Regisseur von "Singin' In The Rain" Stanley Donen gestorben

Einer der letzten Protagonisten von Hollywoods goldenem Zeitalter ist tot: Stanley Donen führte Regie bei großen Musicals, drehte aber auch Komödien wie "Charade" oder "Ein süßer Fratz". Donen wurde 94 Jahre alt.

CLAUDIO ONORATI/EPA-EFE/REX

Stanley Donen hat sich, so war es typisch für die Meister aus Hollywoods Golden Age, immer nur als schlichter Entertainer verstanden. Die vermeintlich große Filmkunst - Orson Welles, Fellini, Kurosawa - bewunderte er von Ferne. Einen regulären Oscar bekam er nie, erst 1998 bekam er einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Dabei verehrten viele Regiegrößen Donen, insbesondere in Europa hatte er Bewunderer wie François Truffaut oder Stanley Kubrick. Jean-Luc Godard würdigte den Kollegen mit einer Filmszene als Hommage und bezeichnete ihn als "Meister des Musicals".

Stanley Donen kam 1924 in South Carolina zur Welt. Wegen seiner jüdischen Familie litt er als Schüler unter antisemitischen Beschimpfungen der Klassenkameraden und flüchtete oft ins Kino. Der Musicalfilm "Flying Down to Rio" von 1933 mit Fred Astaire begeisterte ihn so sehr, dass er ihn sich einige Dutzend Male ansah und selbst tanzen und steppen lernte. Mit 16 zog er nach New York, ein Jahr später machte ihn Gene Kelly zu seinem Choreographie-Assistenten.

Gemeinsam entwarfen Donen und Kelly Revue-Nummern für Rita Hayworth ("Cover Girl"), 1949 inszenierten sie als gleichberechtigtes Regie-Team das Matrosen-Musical "Heut' gehn wir bummeln", drei Jahre später das legendäre "Singin' in the Rain" ("Du sollst mein Glücksstern sein").

Hellmuth Karasek nannte "Singin' in the Rain" 1995 im SPIEGEL "das geglückteste und stimmigste Musical aller (Film-)Zeiten". Bis heute wird der Film immer wieder in die Listen der besten Filme aufgenommen: Er begeistert "mit viel Musik, vielen Kostümen, rauschenden Tanzvisionen", so Karasek. So optimistisch übermütig wie Gene Kelly, der auch die Hauptrolle spielte, tanzte wohl nie wieder jemand durch den Regen.

Die Fünfziger- und Sechzigerjahre waren Donens produktivste Zeit. 1951 hatte er erstmals allein Regie geführt, in der Musicalkomödie "Royal Wedding" spielte sein Kindheitsidol Fred Astaire die Hauptrolle - und Stanley Donen lies ihn auf der Decke tanzen.

1957 drehte Donen für die Paramount Studios mit Astaire und Audrey Hepburn ein Meisterstück der späten Musical-Ära: "Funny Face" - in Deutschland unter dem schönen Titel "Ein süßer Fratz" im Kino.

In der Folge arbeitete Stanley Donen mit Ingrid Bergman ("Indiskret", 1958), mit Yul Brynner ("Noch einmal, mit Gefühl", 1959), mit Cary Grant ("Vor Hausfreunden wird gewarnt", 1960), mit Sophia Loren und Gregory Peck ("Arabeske", 1966).

Furios war 1963 Donens Krimi-Komödie "Charade" mit Grant und Hepburn in Paris, es war ein Kassenhit und bekam von Kritikern das Prädikat, "der beste Hitchcock-Film zu sein, der nicht von Hitchcock gemacht wurde".

Als finanzielles Fiasko erwies sich Donens Literaturverfilmung "Der kleine Prinz" (1974), womit er noch einmal zum Musical zurückkehrte. Danach versuchte er sich mit wenig Erfolg in weiteren Filmgenres, so etwa der hochkarätig besetzten Abenteuerkomödie "Lucky Lady" (1975), der Hollywood-Persiflage "Movie Movie" (1978) und dem Science-Fiction-Film "Saturn 3" (1980). Nach seiner Kinokomödie "Blame it on Rio" (1984) mit Michael Caine wurde es in Hollywood stiller um Donen, der aber fürs Fernsehen und am Broadway noch lange weiter arbeitete.

Er wünsche nicht, zitierte der SPIEGEL 1983 anlässlich einer TV-Retrospektive von Donen-Filmen, dass ihm einmal ein Grabstein mit der Inschrift "Er schuf 'Singin' in the Rain'" aufgestellt werde. "Aber welcher Entertainer hat eine bessere Empfehlung für die Ewigkeit?", schloss der Artikel damals.

Wie der Filmkritiker der "Chicago Tribune" unter Berufung auf Stanley Donens Sohn Mark zuerst meldete, ist der Regisseur im Alter von 94 Jahren gestorben. Seine Söhne Mark und Joshua bestätigten die Meldung gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Steven Spielberg nannte Stanley Donen einen "Freund und Mentor". Regie-Kollege Guillermo del Toro fand folgende Worte zum Abschied: "Vor Stanley Donen waren es Schauspieler, die sangen, Schauspieler, die tanzten. Er ließ die Kamera tanzen und die Farben singen."

feb/AP

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