Skandalfilm "Borat" Rumänische Dorfbewohner empört

Wenn Rumänen im Film Kasachen spielen, ist das noch kein Drama. Wenn sie aber wie in "Borat" als Pferde-Urin-Trinker und Frauenhasser auftreten schon. Die Bewohner des rumänischen Dorfes Glod sind Kinostars - und entsetzt über ihr neues Image.


Glod - Borat habe ihnen zu wenig Geld gezahlt und der Film schade dem Ansehen Rumäniens: Die Bewohner des rumänischen Dorfes Glod fühlen sich hintergangen. "Wir wollen klagen. Die ganze Welt lacht über uns. Sie haben uns gefilmt, ohne uns zu bezahlen", erklärte Marin Marcel der Nachrichtenagentur Reuters. Der 34-Jährige Roma verdient seinen Lebensunterhalt im nahe gelegenen Steinbruch und mit Sammeln von Waldfrüchten. Einige Bewohner gaben an, sie hätten lediglich fünf bis sieben Dollar pro Tag für ihren Auftritt in dem umstrittenen Film bekommen.

"Borat"-Star Sacha Baron Cohen: Daumen hoch für folkloristische Tiefschläge
REUTERS

"Borat"-Star Sacha Baron Cohen: Daumen hoch für folkloristische Tiefschläge

In Glod wurden in Kasachstan spielenden Szenen gedreht. Jetzt befürchten die Dorfbewohner, das könnte Diskriminierungen gegen sie schüren und das Image des Landes beschädigen. In der Satire behauptet der britische Komödiant Sacha Baron Cohen unter anderem, Kasachstan sei eine Nation von Frauenfeinden, die Pferde-Urin trinken.

Cohen hat - mal wieder - einen wunden Punkt getroffen: Rumänien, das im nächsten Jahr der EU beitreten wird, wurde von westlichen Beobachtern heftig kritisiert, weil es nicht entschieden genug gegen die Diskriminierung der Roma im Land vorgehe. Erst Anfang des Monats hatte Bundeskanzlerin Merkel Zweifel geäußert, ob Rumänien reif für den EU-Beitritt sei.

Roma haben in Rumänien Probleme, einen Job zu finden und ihre Kinder in die Schule zu schicken. "Hier in Rumänien sind wir Zigeuner. Wenn in der Gegend eine Flaschenfabrik gebaut wird, lassen sie uns dort nicht arbeiten", wird der 30-jährige Luca Ionel zitiert.

"Diese Filmemacher sind Betrüger", sagte Petre Buzea, der stellvertretende Bürgermeister der Region um Glod. "Sie haben nur nach negativen Aspekten Ausschau gehalten." Der Politiker träumt hingegen davon, dass die Gegend eine Touristenattraktion wird: "Wir haben schon von Investoren gehört, die Ski-Lifts bauen möchten und Geld von der EU bekommen."

amg/Reuters



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