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Tina Fey und Amy Poehler: "Man kann von Worten auch mal genug haben"

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"Sisters": Ihre letzte große Party Fotos
Universal Pictures

In ihrem neuen Film "Sisters" spielen sie Schwestern, im wahren Leben sind sie beste Freundinnen - und im Interview sprechen Tina Fey und Amy Poehler über das Glück, mit der Arbeit nie zufrieden zu sein.

Tina Fey und Amy Poehler sind das Traumpaar der amerikanischen Comedy-Szene. In den Neunzigerjahren lernten sie sich in Chicago am Improvisationstheater Second City kennen, bevor sie beide bei der legendären Fernsehshow "Saturday Night Live" landeten.

Dort schrieben sie nicht nur jahrelang gemeinsam Sketche, sondern standen auch zusammen vor der Kamera. Inzwischen feiern beide zwar regelmäßig auch allein Erfolge, sei es mit Sitcoms ("30 Rock", "Parks and Recreation") oder Büchern ("Bossypants", "Yes Please").

Doch am meisten Spaß haben die beiden Freundinnen immer noch, wenn sie gemeinsame Sache machen, ob als Moderatorinnen der Golden Globes oder im Kino. Für ihren neuen Film "Sisters" (dem dritten nach "Girls Club" und "Baby Mama") trafen wir sie zum Interview in einem schmucklosen Fotostudio in Los Angeles. Zu Beginn des Gesprächs nahm erst einmal nur Fey auf einem der ungemütlichen schwarzen Klappstühle Platz. Poehler jagte derweil einem ihrer beiden Söhne hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Frau Fey, da Amy Poehler scheinbar noch ein wenig auf sich warten lässt, fangen wir doch einfach schon mal an. Anders als "30 Rock" oder "Girls Club" ist "Sisters" ja kein Projekt aus Ihrer eigenen Feder.

Fey: Das stimmt. Amy und ich haben eine langjährige Freundin aus "Saturday Night Live"-Zeiten, Paula Pell, die bei der Show mit uns als Autorin zusammenarbeitete. Sie hatte die Idee, ausgehend von der Beziehung zu ihrer eigenen Schwester eine Geschichte zu entwickeln, denn die beiden waren genau wie unsere Figuren im Film in ihrer Jugend höchst unterschiedlich. Viele der Tagebucheinträge im Drehbuch haben wir aus ihren Notizen übernommen. Während es bei Paulas Schwester immer um Sex ging, schrieb Paula selbst eher Dinge auf wie: "Ich glaube, heute tausche ich mal den Kies in meiner Steintrommel aus." Für die Wilde der Schwestern hatte sie mich im Sinn - und ich habe ihr dann eine Weile bei der Drehbuchentwicklung geholfen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Sache war doch sicherlich die ganze Zeit als gemeinsames Projekt mit Amy Poehler geplant?

Fey: Am Anfang blieb das erst einmal unausgesprochen, aber ich denke schon, dass Paula beim Schreiben Amy im Kopf hatte. Aber ihr davon erzählt haben wir tatsächlich erst, als das Skript im Großen und Ganzen fertig war. Und wir vor allem wussten, dass es zeitlich hinhauen würde, den Film in der Sommerpause zwischen Amys letzten beiden "Parks and Recreation"-Staffeln zu drehen.

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"Sisters": Ihre letzte große Party
SPIEGEL ONLINE: Es bestand ja wohl kaum ernsthaft die Sorge, Frau Poehler würde das Drehbuch ablehnen, oder?

Fey: Na, das wäre ja mal eine Ansage gewesen... Aber im Ernst: Ich war mir sicher, dass sie sich genau wie ich und natürlich auch Paula riesig über die Chance freuen würde, dass wir alle mal wieder zusammenarbeiten. Denn ehrlich gesagt, gibt es für uns nichts Schöneres, als Arbeitszeit gemeinsam zu verbringen und Spaß zu haben. Letztlich also war "Sisters" eigentlich nur Mittel zum Zweck, um einen Sommer zusammen zu verbringen.

Amy Poehler betritt den Raum und setzt sich neben Fey. Die beiden verstehen sich wortlos, weswegen das Gespräch ohne Unterbrechung weiterläuft.

SPIEGEL ONLINE: Diese Verbundenheit zwischen Schwestern, die der Film zeigt, ganz gleich wie unterschiedlich sie sind - kennen Sie die?

Poehler: Überhaupt nicht, das ist ja das Lustige. Tina und ich haben nur Brüder. Natürlich hatte ich immer ein paar enge Freundschaften, aber das ist eben nicht das Gleiche. Die Nähe zwischen Schwestern erscheint mir, auch wenn ich mich so im Freundeskreis umgucke, wirklich einzigartig zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Die Freundschaft zwischen Ihnen beiden ist also nicht schwesterlich?

Fey: Oh doch, auf jeden Fall!

Poehler: Na klar, im Grunde sind wir schon wie Schwestern. Immerhin kennen wir uns mittlerweile über 20 Jahre. Und vor allem haben wir uns damals in Chicago zu einer Zeit kennengelernt, als wir beide noch mitten in unserer Entwicklung und auf der Suche nach uns selbst waren. Wie das eben so ist, wenn man in seinen Zwanzigern ist. Das ist ja in der Regel das, was Familie ausmacht: dass man eine gemeinsame Geschichte und zusammen Erfahrungen gesammelt hat. Aber ein kleiner Unterschied zu Blutsschwestern bleibt eben doch.

SPIEGEL ONLINE: Weil...

Poehler: Weil man sich seine Schwestern eben nicht aussuchen kann. Mit denen bleibt man verbunden im Guten wie im Schlechten, komme, was wolle. In einer Freundschaft hat man immer die Wahl, die Sache einfach sein zu lassen. Selbst mit Tina wäre das möglich, wenn sie mir keine andere Wahl lässt (lacht).

Fey: Abgesehen davon bin ich ganz froh, dass Amy und ich nicht echte Schwestern sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir beide bei "Saturday Night Live" gelandet wären, wäre mir dann doch zu gering gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Sie beide spielen, schreiben, produzieren, im Kino genauso wie fürs Fernsehen oder Netflix. Im Deutschen gibt es dafür den Ausdruck Tausendsassa.

Fey: Das gefällt mir! Sich nicht nur auf eine Sache zu konzentrieren, sondern auf verschiedenen Ebenen tätig zu sein, das ist für Amy und mich irgendwie selbstverständlich. Das stammt noch aus der Zeit in Chicago, wo wir an unserem Improvisationstheater selbst die Shows auf die Bühne bringen mussten. Da lernt man Verantwortung zu tragen - und sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Auch bei "SNL" hatte man enorm viel Autonomie. Wenn man einen Sketch geschrieben hatte, durfte man bei den Kostümen mitreden oder den anderen Schauspielern Anweisungen geben. Deswegen sind Amy und ich so geübt darin, so viele Hüte zu tragen, wie man bei uns im Englischen sagt.

Poehler: Stimmt. Und ich kann nur sagen: Man gewöhnt sich daran, so viel Kontrolle über ein Projekt zu haben. Deswegen versuchen wir natürlich, so oft wie möglich ein paar Fäden in der Hand zu haben und trotzdem mit den besten Mitstreitern zusammenzuarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Umso erstaunlicher, dass nicht einfach eine von Ihnen bei "Sisters" Regie geführt hat.

Fey: Na ja, ich weiß einfach, was ich kann und was nicht. Regie war noch nie mein Ding. Amy, du hast ja ein paar Folgen "Parks and Recreation" inszeniert, oder? Aber bei einem Spielfilm dieser Größe hat man dann ja doch nichts dagegen, jemanden an Bord zu haben, der schon mal ein ähnliches Projekt gestemmt hat.

Poehler: In der Tat! Und Jason Moore hatte mit "Pitch Perfect" schon gezeigt, dass er etwas von der Sache versteht. Deswegen waren wir bei ihm in guten Händen.

SPIEGEL ONLINE: Was macht Ihnen an Ihrem Job eigentlich die größte Freude?

Fey: Gar nicht so einfach zu beantworten. Irgendwie vermischen sich da so viele Dinge. Worte sind die erste Anlaufstelle für mich, schon allein, weil ich meine Karriere nun mal als Autorin begann. Aber manchmal ist es auch einfach der größte Spaß, sich zu verkleiden und optisch in eine andere Person zu verwandeln.

Poehler: Außerdem kann man von Worten auch mal genug haben. Ich bin immer neidisch, wenn ich an Filme wie "Die Bourne Identität" denke. Da dreht Matt Damon auch mal eine ganze Woche, ohne ein einziges Wort zu sagen. Stell dir mal vor: Du kommst zum Set - und für die nächsten sieben Tage steht nichts auf dem Drehplan außer "laufen durch Frankreich".

Fey: Ich würde durchdrehen!

Poehler: Ich auch. Aber ich könnte das. Laufen in Frankreich? Oh ja, da bin ich dabei!

SPIEGEL ONLINE: Ein "Bourne"-Film steht also noch auf der Wunschliste. Davon abgesehen kann man doch aber nach dem Erfolg Ihrer Serien und den bejubelten Golden-Globe-Moderationen sagen: Sie befinden sich beide gerade auf dem absoluten Karrierehöhepunkt, oder?

Poehler: Wäre das nicht wie ein Marathonläufer, der schon ein paar Meter vor der Ziel die Arme hochreißt und jubelt? Nur damit dann im Endspurt doch noch jemand an ihm vorbeizieht?

Fey: Ich würde da auch vorsichtig sein. Denn es gibt doch immer noch etwas, das man dazulernen oder besser machen kann. Ich fand von jeher, dass jemand, der komplett zufrieden ist und die eigene Situation einfach nur cool findet, sich einfach nicht genug anstrengt. Beruflich gesehen, versteht sich. Jemand, der wirklich alles gibt, um einen guten Job zu machen, hat nämlich keine Zeit, ständig hinauszuposaunen, was für ein toller Hecht er ist.

SPIEGEL ONLINE: Jüngere Kolleginnen wie Amy Schumer oder Lena Dunham betonen immer wieder, wie wichtig Sie beide für sie sind. Sehen Sie sich als Vorreiterinnen einer neuen Generation witziger Frauen?

Poehler: Ich freue mich natürlich, wenn so etwas Nettes über uns gesagt wird. Zumal wir selbst genauso von Amy oder Lena schwärmen. Und diversen anderen witzigen Frauen, von denen es so viele gibt. Es geht gar nicht um Vorreiterinnen oder darum, den Weg zu bereiten, sondern um Zusammenarbeit. Denn wir alle inspirieren uns gegenseitig.

Fey: Abgesehen davon gab es auch schon vor uns jede Menge Frauen in der Comedy-Szene, die einen noch sehr viel steinigeren Weg vor sich hatten als wir am Anfang. Gilda Radner, Jan Hooks oder Nora Dunn - das waren unsere Wegbereiterinnen. Ich freue mich also vor allem über Amy, Lena und Co., weil ich sehe, dass sich immer mehr Frauen für Comedy interessieren. Je mehr weibliche Stimmen es in diesem Bereich gibt, desto besser. Und zwar nicht nur für uns Frauen, sondern für alle!

Im Video: Der Trailer zu "Sisters"

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Neu im Kino: Tops und Flops
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1.
HaraldKönig 09.02.2016
Karrierehöhepunkt? Tina Fey jedenfalls scheint ihn schon überschritten zu haben. Nach der erstklassigen Serie "30 Rock" kam von ihr die alberne, infantile Serie "Unbreakable Kimmy Schmidt".
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