessions für Magazine?

Jones: Na ja, so viele wilde Nacktszenen musste ich bisher noch nicht spielen. Eigentlich war nichts wirklich Drastisches dabei. Trotzdem fühle ich mich definitiv nackter, wenn ich vor der Kamera meinen Gefühlshaushalt öffentlich präsentieren soll.

SPIEGEL ONLINE: Sie setzen sich neuerdings für den Schutz von Haien ein. Was ist für Sie beängstigender: Mit Haien zu schwimmen oder vor einer Kamera zu stehen?

Jones: Das ist eine gute Frage. Ich habe wahrscheinlich mehr Angst vor der Kamera. Aber beides versuche ich mit derselben Motivation in den Griff zu kriegen: Ich will stärker sein als meine Ängste. Denn ich will nicht, dass mein Leben durch Angst eingeschränkt wird. Das ist einer der Gründe, weshalb ich Schauspielerin geworden bin. Und es ist Teil meiner Angst-Strategie, dass ich mir den Schutz von Haien als mein Charity-Programm ausgesucht habe. Ich versuche, meine Ängste zu ergründen. Angst basiert häufig auf Unwissenheit.

SPIEGEL ONLINE: Welche Angst bekämpfen Sie mit Ihrer Schauspielerei?

Jones: Ich hatte früher immer Angst, öffentlich zu sprechen. Aber warum sage ich früher? Ich habe immer noch große Angst davor. Ich schwimme lieber mit Haien, als auf der Bühne eine kleine Rede zu halten. Ehrlich. Ich war immer fürchterlich schüchtern. Und ich hasste die Blicke anderer Menschen, die mich beurteilen wollten. Deswegen dachte ich irgendwann, wenn ich mich dem freiwillig aussetze, verlieren diese Gefühle ihre Macht über mich. Ich will mein Leben selbst kontrollieren.

SPIEGEL ONLINE: Jede Woche pilgern Hunderte junger Schauspielerinnen nach Los Angeles, um dort zu arbeiten. Wie setzt man sich da als schüchternes Mädchen durch?

Jones: Meine frühe, kurze Karriere als Model hat mich darauf vorbereitet und war letztlich sehr hilfreich. Da habe ich bereits gelernt, mit den ständigen Absagen umzugehen. Die haben mir keine Angst mehr gemacht. Und damit hatte ich schon eine der Grundlektionen in diesem Beruf hinter mir. Ich musste mir ständig anhören, ich sei nicht die Richtige, für diesen oder jenen Job. Wenn du mehrmals am Tag mit Ablehnung konfrontiert wirst, tut sie irgendwann nicht mehr so weh. Und dann brauchst du viel Glück, im Idealfall Talent - und du musst es wirklich wollen. Ohne diesen Willen geht es nicht, denn du erlebst viele sehr entmutigende Tage. Ich kann aber auch sehr störrisch sein. Das ist ein Pluspunkt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in einem Dorf in South Dakota aufgewachsen und landeten mit 200 Dollar in New York, um Model zu werden. Wie lange kann man mit diesem Betrag in Manhattan überleben?

Jones: Ich brauchte ja nicht viel. Ich habe mich hauptsächlich von Nudeln ernährt und bin U-Bahn gefahren. Das Zimmer stellte die Agentur. Immer, wenn ich gerade völlig pleite war, hatte ich auf mysteriöse Weise wieder einen kleinen Job, mit dem ich das Nötigste bezahlen konnte. In Los Angeles ging es so weiter. Ich hatte mich schon ein paar Mal damit abgefunden, wieder nach Hause fahren zu müssen. Aber immer geschah ein Wunder und ich bekam eine kleine Rolle, die mich rettete. Das Schicksal wollte wohl, dass ich bleibe.

SPIEGEL ONLINE: Models und Schauspielerinnen dürfen ja sowieso nicht viel essen.

Jones: Ach, an diese Regeln habe ich mich nie gehalten. Ich war kein besonders tolles Model, muss ich gestehen. Ich war viel zu klein und habe meistens nur Katalog-Jobs bekommen. Mager war ich auch nicht. Das wäre auf die Dauer nichts geworden.

SPIEGEL ONLINE: Bald beginnen die Dreharbeiten zur fünften Staffel von "Mad Men". Wie lange können die Produzenten der Serie Sie sich noch leisten?

Jones: Die Dreharbeiten beginnen im Sommer und ich werde dabei bleiben, so lange Matthew Weiner die Show schreibt. Es ist doch der ideale Job! Mit "Mad Men" bin ich vier Monate im Jahr beschäftigt. Mit dem Rest der Zeit kann ich machen, was ich will, ob es nun ein Film ist, oder einfach Urlaub mit meiner Familie und meinem Hund. Das ist doch traumhaft. Dazu kommt, dass ich meine Kollegen wirklich liebe. Ich verdanke der Serie eine Menge. Warum sollte ich aufhören?

SPIEGEL ONLINE: Ab welchem Punkt Ihrer Karriere wussten Sie: Jetzt bin ich ein Sex-Symbol?

Jones: Hm, ich finde es ja schon schmeichelhaft, wenn Sie das sagen. Aber es hat wahrscheinlich mit den Fotos zu tun, die ich gemacht habe und mit den Rollen, die ich spiele. Das klingt jetzt wie ein Gemeinplatz, aber das ist eine schöne Illusion, die andere Menschen von mir haben. Ich persönlich sehe mich im Alltag eher nicht als Sex-Symbol.

SPIEGEL ONLINE: Kann man Sex-Symbol lernen oder wird man so geboren?

Jones: Man kann als Schauspielerin auf jeden Fall die Strategie verfolgen, Sex-Symbol zu werden. Viele Menschen arbeiten jedenfalls ganz schön hart daran. Wenn du in der Öffentlichkeit auftrittst, hast du ja eine gewisse Vorstellung davon, wie die Leute dich wahrnehmen sollten. Wenn ich mich dann möglichst sexy präsentiere, bewege ich mich grundsätzlich schon mal in die richtige Richtung. Und es gehört zur Strategie, bestimmte Foto-Shoots für Männer-Magazine zu machen. Oder, wenn dein Sexappeal eher beide Geschlechter einschließen soll, dann erscheinen sexy Fotos vielleicht besser in einem Frauenmagazin. Aber ich wache bestimmt nicht jeden Morgen mit dem Gedanken auf: Wie kann ich Sex-Symbol werden? Das fände ich auch ganz schön anstrengend.

Das Interview führte Christian Aust



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