Star-Trek-Film "Into Darkness" Ey Spock, gleich gibt's heiße Ohren

Klatsch! Patsch! Plock! Der zweite "Star Trek"-Film von J. J. Abrams ist ein rasantes Action-Spektakel, in dem kräftig die Fäuste fliegen. Das ist belanglos, aber spaßig. Schlicht sensationell agiert dagegen Bösewicht Benedict Cumberbatch, der die gesamte "Enterprise"-Crew an die Wand spielt.

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Ein Erzählprinzip der "Star Trek"-Serie hat J. J. Abrams verinnerlicht: Bevor es zu technisch wird, lass die Fäuste fliegen. Schon die Pilotfolge des TV-Originals aus den Sechzigern musste neu gedreht werden, weil sie den Produzenten zu viel verkopfte Science-Fiction enthielt. Damals heuerte man den burschikosen William Shatner als Captain James T. Kirk an, der die blässliche Urbesetzung Jeffrey Hunter ersetzte und sich gleich im ersten Einsatz einen hitzigen Faustkampf lieferte.

Fast 50 Jahre später prügelt sich Kirk immer noch mit exotischen Gegnern durch die Gänge seines Raumschiffs "Enterprise". Je fortschrittlicher und abstrakter die Technik, die inzwischen auch durch CGI und flirrende 3-D-Effekte kinohandwerklich präsentiert wird, desto mehr Blessuren müssen die Protagonisten im Gesicht zur Schau stellen. Wie ein Warp-Antrieb funktioniert? Keine Ahnung. Aber ein paar Schläge ins Gesicht - die versteht jeder.

Im seinem zweiten "Star Trek"-Film nach dem erfolgreichen Kino-Relaunch der Kultserie vor vier Jahren weitet Abrams ("Lost", "Alias", "Super 8") dieses Prinzip noch einmal aus: Staunend nimmt man zur Kenntnis, dass der berühmte Überlicht-Antrieb der "Enterprise" in seiner jüngsten Version von riesigen Dampfkesseln betrieben wird. Früher, wohl auch aus Etat-Zwängen, wurde der Warp-Antrieb als leuchtender Röhrentunnel, ähnlich einer überdimensionierten Sonnenbank, dargestellt, nun macht der Maschinenraum seinem Namen alle Ehre. Zwischen zischenden Ventilen und auf metallenen Rohren lassen sich trefflich Phaser-Gefechte inszenieren - wie einst säbelschwingend in den Wanten eines Dreimasters.

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"Star Trek Into Darkness": Beamen, Boxen, Benedict
Entsprechend führen die Hauptfiguren, Captain Kirk (Chris Pine) und sein erster Offizier Spock (Zachary Quinto) ihr amüsant-zickiges Master-und-Commander-Spielchen aus Teil eins auch in der Fortsetzung weiter: Der eine, Kirk, ist ein Heißsporn im Stile des Roten Korsars Burt Lancasters, der andere ein kühler, nickeliger Logiker, der auf den Statuten beharrt, auch wenn er seinen Käpt'n damit beinahe um sein Kommando bringt.

Mehr als die Zuspitzung dieses Motivs, das muss man leider sagen, ist Abrams und seinen drei Drehbuchautoren für ihre zweite "Star Trek"-Runde nicht eingefallen. In der Anfangssequenz verletzt Kirk so ziemlich alle Direktiven der Sternenflotte, indem er Spock mit einem waghalsigen Manöver aus einem Vulkan (!) rettet. Der ("Vulcanier lügen nicht") hat aber nichts Besseres zu tun, als seinen Captain beim Oberkommando anzuschwärzen, woraufhin der gutmütige Admiral Pike mal wieder alle Register ziehen muss, um den jungen Hoffnungsträger der Flotte wieder auf die Brücke zu befördern.

Buddy-Movie im Weltall

"Star Trek", einst Schaukasten für psychedelisch motivierte Phantasien außerirdischer Welten, wandelt sich unter Abrams zum Buddy-Movie: Natürlich steht am Ende dieser Erzählung, Fans der Serie wissen es, die unverbrüchliche Freundschaft von Kirk und Spock, der ja gar nicht so ein gefühlloser Klotz ist, sondern sich dem Bauchmenschen Kirk annähert. Folgerichtig darf auch er, im Finale von "Into Darkness", kräftig die Fäuste fliegen lassen, Vulcan-Style.

Zuvor jagt ein Terrorist das Londoner Geheimarchiv der Marine in die Luft, schaltet bei der folgenden Krisensitzung des Kommandos fast alle Schiffskapitäne aus und flüchtet ausgerechnet auf den Heimatplaneten der Klingonen, einer Rasse, die mit der Sternenflotte der Erde im Clinch liegt. Oberkommandeur Marcus ("RoboCop" Peter Weller in einem Knallchargenauftritt) entsendet Kirk, Spock und Uhura (Zoe Saldana), auf eine Black-Ops-Mission, um den Schurken zu eliminieren. Der entpuppt sich als altbekannter "Star Trek"-Bösewicht Khan, ein genetisch manipulierter Super-Mensch, der aus höchst verschwörerischen Motiven aus der Vergangenheit geholt wurde, um einen Krieg mit den Klingonen zu provozieren.

Eigentlich ist also alles wie immer: Die "Enterprise"-Crew ist auf sich selbst gestellt, die Erde muss vor übermächtigen Gegnern gerettet werden, das stolze Schiff wird in einer spektakulären Schlacht schrottreif geschossen, Uhura drückt Spock verliebte Küsschen auf die Lippen, Chefingenieur Scottie (Simon Pegg) wird mehr und mehr zu einer lustig zeternden Version des Bond-Ausstatters Q, "Pille" McCoy (Karl Urban) entwirft blumige Sprachbilder für prekärste Situationen - und Kirk darf als Han-Solo-Wiedergänger sogar den Flug der "Millennium Falcon" durch die engen Schluchten des Todessterns nachstellen.

Der Schurke strahlt

"Star Wars", "James Bond", "Fluch der Karibik", "Avengers" - Abrams' "Star Trek" ist ein wuchtiges, clever komponiertes Konglomerat der in jüngster Zeit erfolgreichsten Kino-Franchises. Und damit das nicht so auffällt, jagt eine Action-Sequenz die nächste, löst ein wirkungsvoller 3-D-Effekt den nächsten ab, Lanzenwürfe ins zusammenzuckende Publikum inklusive.

Den größten Schauwert liefert allerdings Benedict Cumberbatch als dämonischer, shakespearesk deklamierender Khan. Während Kirk, Spock und Co. um ihn herum hetzen, schwitzen, diskutieren und verzweifeln, strahlt der britische "Sherlock"-Darsteller eine absorbierende Ruhe und Souveränität aus und spielt die "Enterprise"-Crew locker an die Wand.

Das alles macht natürlich großen Spaß. "Into Darkness" ist ein extrem unterhaltsamer Action-Blockbuster, der über Witz und Rasanz verfügt und die große, gefürchtete Fangemeinde der "Trekkies" bei der Stange hält, indem immer wieder lustige Zitate fürs Nerd-Herz eingestreut werden.

In diesem bunten Strudel der Selbstreferentialität wirkt der ernste Unterton, den der Film durch einige düstere Motive wie Terrorismus und Kriegsprovokation machtgieriger Militärs erhält, fast überflüssig, wenn nicht gar störend. Statt sich über die Brisanz fehlgeleiteter Post-9/11-Politik Gedanken zu machen, möchte man hier - ausnahmsweise mal - nur in schönster Retro-Nostalgie schwelgen, wenn die goldenen, blauen oder roten Sternenflottenuniformen auf der geschwungenen weißen Brücke der "Enterprise" plastisch auf der Leinwand leuchten wie ein Pop-Art-Kunstwerk. Auch diese Inszenierung beherrscht Abrams perfekt. Zum Glück.

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Seite 1
EvilGenius 04.05.2013
1. Peng, Peng, Kaboom
Wenn der Film doppelt so gut wie der letzte wird, ist er sein Eintrittsgeld immer noch nicht wert.
sttng 04.05.2013
2. Mein "Video Urteil"
Zitat von sysopParamount PicturesKlatsch! Patsch! Plock! Der zweite "Star Trek"-Film von J.J. Abrams ist ein rasantes Action-Spektakel, in dem kräftig die Fäuste fliegen. Das ist belanglos, aber spaßig. Schlicht sensationell agiert dagegen Bösewicht Benedict Cumberbatch, der die gesamte "Enterprise"-Crew an die Wand spielt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/star-trek-into-darkness-zweiter-enterprise-einsatz-von-j-j-abrams-a-897905.html
Nur FÜR FANS
tetaro 04.05.2013
3. Belanglosigkeits-Alarm
Zitat von EvilGeniusWenn der Film doppelt so gut wie der letzte wird, ist er sein Eintrittsgeld immer noch nicht wert.
Die Zeit von intelligenter SF ist leider größtenteils vorbei. Alles verhunzt man heutzutage zu irgendwelchen baller- und Actionspetakeln und an die Handluing des letzten Startrek Films kann ich mich kaum noch erinnern, so belanglos war das Ganze.
christian simons 04.05.2013
4.
Zitat von sysopParamount PicturesKlatsch! Patsch! Plock! Der zweite "Star Trek"-Film von J.J. Abrams ist ein rasantes Action-Spektakel, in dem kräftig die Fäuste fliegen. Das ist belanglos, aber spaßig. Schlicht sensationell agiert dagegen Bösewicht Benedict Cumberbatch, der die gesamte "Enterprise"-Crew an die Wand spielt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/star-trek-into-darkness-zweiter-enterprise-einsatz-von-j-j-abrams-a-897905.html
Und nun geht das Zetern und Klagen derjenigen los, die sich die betuliche Moralinsäure der "Next Generation" zurückwünschen, und nicht wahrhaben wollen, dass das neue "Star Trek" mit seiner Action-Lastigkeit zu seinen eigentlichen Wurzeln zurückkehrt. Im Original der Sechziger waren Episoden mit penetrant politisch korrekten Botschaften zwar auch vorhanden, aber eindeutig in der Minderzahl...
butternut 04.05.2013
5. Alles Geschmackssache
Zitat von EvilGeniusWenn der Film doppelt so gut wie der letzte wird, ist er sein Eintrittsgeld immer noch nicht wert.
Ihr Filmgeschmack ist nicht maßgeblich. Es zwingt Sie ja niemand, den Film anzuschauen.
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