Shooting-Star Hayden Panettiere "Ich fühle mich wie ein Tier im Zoo"

Sie ist 18 und auf dem Sprung, eine große Hollywood-Diva zu werden: Hayden Panettiere, der Cheerleader aus "Heroes", ist zurzeit im Kino an der Seite von Julia Roberts zu sehen. Mit SPIEGEL ONLINE spricht sie über ihre lange Karriere als Kinderstar und den Stress, ständig unter Beobachtung zu stehen.


SPIEGEL ONLINE: Man kennt Sie als blonden Cheerleader in der Serie "Heroes" und kann Sie zurzeit im Kino neben Julia Roberts und Willem Dafoe in "Zurück im Sommer" sehen. Man könnte Sie für eine Newcomerin halten, aber trotzdem Sie erst 18 sind, haben Sie schon einiges hinter sich im Showgeschäft...

Schauspielerin Panettiere: "Das Hollywood, das ich kenne, ist anders"
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Schauspielerin Panettiere: "Das Hollywood, das ich kenne, ist anders"

Panettiere: Ja, und wissen Sie, was das Komische ist? Viele Ihrer Kollegen scheinen das gar nicht zu wissen! Einige haben mich heute gefragt: 'Sie wollen Karriere beim Film machen und dann gleich in einem Drama mit Julia Roberts? Wow, das muss ganz schön furchteinflößend gewesen sein.' Ich war dann aber zu höflich zu sagen: 'Guter Mann, ich mache das jetzt seit mehr als 17 Jahren und baue mir gerade ein zweites Standbein beim Fernsehen auf.'

SPIEGEL ONLINE: Welcher berühmte Kollege kann Sie denn überhaupt noch beeindrucken?

Panettiere: In bestimmten Momenten wird mir schon bewusst, dass ich beim Mittagessen neben Julia Roberts sitze. Aber auch die ist ja letztlich eine ganz normale Frau. Und deswegen kommt es mir auch nicht so ungewöhnlich vor. Ich muss aber auch zugeben, dass ich von diesen Kollegen alles gelernt habe. Wenn du mit jemandem wie Denzel Washington vor der Kamera stehst, zieht er dich automatisch auf sein Level hoch. So habe ich immer im Stillen gelernt, denn niemand kommt jemals zu dir, um dir einen Rat zu geben.

SPIEGEL ONLINE: Ihren ersten Werbespot haben Sie mit elf Monaten gedreht, ein paar Jahre später waren Sie bereits Ensemblemitglied einer Soap Opera. Wollten Sie nie aus der Entertainment-Welt ausbrechen?

Panettiere: Nein, komischerweise habe ich nie protestiert. Aus einem ganz einfachen Grund: Es hat mir Spaß gemacht. Und ich wollte auch nie Bankangestellte werden, um meine Mutter mit einem konventionellen Beruf zu schockieren.

SPIEGEL ONLINE: Viele Ihrer Kolleginnen, die so früh vor der Kamera standen, sind mittlerweile Dauergäste in Entzugskliniken. Wie haben Sie die Abgründe des Geschäfts umschifft?

Panettiere: Ich glaube, so abgründig ist das Geschäft eigentlich gar nicht. Nur sind die Kolleginnen, die abstürzen, im öffentlichen Bewusstsein wesentlich präsenter als die große Mehrheit, die ganz solide ihrer Arbeit nachgeht. Lindsay Lohan oder Paris Hilton sind nur ein kleiner Prozentsatz, der eben ständig in Klatschmagazinen auftaucht. Das Hollywood, das ich kenne, ist anders.

SPIEGEL ONLINE: Wie denn?

Panettiere: Hollywood ist gerade fürchterlich korrupt. Die Zuschauer sind mittlerweile viel mehr am Privatleben der Schauspieler als an unserer tatsächlichen Arbeit interessiert, den Filmen. Das hat inzwischen Ausmaße angenommen, die wirklich gefährlich werden. Ich hoffe, jemand zieht da bald mal die Notbremse. Ich wünsche mir den alten Hollywoodglamour zurück, als es noch um attraktive, talentierte Menschen ging, die man aus der Ferne bewunderte. Die heutige Dauerpräsenz in den Medien hat die gesamte Industrie beschädigt. Die Zuschauer gehen nicht mehr ins Kino, um einen bestimmten Schauspieler zu sehen, wenn die Dramen um sein Privatleben tagtäglich zu Hause am Fernseher konsumierbar sind.

SPIEGEL ONLINE: Und das macht Ihnen Angst?

Panettiere: Was mir Angst macht, ist die Tatsache, dass Menschen meinen, über dich richten zu können, basierend nur auf dem, was irgendjemand in so einem Magazin hinschmiert. Das ist nicht fair, denn diese Menschen haben doch gar keine Ahnung von mir! Keiner dieser Journalisten macht sich die Mühe, mich wirklich kennenlernen zu wollen. Was mir Angst macht ist, dass ich nicht mehr kontrollieren kann, wie ich öffentlich wahrgenommen werde. Unser Privatleben ist uns vollkommen entglitten. Bevor ich überhaupt in der Lage bin, mich selbst zu erklären, haben das diverse Magazine und Celebrity-Shows längst für mich erledigt. Einem der Crewmitglieder wurden kürzlich 800 Dollar täglich versprochen, wenn er ein Magazin informiert, wo ich mich gerade aufhalte. 800 Dollar!

SPIEGEL ONLINE: Da hätten wir uns vielleicht auch überlegt, Sie zu verpfeifen.

Panettiere: Wir hätten uns das Geld teilen können! Und wissen Sie was? Manche Kollegen tun so etwas wirklich. Sie kassieren sogar Prozente an den Honoraren der Paparazzifotos, die von ihnen veröffentlicht werden. Was soll man dazu noch sagen? Ich fühle mich von den Medien bedrängt und dem gegenüber relativ hilflos. Offensichtlich habe ich als Mensch nicht mehr das Recht, zu kontrollieren, wo bestimmte Fotos von mir veröffentlicht werden. Ebenso wenig kann ich kaum noch kontrollieren, was über mich geschrieben wird. Und das tut weh. Manchmal fühle ich mich wie ein Goldfisch im Glas, oder wie ein Tier im Zoo.

SPIEGEL ONLINE: Was unternehmen Sie dagegen?

Panettiere: Ich versuche, so unauffällig wie möglich zu leben. Manchmal trage ich sogar schon eine Perücke, um nicht verfolgt zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Andererseits haben Sie sich in den vergangenen Jahren nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Mode-Ikone präsentiert. Nicht gerade ein Rückzug aus dem Rampenlicht.

Panettiere: Aber das ist doch etwas vollkommen anderes. Wenn ich über den roten Teppich laufe und versuche, glamourös auszusehen, dass ist das Teil meines Berufes. Aber auf meinem eigenen Grundstück geht es niemanden etwas an, was ich trage oder ob ich überhaupt etwas trage. Und wenn Sie einem der 30 vor Ihrem Haus lauernden Paparazzi aus Versehen über den Fuß fahren, werden Sie auch noch verklagt. Wenn ich mein Leben mit anderen Menschen teilen möchte, mache ich eine Realityshow daraus, aber zurzeit ist das gerade nicht so mein Geschmack. Vielleicht ziehe ich in den Wald, wo mich nur noch die Tiere beobachten können.

Das Interview führte Christian Aust



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