Showbiz-Phänomen Hannah Montana Langstrumpf statt Drogensumpf

Amerika hat genug von Selbstzerstörerinnen wie Britney Spears und Lindsay Lohan. Wie gut, dass Miley Cyrus zur Stelle ist: Als Hannah Montana begeistert der Teenager ein Millionenpublikum - und beschert Disney einen blitzsauberen Superstar.

Von Nina Rehfeld


Seit 2006 spielt Miley Cyrus in der Disney-Sitcom "Hannah Montana" eine Highschool-Schülerin namens Miley Stewart, die ihren Umzug von Tennessee nach Malibu verkraften muss und ein heimliches Doppelleben als Popstar Hannah Montana führt.



Miley Cyrus ist die Pippi-Langstrumpf-Version von Britney Spears: verspielte Streifen statt aufregende Strapse, kunterbunte Farben statt schwarzem Lack und Leder, züchtige Shorts unterm Minirock. Ihre Songs sind gutgelaunte Motivationshilfen mit simplen Melodien, die Zeilen enthalten wie: "Lass dich nicht runterziehen/Stell dich der Situation/Und wende sie zum Guten."

Miley, die die Worte kaum so schnell aussprechen kann, wie sie ihr aus dem Mund sprudeln, sagt: "Ich möchte die Leute mit meiner positiven Haltung anstecken. Ich möchte, dass sie, wenn sie mich gesehen haben, besser drauf kommen."

Disneys Doppelverdienerin

Neben ihrer Fernseharbeit tourt Miley mit Hannah-Montana-Konzerten durch die USA. Ein Mitschnitt der "Hannah Montana and Miley Cyrus – Best of Both Worlds Tour", kommt nun auch in Deutschland in die Kinos.

Hannah Montana oder Miley Cyrus: Die Grenzen zwischen Showbiz und Wirklichkeit sind fließend. So wird in der TV-Serie Cyrus' tatsächliche Lebensgeschichte nacherzählt: Alls sie die Rolle in der Disney-Serie bekam, zog die damals Zwölfjährige mit ihrer gesamten Familie von Tennessee nach Los Angeles. Ihr Vater, der ehemalige Country- und Fernsehstar Billy Ray Cyrus, spielt auch in der Serie ihren Vater und Manager.

Miley Cyrus verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen und eine sympathische Portion Schnoddrigkeit. Angst macht ihr der Zirkus um ihre Person nicht, im Gegenteil.

Gefragt nach den Träumen, die einem Mädchen in ihrem Alter mit einer Fernsehserie, einer Popstarkarriere und Millionen auf dem Konto noch bleiben, sagt sie: "Viele! Ich möchte ja nicht nur einen Eindruck bei den Leuten hinterlassen, die meine Fernsehserie sehen, sondern auf der ganzen Welt."

Sie ist auf dem besten Weg dahin: Bei der Oscar-Verleihung im Februar stand Miley Cyrus als Präsentatorin auf der Bühne; kürzlich bekam sie ihre eigene Wachsfigur bei Madame Tussauds.

Cyrus rangierte nach Angaben des "Forbes Magazine" im vergangenen Dezember auf Platz 17 der Top-Verdiener unter 25, und das war, bevor der "Hannah Montana and Miley Cyrus"-Film in den amerikanischen Kinos einschlug wie eine Bombe.

Disney selbst hat Schwierigkeiten, mit der enormen Popularität der 15-Jährigen mitzuhalten. Die "Best of Both Worlds"-Konzerttour war innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft und wurde wegen der großen Nachfrage um 14 Auftritte auf insgesamt 69 Shows ergänzt. Und als der Mitschnitt der Tour in den USA im 3-D-Format in die Kinos kam, erweiterte der Konzern angesichts von 31 Millionen Dollar Einspielergebnis am Startwochenende die Spielzeit.

Millionen scheffeln? Kinderspiel!

So ein Projekt lässt sich nur mit einem erfahrenen Profi durchziehen: Miley stand bereits im Kleinkindalter auf der Bühne. "Ich habe schon mit drei oder vier Jahren gesungen", sagt der Jungstar, dessen pausbäckige Gesichtszüge und schlaksige Gestalt verblüffend an die junge Angelina Jolie erinnern.

"Und als ich zehn oder elf war, fing ich in Kanada an, Schauspielunterricht zu nehmen und Workshops mitzumachen." Damals war sie am Set der Fernsehserie "Doc", in der ihr Vater die Hauptrolle spielte, und trat dort auch in einer Episode auf. "Danach hatte ich das Gefühl, fertig zu sein, um nach Hollywood zu gehen und endlich anzufangen zu arbeiten."

Amerika feiert die gutgelaunte Südstaatlerin wie eine Erlösung. Nach den Zusammenbrüchen von Britney Spears, den Drogen-Entzugskuren von Lindsay Lohan und der Schwangerschaft von Britneys 16-jähriger Schwester Jamie Lynn taucht mit Miley ein porentief reiner Jungstar auf, bei dem sich Amerikas Eltern sicher fühlen. Miley Cyrus und ihr Vater bekennen sich zu Gott. Billy Ray sagte kürzlich sogar in einem Interview, der Erfolg seiner Tochter sei "Teil von Gottes Plan".

Er ist auch Teil von Disneys Plan. Der Unterhaltungskonzern vermarktet das Hannah-Montana-Phänomen mit CDs, Konzertkarten, Devotionalien und einem Kleiderlabel. Für das kommende Jahr ist ein Spielfilm in Arbeit.

Wie viel Druck, nicht nur, was die Finanzen angeht, auf dem Musterteenie lastet, zeigte kürzlich die öffentliche Kontroverse um eine Szene im Konzertfilm, in der Miley und ihr Vater unangeschnallt im Fond eines Autos zu sehen sind. "Ich habe mich nicht angeschnallt, und schon brach ein Sturm los", sagt Miley und rollt die Augen. "Aber darauf gehe ich ja in meinem Song 'Nobody's Perfect' ein - ich mache Fehler, und das kann ich nicht verbergen. Aber ich kann mir Mühe geben!"

Miley Cyrus schwärmt für Orlando Bloom, sie verehrt Frauen wie Jodie Foster und Hillary Duff, die sich weitgehend unversehrt ihren Weg durch die minenreiche Landschaft des Kinderstar-Daseins gebahnt haben. Foster hat neulich angerufen, um ihr ein paar Tipps übers Erwachsenwerden in der Unterhaltungsindustrie zu geben. Details will Miley nicht verraten. Dafür ist sie viel zu professionell.



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