Soul-Seifenoper "Sparkle" Der letzte Auftritt von Whitney

Als besorgte Mutter eines Girlgroup-Trios spielt Whitney Houston in "Sparkle" ihre letzte Kinorolle. Die Showbiz-Fabel strotzt vor Klischees und wirkt gerade deshalb wie aus dem melodramatischen Leben der verstorbenen Souldiva gegriffen.

Sony Pictures

Von Andreas Banaski


Den Film "Sparkle" gab es schon mal: In der Originalversion werden drei Kirchenchor-Geschwister 1958 in Harlem vom jungen Songschreiber Stix, der in Sparkle, eine der Schwestern verliebt ist, zum Gesangstrio aufgebaut, während ihre Mutter als Hausmädchen schuftet. Einige Jahre später ist Sister, die Älteste, im Drogensumpf versackt und Sparkle auf Solostar-Trip.

Diese Story war bereits 1976 angestaubt, als "Sparkle - Der Weg zum Star" in die US-Kinos kam. Angeregt wurden die beiden Autoren und Soulfans Howard Rosenman und Joel Schumacher vor allem durch die Laufbahn von Diana Ross und den Supremes, aber auch durch unzählige Showgeschäft-Schmonzetten. Curtis Mayfield komponierte dazu einen eleganten Soundtrack. Das aktuelle Remake verarbeitete einige seiner Songs jetzt etwas weniger sensibel.

"Sparkle" wurde "ein Kultfilm in der afroamerikanischen Community" ("Hollywood Reporter"). Besonders junge Mädchen konnten sich mit den aufstrebenden Charakteren identifizieren, denn die "benahmen sich wie wirkliche Menschen und nicht wie die üblichen Zuhälter, Dealer und Drogensüchtigen" von der Blaxploitation-Stange, erinnerte sich Rosenman vor einigen Monaten.

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Soul-Seifenoper "Sparkle": Läuterung und Erlösung
Eines dieser jungen Mädchen war Whitney Houston, die in den Achtzigern selbst eine Irrsinnskarriere (in jeder Beziehung) startete. "Sparkle" neu zu verfilmen wurde ihre Herzensangelegenheit. Ende der Neunziger sollte die Sängerin Aaliyah mitspielen, nach deren Tod bei einem Flugzeugunglück legte Houston das Projekt aber erst mal über ein Jahrzehnt auf Eis.

Das Remake, das Houston mitproduzierte, ist nun zehn Jahre später im End-Sechziger-Aufbruchs- und Bürgerrechtsklima in Detroit angesiedelt, wo die Plattenfirma Motown eine Erfolgsgeschichte des schwarzen Kapitalismus schreibt. Die 19-jährige Sparkle (blutleer dargestellt von der Castingshow-Gewinnerin Jordin Sparks) schreibt hier die Bandlieder und hat als "nächster Smokey Robinson" kreativ die Zügel in der Hand, und ihre alleinerziehende Mutter Emma (Whitney Houston) malocht nicht mehr als Dienstbotin, sondern führt ein Damenkonfektionsgeschäft.

Exaltiertes Predigergetue

Mit Lockenwicklern hat Houston ihren ersten prägenden Auftritt: Die Töchter, die sich nach nächtlichem Ausflug zum Nachtclub-Gesangswettbewerb wieder ins Haus geschlichen haben, mahnt sie zum Gottesdienst am nächsten Morgen. Denn im Glauben fand Emma wieder Halt, nachdem sie einst durch die eigene Sangeskarriere unter die Räder kam. Ihre Kinder, die alle Popstar-Ambitionen verheimlichen, warnt sie vor den Verlockungen des schnellen Ruhms. Doch Tammy, genannt Sister, bockt.

Die älteste Tochter hat nämlich durch ihre Sexkätzchen-Bühnenpräsenz als Trio-Frontfrau einen Star-Komiker an Land gezogen, der auf Kosten der eigenen schwarzen Gemeinde für ein weißes Publikum den Hofnarren spielt. Das soll Sister noch übel bekommen, aber erst mal löst ihre Verlobung den Bruch mit der Mutter aus. Emma hatte sich für ihre Töchter eine gutbürgerliche Ausbildung und eine gute Partie wie einen Doktor oder Anwalt vorgestellt. Was Sister auf die Palme bringt, weil sie doch die jüngeren Geschwister großziehen musste, während Mama in der Kotze lag.

Dass man das zwischen Drogen und häuslicher Gewalt schlingernde Skandalleben von Whitney Houston immer wieder mit diesem Kino-Melodram abgleichen kann, ist dann auch der größte Reiz, den dieses sonst läppische Rührstück auf Fernsehniveau vermittelt.

Darauf spekulierte wohl auch die Chefetage der Produktionsfirma Sony, die nach Houstons Tod im Februar in Erwartung eines Hits dem Regisseur Salim Akil nachträgliche Änderungen verordnete. Was dem Film aber auch nicht auf die Sprünge half, denn "Sparkle" hat in Amerika die Herstellungskosten noch nicht wieder eingespielt.

Vielleicht war auch die übertriebene Gottesfurcht ein Problem: "Sparkle" dreht sich penetrant um Schuld und Sühne, Läuterung und Erlösung. Mit exaltiertem Predigergetue walzt Whitney einen Gospel zur großen Show-Nummer aus. Und im schmachtenden Finale beschwört Jordin Sparks in offenherziger roter Robe die Hilfe des Himmels, während im Hintergrund der Engelschor jubiliert. Das ist durchaus ein Spaß, wenn man sich um die Unterschiede zwischen schmelzend und schmalzig, gefühlvoll und gefühlig auch sonst nicht groß kümmert. Und für alle Pophistoriker ist "Sparkle" wegen des Whitney- und Retro-Soul-Aspekts ja ohnehin von Belang.


Sparkle. Start: 11.10. Regie: Salim Akil. Mit Jordin Sparks, Whitney Houston.



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