US-Kinderstar der Dreißiger Schauspielerin Shirley Temple ist tot

Sie war so berühmt, dass sogar ein Cocktail nach ihr benannt wurde: Shirley Temple war der populärste Kinderstar der dreißiger Jahre, als sie sechs war, gewann sie einen Spezial-Oscar. Nun ist die Schauspielerin im Alter von 85 Jahren gestorben.

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Sie tanzte und lachte und half den USA durch die Ära der Depression: In den dreißiger Jahren war der Kinderstar Shirley Temple unglaublich populär. Die 1928 geborene Schauspielerin war von 1935 bis 1938 Hollywoods zugkräftigster Kassenmagnet. Doch schon in der Pubertät begann ihr Stern zu sinken. Nun ist Temple in Kalifornien gestorben. Sie wurde 85 Jahre alt.

55 goldene Locken sollen es gewesen sein, mit denen Shirley Temple die Kinogänger Mitte der dreißiger Jahre so verzückte - und natürlich das goldige Lächeln im runden Gesicht. "So lange unser Land Shirley Temple hat, wird alles gut!", soll Präsident Roosevelt gesagt haben.

1934 erhielt Shirley Temple ihre erste Hauptrolle in "Stand Up and Cheer" und sang sich - noch vor Erscheinen des Films von der 20th Century-Fox für sieben Jahre unter Vertrag genommen - mit dem Titel "Baby Take a Bow" in die Herzen von Millionen. Von ihrer überaus ehrgeizigen Mutter nach diesem Erfolg systematisch zum Kinderstar getrimmt, trat Temple in der Folge in 24 Filmen auf, die für das Studio schließlich einen Bruttogewinn von rund 30 Millionen Dollar einspielten.

Cocktail mit Ginger Ale und Grenadine-Sirup

Die Filmwelt ehrte Shirley Temple schon 1935 mit einem Sonder-Oscar. Damit ist die damals Sechsjährige bis heute die jüngste mit einem Academy Award ausgezeichnete Schauspielerin. 1937 erzielte Temple das siebthöchste Jahreseinkommen in den USA. Darüber hinaus brachte die Verwendung ihres Namens im Merchandising der Familie Zehntausende Dollar ein. 1936 wurde in New York sogar ein neuer Wolkenkratzer nach ihr benannt: das "Shirley-Temple-Building". Der Drink, der nach ihr benannt wurde, ist ein alkoholfreier Cocktail, basierend auf Ginger Ale und Grenadine-Sirup und verziert mit einer Maraschino-Kirsche.

Temples Popularität überlebte die dreißiger Jahre nicht. Die Hauptrolle im Kinohit "Der Zauberer von Oz" übernahm 1939 Judy Garland. Nach Abschluss eines Vertrages mit Produzent David O. Selznik versuchte Temple 1943 ein offizielles Comeback. Sechs Jahre später beendete sie 21-jährig nach einigen weiteren - für sie nicht sehr erfolgreichen - Filmen wie "Fort Apache" mit John Wayne und Henry Fonda oder "The Bachelor and the Bobby Soxer" ihre Filmkarriere, verließ Hollywood und zog sich zunächst nach Hawaii zurück. Im amerikanischen Fernsehen trat sie noch als Erzählerin und zwischen 1957 und 1960 auch in Serien wie in eigenen TV-Shows auf, beendete dann aber endgültig ihre Laufbahn im Showbusiness.

Die Unterstützerin der Republikanischen Partei startete eine Zweitkarriere als Diplomatin: Nachdem sie sich vergeblich für einen Sitz im Repräsentantenhaus beworben hatte, berief Richard Nixon sie 1969 zur UN-Botschafterin. 1974 wurde sie US-Botschafterin in Ghana, und als 1989 in der Tschechoslowakei die Samtene Revolution die Kommunisten aus der Regierung vertrieb, war sie als Repräsentantin der USA mittendrin.

Shirley Temples Tod im Alter von 85 Jahren wurde von ihrer Familie und ihren Agenten bekanntgegeben und von den US-Fernsehsendern ABC und CNN vermeldet. Temple sei Montagnacht (Ortszeit) in ihrem Haus im kalifornischen Woodside eines natürlichen Todes gestorben, hieß es bei CNN weiter.

feb/dpa/Reuters

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