Sixties Komödie "Down With Love" Bunter Trip durchs Doris-Day-Museum

Knallbunt und dennoch seltsam blass: Peyton Reeds Film "Down With Love", eine Hommage an die Doris-Day-und-Rock-Hudson-Komödien der sechziger Jahre, schwelgt farbenfroh in einer vergangenen Ära, bleibt aber weit hinter deren Esprit zurück.

Von Daniel Haas


Szene aus "Down With Love", Darsteller McGregor, Zellweger: Geschlechterkampf, der immer auch ein Techtelmechtel ist
20th Century Fox

Szene aus "Down With Love", Darsteller McGregor, Zellweger: Geschlechterkampf, der immer auch ein Techtelmechtel ist

Lässig wie Sinatra, cool wie James Bond: Catcher Block (Ewan McGregor) ist ein Casanova, ein charmantes Schlitzohr, das alle betören kann - seine zahlreichen Geliebten ebenso wie seinen Verleger Peter McMannus (David Hyde Pierce). Der verehrt seinen Starschreiber und gewährt ihm alle Freiheiten, selbst dann noch, als Blocks Stern zu sinken droht.

Was das Gewinnerlächeln des erfolgsverwöhnten Heißsporns überschattet, ist die Karriere einer Frau: Barbara Novak (Renee Zellweger), eigentlich ein Landei, schickt sich an, den Männern Manhattans das Leben schwer zu machen. Die Autorin des Buches "Down With Love" - Zum Teufel mit der Liebe" hat einen frühen Bestseller der Emanzipation verfasst. Man schreibt das Jahr 1962, die sexuelle Revolution steht bevor, und die Geschlechter rüsten zu jenem Kampf, der immer auch ein Techtelmechtel ist.

Das Buch wird ein Riesenerfolg, nicht nur in Manhattan, sondern bis ins ferne Sowjetreich dringt die frohe Botschaft vor: Frauen, lasst euch nicht mehr von Männern kujonieren, macht Karriere und endgültig Schluss mit dem romantischen Mythos Liebe! Novaks Intimfeind ist natürlich der Don Juan der Zeitungsbranche: Catcher Block, so doziert sie vor laufender Fernsehkamera, sei der Prototyp des Unterdrückers.

Block pariert den Frontalangriff mit einer Finte: Er arrangiert incognito ein zufälliges Treffen, gibt sich als dämlich-gutherziger Wissenschaftler aus und versucht, Amerikas erste Feministin zu verführen und damit bloßzustellen. Am Ende kommt alles ganz anders und damit genau so, wie von der Romanzen-Dramaturgie vorgesehen: Beim amüsanten Verwirrspiel wird letztlich klar, dass Liebe alle Kultur- und Geschlechterkämpfe überdauert. Ein Hoch auf die Gefühle, statt "Nieder mit der Liebe".

Turtelnde Zellweger, McGregor: Akribische Rekonstruktion des Sixties-Ambientes
20th Century Fox

Turtelnde Zellweger, McGregor: Akribische Rekonstruktion des Sixties-Ambientes

Peyton Reeds Film ist eine hingebungsvolle Hommage an jene Komödien, die im Auftrag von Universal von den späten fünfziger bis in die Mitte der sechziger Jahre gedreht wurden. Eine Zeit, in der die beginnende sexuelle Revolution und der damals noch gültige Production Code zur sittlichen Zensur aufeinanderprallten. Heraus kamen die herrlich unbeschwerten Farcen, in denen sich Naivität und Subversion, Rafinesse und Biederkeit die Waage hielten. Doris Day, Rock Hudson, Tony Randall und Lauren Bacall waren die Stars dieses Kinos, das mit "Bettgeflüster" die Blaupause für unzählige Beziehungsfarcen schuf.

Zellweger und McGregor - beide mit "Chicago" bzw. "Moulin Rouge!" musicalerprobt - haben genügend Swing, Leichtigkeit und Eleganz, um zwischen den aufwändigen Sixties-Kulissen eine gute Figur zu machen. Doch gegen das bemüht Harmlose des Drehbuchs kommen sie nicht wirklich an. Das Leichte, Vieldeutige, Erwartungshaltungen des Publikums Einlösende und gleichzeitig Düpierende der Day-und-Hudson-Filme geht in der akribischen Rekonstruktion des Sixities-Ambientes verloren. Jene Momente, wenn in den vermeintlich kreuzbraven Komödien Hysterie und Konfusion durchbrachen, sind hier der öden Routine hochanständigen Gesinnungshumors gewichen.

Deshalb bleibt "Down with Love" trotz seiner knallbunten Technicolor-Ästhetik, seinen liebevoll designten Interieurs und fantastischen Garderoben erstaunlich blass. Heute, da das Private, Erotische dem medial inszenierten Terror der Intimität gewichen ist, muss Reeds Komödie wie eine antiquierte Stilübung anmuten - ein wunderbar ausgestattetes Museum einer Kinoära.


Down With Love - Zum Teufel mit der Liebe (Down With Love)


USA 2003. Regie: Peyton Reed. Buch: Eve Ahlert, Dennis Drake. Darsteller: Renée Zellweger, Ewan McGregor, Vickie Hiller, Peter McMannus. Produktion: Fox 2000, Regency Pictures, Psilon Motion Pictures, Jinks/Cohen Company. Verleih: 20th Century Fox. Länge: 102 Minuten. Start: 25. Dezember 2003



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