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SF-Autor Bradbury: "Michael Moore ist ein fürchterlicher Mensch"

Zur Abwechslung muss sich Polit-Aktivist Michael Moore Kritik von eigentlich wohlgesonnener Seite gefallen lassen: Science-Fiction-Autor Ray Bradbury ist sauer auf den Cannes-Gewinner. Für den Titel seines neuen Films "Fahrenheit 9/11" hätte Moore ihn um Erlaubnis fragen sollen.

Filmemacher Moore: "Fürchterlicher Mensch"
AP

Filmemacher Moore: "Fürchterlicher Mensch"

Stockholm/Los Angeles - Bradbury, einer der bekanntesten und renommiertesten Autoren des Science-Fiction-Genres ("Die Mars-Chroniken") giftet gegen Dokumentarfilmer Moore, 50, weil dieser seinen Romantitel "Fahrenheit 451" unerlaubt benutzt habe. In einem am Mittwoch veröffentlichten Telefoninterview mit der Stockholmer Zeitung "Dagens Nyheter" sagte Bradbury in Los Angeles zum Titel von Moores in Cannes preisgekrönten Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11": "Michael Moore ist ein dämlicher Drecksack. So denke ich über ihn. Er hat meinen Titel geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne mich jemals um Erlaubnis zu fragen."

In seinem 1953 erschienen und 1966 von François Truffaut verfilmten Science-Fiction-Roman "Fahrenheit 451" hatte Bradbury, 83, eine Gesellschaft geschildert, in der Bücher verboten sind. Der Titel bezog sich auf die Temperatur, bei der Papier zu brennen anfängt. Moore ersetzte die Zahl durchaus einfallsreich durch das Datum der New Yorker Terroranschläge am 11. September 2001. Er kritisiert in seinem Film die angebliche Ausnutzung der Anschläge zur Einschränkung von Freiheitsrechten durch US-Präsident George W. Bush und zeigt die Verbindungen der Familie Bush in den Nahen Osten auf.

Autor Bradbury (1984): "Er hat meinen Titel geklaut"
DPA

Autor Bradbury (1984): "Er hat meinen Titel geklaut"

Ray Bradbury erläuterte, seine Einschätzung Moores als eines "fürchterlichen Menschen" habe nichts mit seiner eigenen politischen Überzeugung zu tun. Er habe den Dokumentarfilmer wegen des Titels angerufen, den von dessen Büro versprochenen Rückruf aber nie erhalten. Der Autor sagte weiter: "Ich könnte mich morgen hinsetzen und einen Roman schreiben, den ich dann 'Vom Winde verweht' betitele, nicht wahr? Aber ich tue das nicht, weil es unanständig wäre."

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