Crowdfunding: Spike Lee rechtfertigt sich für Kickstarter-Kampagne

Crowdfunding: Spike Lee bittet um Geld Fotos

Zu reich für Kickstarter? Mit seiner Bitte um Crowdfunding für das nächste Projekt hat sich Regie-Legende Spike Lee nicht nur Freunde gemacht. Immer mehr etablierte Künstler werden dafür angegriffen, auf das Geld ihrer Fans zu bauen. Jetzt schoss Lee gegen seine Kritiker.

Hamburg/New York - Steven Soderbergh ist jetzt ein "Playa Playa" - zumindest für seinen Regiekollegen Spike Lee. Vor einer Woche hat Lee auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Kampagne zur Finanzierung seines neusten Films gestartet und mit Soderbergh bislang seinen prominentesten Förderer gefunden. 10.000 Dollar hat Soderbergh in das noch unbetitelte Projekt gesteckt, eine Prämie, für die Lee ein gemeinsames Abendessen sowie ein Basketballspiel der New York Knicks im Madison Square Garden verspricht - und den Ehrentitel "Playa Playa" verleiht.

Es soll ein Film über Menschen werden, die abhängig von Blut sind, informiert Lee auf der Kickstarter-Seite. "Lustig, sexy und blutig (und nicht 'Blacula')." Über 360.000 Dollar hat er mittlerweile gesammelt, aber auch jede Menge Kritik eingefahren. In Internetforen wird ihm vorgeworfen, er sei zu reich und zu bekannt, um sich auf das Geld seiner Fans zu verlassen. Und er sage nicht einmal genau, wovon sein Film wirklich handle.

Lee ist nicht der erste Regisseur, der sich auf diese Art ein neues Herzensprojekt finanzieren lassen will - und dafür sowohl große Unterstützung als auch beißende Kritik erfährt. Im März starteten die Produzenten der eingestellten US-Serie "Veronica Mars" eine der erfolgreichsten Kickstarter-Kampagnen überhaupt, um Geld für einen Film mit der Detektivin einzuwerben. Statt der angepeilten zwei Millionen US-Dollar hatten sie zum Schluss 5,7 Millionen angesammelt. Auch Serienstar Zach Braff wagte sich auf Kickstarter vor: Für sein Projekt "I Wish I Was Here" konnte der "Scrubs"-Star schließlich drei Millionen Dollar an Crowdfunding verzeichnen.

"Unterstütze Zach nicht"

Vor allem Braff wurde jedoch für seine Kampagne angegriffen. Twitter-User und Blogger wie etwa Ken Levine warfen Braff, der fast zehn Jahre lang in einer der erfolgreichsten amerikanischen Serien mitspielte, vor, seinen Film nicht selbst finanziert zu haben. Zudem kritisieren sie, dass er seinen Geldgebern keine Gewinnbeteiligung in Aussicht gestellt habe. Gegner von Braff hatten sogar extra die Kampagne "Don't back Zach" ("Unterstützt Zach nicht") ins Leben gerufen, um seinen Crowdfunding-Aufruf zu torpedieren.

Zach Braff argumentiert, er brauche das Geld, um einen unabhängigen Film machen zu können, bei dem er sich nicht den Wünschen von Produzenten beugen muss. Doch Braff büßte Glaubwürdigkeit ein, als der "Guardian" berichtete, dass noch ein weiterer Finanzier aufgesprungen sei: Worldview Entertainment will die letzten Finanzierungslücken von Braffs Film schließen.

Spike Lee war also gewarnt, dass auch ihn ein Gegenschlag erwarten könne. Auf dem Portal Filmcouragereagierte er nun auf die Vorwürfe: Er habe schon für seinen ersten Film "She's Gotta Have It" (1985) sowie für "Malcom X" (1992) um Geld bitten müssen. Früher habe es nur das Internet dafür noch nicht gegeben. "Wir haben schon nach Prinzip Kickstarter Geld gesammelt, bevor es Kickstarter überhaupt gab", sagt er. Lee argumentiert weiter, dass er zum ersten Mal "people of colour" auf Kickstarter hole, die noch nichts von dieser Form der Finanzierung gehört und damit vorher auch nicht gespendet hätten.

Auf Kickstarter verwies Lee bereits zum Start der Kampagne auf die Schwierigkeiten, die Nicht-Blockbuster-Filme mittlerweile in Hollywood hätten: "Ich hasse diese Umstände nicht, ich benenne sie nur", sagt Lee. "Superhelden- und, Comicverfilmungen, 3-D-Spezialeffekte, Explosionen der Erde - Mir geht es nicht darum, dass diese Filme gedreht werden, aber es scheint, als würden nur noch diese Filme gemacht." Für unabhängige Filmregisseure sei diese Situation nicht besonders ermutigend.

Eben das kritisiert auch Steven Soderbergh, der seinen neuesten Film "Behind the Candelabra" über den US-Entertainer Liberace exklusiv für den Pay-TV-Sender HBO und nicht fürs Kino gedreht hat. Soderbergh prophezeit der US-Filmindustrie den Untergang, weil die Vermarktungskosten für Kinofilme immer weiter ansteigen.

Dock Kritik an der Fan-Finanzierung kommt mittlerweile auch aus den eigenen Reihen: Regisseur Timo Vuorensola finanzierte den Film "Iron Sky" (2012) auch teilweise durch Crowdfunding, zweifelte allerdings in einem Interview mit dem "Hollywood Reporter" am Konzept: Diese Finanzierungsmethode könnte von großen Studios ausgenutzt werden - und jeden Filmemacher schaden. Vielleicht vor allem jetzt, wo sich Regisseure gegenseitig die Filme finanzieren.

kha

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Soso, das Internet
hman2 29.07.2013
Na sowas. Dabei existiert das Internet schon seit dem Ende der Sechzigerjahre. Offenbar will Spike Lee ein Medium nutzen, das er noch nicht einmal im Ansatz verstanden hat, wenn er noch nicht einmal das Netz Internet und den Dienst WWW auseinanderhalten kann...
2. Richtig
spon-facebook-596094625 29.07.2013
Spike Lee hat ganz einfach zuletzt durch sensationell durchschnittliche Arbeiten seinen Kredit (no pun intended) verspielt. Großartige Künstler finden ihre Finanzierung. Spike Lee muss allerdings endlich mal wieder beweisen, dass er ein solcher noch ist.
3. Bloedsinniger Kommentar (sorry).
hdudeck 29.07.2013
Warum muss man etwas verstehen, wenn man es benutzt. Wissen Sie, wie ein Auto funktioniert? Wie der E-Rasierer? Koennen Sie die verschiedenen Rasenmaehertechniken unterscheiden? So, warum wird da um das Internet so viel darum gemacht? Man muss etwas nicht verstehen, man muss es nur zu nutzten wissen. Und scheinbar kann Lee dass, schliesslich fliesst Geld. Und nur darum geht es. Wer glaubt, das Internet waere das Zentrum der Welt, hat die Welt nicht verstanden.
4. es wird niemand gezwungen.
mem79 29.07.2013
Zitat von sysopZu reich für Kickstarter? Mit seiner Bitte um Crowdfunding für das nächste Projekt hat sich Regie-Legende Spike Lee nicht nur Freunde gemacht. Immer mehr etablierte Künstler werden dafür angegriffen, auf das Geld ihrer Fans zu bauen. Jetzt schoss Lee gegen seine Kritiker. Spike Lee rechtfertigt sich für Bitte um Geld auf Kickstarter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/spike-lee-rechtfertigt-sich-fuer-bitte-um-geld-auf-kickstarter-a-913650.html)
es waere ja eine sache wenn falsche tatsachen vorgetaeuscht werden. und auf das geld der fans baut jawohl jeder auch noch so etablierte kuenstler in irgendeiner art und weise. warum soll nur ein filmstudio entscheiden welche filme gedreht werden? wenn dabei schrott rauskommt sind die fans pro kopf ein paar dollar los und machen das nicht nochmal.
5.
obi wan 29.07.2013
Zitat von sysopZu reich für Kickstarter? Mit seiner Bitte um Crowdfunding für das nächste Projekt hat sich Regie-Legende Spike Lee nicht nur Freunde gemacht. Immer mehr etablierte Künstler werden dafür angegriffen, auf das Geld ihrer Fans zu bauen. Jetzt schoss Lee gegen seine Kritiker. Spike Lee rechtfertigt sich für Bitte um Geld auf Kickstarter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/spike-lee-rechtfertigt-sich-fuer-bitte-um-geld-auf-kickstarter-a-913650.html)
Bin kein Fan von Spike Lee, aber die Kritiker reden echt Blödsinn: Künstler egal welches Genres verdienten schon immer das Geld welches Fans ihnen geben. Nur lief das über Produktiunsstudios und -firmen. Bleibt alles beim alten, nur das vielleicht etwas weniger Geld aufm Weg von Fan/Konsument zu Künstler/Produzent versickert. Was nur gut sein kann.
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