"Hobbit"-Star McKellen: "Magie erlebte ich mit Cate Blanchett"

Gandalf beim Pinkeln, Gandalf mit Prostata-Problemen: Hätte Ian McKellen die Regie beim "Hobbit" übernommen, wären viele Tolkien-Fans entsetzt aus ihrem Wams gekippt. Im Interview bilanziert der Zauberer-Darsteller nun seine Zeit in Mittelerde - und spekuliert über das Sexleben eines 700-Jährigen.

Schauspiel-Star Ian McKellen: Gandalf und der ganze Rest Fotos
Warner Bros.

SPIEGEL ONLINE: Sir Ian, im "Hobbit"spielen Sie eine jüngere Version des Zauberers Gandalf, den Sie schon in der "Herr der Ringe"-Trilogie verkörpert haben. Dabei sind Sie seitdem um mehr als zehn Jahre gealtert. Hatten Sie da gar keine Bedenken?

Sir Ian McKellen: Bevor ich mich für eine Rolle entscheide, mache ich eine Liste mit Pro- und Contra-Argumenten. Beim "Hobbit" stand unter Contra lediglich eine Frage: Habe ich das nicht alles schon mal gemacht? Und das war wirklich ein Problem. Ich hasse es, mich zu wiederholen.

SPIEGEL ONLINE: Was überzeugte Sie dann?

McKellen: Ich war nie ein Freund von Gandalf dem Weißen aus den "Ringe"-Filmen. Er ist ein engstirniger Kommandeur. Gandalf der Graue ist humaner, macht Späße, trinkt einen über den Durst. Am liebsten hätte ich auch gezeigt, wie er morgens aufsteht und erst mal Wasser lässt - in 3D. So weit kam es leider nicht, aber Peter Jackson hat wunderbare Szenen für Gandalf geschrieben, die auch eine erzählerische Brücke zu "Herr der Ringe" bauen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Leute in Zukunft chronologisch zuerst die "Hobbit"-Filme und erst danach die "Ringe"-Trilogie schauen werden.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie von den Neulingen am Mittelerde-Set eigentlich als Mentor betrachtet worden?

McKellen: Vielleicht für fünf Minuten, dann legte sich das in der Regel. Und ich habe mich mit Ratschlägen auch zurückgehalten. Bei "Herr der Ringe" habe ich mich noch als Tolkien-Polizist aufgespielt, der auf die Werktreue achtet. Diesmal erfreute ich mich mehr an meinen neuen Kollegen und der Kameraderie der Zwerge. Meinen magischen Moment erlebte ich allerdings mit Cate Blanchett, der Elbenkönigin Galadriel. Nichts Spektakuläres. Sie strich vor einem prächtigen Sonnenuntergang nur ungeplant ihr Haar aus dem Gesicht und ich nahm ihre Hand. Und plötzlich denkt man: Hey, geht zwischen den beiden etwas? Aber Gandalf ist ja über siebenhundert Jahre alt. Ich vermute, er hat zu viel mit Prostata-Problemen zu tun, um an Sex zu denken.

SPIEGEL ONLINE: Kommen solche Momente wegen der ganzen Technik des modernen Filmemachens zu kurz? Sind Sie von all den Spezialeffekten genervt?

McKellen: Nein, ich begrüße jede Innovation als willkommenes Werkzeug. In all den Monaten hat Peter nicht ein einziges Mal über 3D gesprochen, er ließ uns Schauspieler komplett in Ruhe mit seiner Logistik. So ein Dreh ist auch ohne Extratechnik schwierig genug. Ich durfte ja zum Beispiel Bilbo oder den Zwergen bei einer Unterhaltung nie ins Gesicht sehen, sondern ich musste mit ihren Bäuchen und Gürtelschnallen interagieren - bevor meine Kollegen dann in der Postproduktion verkleinert wurden und sich unsere Blicke endlich trafen.

Fotostrecke

10  Bilder
Neues aus Mittelerde: Eindrücke aus Peter Jacksons "Der Hobbit"

SPIEGEL ONLINE: Zunächst sollte ja Guillermo del Toro den "Hobbit" drehen, er hatte Sie als Gandalf auch schon gebucht. Wie hätte seine Version ausgesehen?

McKellen: Er war sehr charmant und sprach leidenschaftlich von seiner Liebe zur Magie. Nur ein Drehbuch hat er leider nie herbeigezaubert. Keine Ahnung, ob seine Interpretation des Tolkien-Stoffes radikal anders ausgefallen wäre.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie all diese Jahre in Mittelerde eigentlich auch persönlich verändert?

McKellen: Das nicht. Aber Gandalf ist sicherlich die wichtigste Figur meiner Karriere, und ich nutze seine Popularität für gute Zwecke. In England besuchte ich zum Beispiel fünfzig Schulen, um mit Schülern über Homosexualität zu diskutieren. Die Kids können gar nicht glauben, dass in meiner Jugend meine Neigung noch mit Gefängnis bedroht war. Und obwohl sie zuallererst Gandalf-Fans sind, lassen sie sich schnell auf jedes ernste Gespräch ein. Vorgestellt werde ich übrigens immer als "Gandalf the Grey". Mein heimlicher Titel für diese Auftrittsserie ist allerdings ein anderer: die "Gandalf the Gay"-Tournee.

Das Interview führte Roland Huschke

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Sehr sympathisch, aber....
chryson 06.01.2013
einen kleinen Fehler hat McKellen sich da erlaubt: Gandalf ist mehr als 700 Jahre alt, das stimmt, tatsächlich ist das aber so, als würde man feststellen, Johannes Heesters wäre mehr als 5 Jahre alt zum Zeitpunkt seines Todes gewesen. Gandalf, als Maiar (niederer Schöpfergeist der Welt in der Mittelerde liegt), ist bereits seit fast 3000 Jahren Jahren in Mittelerde und existierte bereits unzählige Jahrtausende zuvor (seit beinahe Beginn der Schöpfung). Er geht also mehr so in Richtung 15000 bis 20000 Jahre :)
2.
alienfreak 06.01.2013
Gandalf kam im Jahr 1000 des 3. Zeitalters nach Mittelerde. Verlassen hat er es im Jahr 3021. Nicht zu erwähnen dass er ein Maia ist und somit wohl älter als das erste Zeitalter. 700 Jahre ist da eine ziemlich schlechte Schätzung. Wahrscheinlich ist Gandalf über 7000 Jahre alt.
3.
lieselweppen 06.01.2013
"Und plötzlich denkt man: Hey, geht zwischen den beiden etwas?" Exakt meine Gedanken im Kino.
4.
Jean P. v. Freyhein 06.01.2013
Stimmt, er hat quasi damals schon mit den späteren Saruman, Sauron und dem Balrog von Moria gemeinsam in einer Boygroup durch Mittelerde getourt, bevor sich die Wege trennten, weil man sich nicht über die zu zukünftige Musikrichtung einigen konnte.
5.
benes83 06.01.2013
Zitat von chrysoneinen kleinen Fehler hat McKellen sich da erlaubt: Gandalf ist mehr als 700 Jahre alt, das stimmt, tatsächlich ist das aber so, als würde man feststellen, Johannes Heesters wäre mehr als 5 Jahre alt zum Zeitpunkt seines Todes gewesen. Gandalf, als Maiar (niederer Schöpfergeist der Welt in der Mittelerde liegt), ist bereits seit fast 3000 Jahren Jahren in Mittelerde und existierte bereits unzählige Jahrtausende zuvor (seit beinahe Beginn der Schöpfung). Er geht also mehr so in Richtung 15000 bis 20000 Jahre :)
Sehr richtig, und dafür muss man nicht mal das Silmarillion gelesen haben, dass er älter ist als 700 Jahre kriegt man eigentlich schon aus dem Anhang zu Herr der Ringe mit
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Der Hobbit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 43 Kommentare
  • Zur Startseite
ZUR PERSON
  • AFP
    Sir Ian McKellen, 73, ist einer der renommiertesten britischen Schauspieler. Er verkörperte den Zauberer Gandalf in der "Herr-der-Ringe"-Trilogie. Die gleiche Rolle spielt er auch in der "Hobbit"-Saga, deren erster Teil am 13. Dezember in die deutschen Kinos gekommen ist.

"Hobbit"-Videospezial
Der Hobbit - Eine unerwartete Reise

USA/Neuseeland 2012

Regie und Drehbuch: Peter Jackson

Darsteller: Martin Freeman, Richard Armitage, Ian McKellen, Andy Serkis, Aidan Turner, Ken Stott, Graham McTavish

Produktion: New Line Cinema

Verleih: Warner Bros.

Länge: 164 Minuten

Start: 13. Dezember 2012