Späte Drehgenehmigung Tom Cruise darf doch im Bendlerblock spielen

Die Dreharbeiten zu dem Film "Valkyrie" über das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 sind in Berlin in vollem Gange - aber Finanzminister Steinbrück und Verteidigungsminister Jung lehnten eine Drehgenehmigung im Bendlerblock ab. Am Ende setzte sich das Kanzleramt durch.


Berlin - Der Anstoß für die verspätete Drehgenehmigung im Bendlerblock für den Film "Valkyrie" über das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 kam offenbar aus dem Kanzleramt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm habe intern den Anstoß gegeben, die Sache nochmals wohlwollend zu prüfen, berichtet die "Sächsische Zeitung" unter Berufung auf Regierungskreise. Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) habe daraufhin Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in diesem Sinne "ermutigt".

US-Schauspieler Cruise: Steigerung des Ansehens Deutschlands
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US-Schauspieler Cruise: Steigerung des Ansehens Deutschlands

Der Bendlerblock beherbergt die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Dort waren Claus Schenk Graf von Stauffenberg und drei Mitverschwörer hingerichtet worden. "Man kann und sollte so einen Platz nicht seiner Würde berauben und zur Kulisse umzuwandeln", zitiert die Zeitung einen Sprecher Steinbrücks, der die Liegenschaft verwaltet. Verteidigungsminister Jung fürchte eine Beschädigung der "tragenden Säule des Traditionsverständnisses der Bundeswehr" durch den Film, der mit knapp fünf Millionen Euro deutscher Filmfördermittel mitfinanziert wird, heißt es in dem Bericht weiter.

Gestern war die ursprünglich verweigerte Drehgenehmigung für die Gedenkstätte doch noch erteilt worden. Die mögliche Steigerung des Ansehens Deutschlands durch den Film über den Widerstand gegen Hitler sei für die Genehmigung "ein erwägenswertes Motiv" gewesen, hieß es.

Nach einem Treffen von Vertretern des Verteidigungsministeriums und der Gedenkstätte mit dem Koproduzenten des Films, Chris McQuarrie, im Bendlerblock erklärte ein Ministeriumssprecher, einer Drehgenehmigung stehe nichts mehr im Wege. Der Film zeichne "einen schönen Spannungsbogen" von der Barbarei der Nazi-Zeit zum demokratischen Deutschland, das aus Ruinen auferstanden sei, zitiert die Zeitung den Sprecher. Man sei nun überzeugt, der Film werde die "besondere Würde des Ortes wahren".

Für Kritik sorgt auch die Tatsache, dass mit dem US-Schauspieler Tom Cruise ein bekennender Anhänger der Sekte Scientology die Rolle Stauffenbergs spielt.

kaz/ddp



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