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Kinos boykottieren Blockbuster: Hausverbot für "Star Wars"

Kampf um die Kinos: "Star Wars" läuft wegen Disneys Verleihbedingungen nicht überall Zur Großansicht
Lucasfilm

Kampf um die Kinos: "Star Wars" läuft wegen Disneys Verleihbedingungen nicht überall

Fans können den neuen "Star Wars"-Film kaum erwarten, einige Kinobetreiber hingegen wollen ihn boykottieren. Grund: Die harten Verleihbedingungen des Disney-Konzerns.

Zuerst kamen die Teaser, dann der Trailer, und spätestens seit dem Beginn des Vorverkaufs zu "Star Wars: Das Erwachen der Macht" ist der Kinostart des Sci-Fi-Abenteuers am 17. Dezember endlich mit Händen greifbar. In den USA bricht der Ticketvorverkauf sämtliche Rekorde, reihenweise brachen Server unter dem Ansturm zusammen. Auch die deutsche Kinokette CineStar jubelt laut Branchendienst "Blickpunkt: Film" über schon 40.000 verkaufte Tickets.

Konkurrent Cinemaxx allerdings hat mit dem Vorverkauf noch gar nicht begonnen. Will man auf der Internetseite des Unternehmens eine Eintrittskarte für "Star Wars 7" vorbestellen, erscheint folgende Mitteilung: "Aufgrund von noch laufenden Vertragsverhandlungen mit unserem Partner The Walt Disney Company GmbH können wir den Vorverkauf von Star Wars 7 zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht starten. Sobald wir zu einem positiven Ergebnis gekommen sind, startet der Vorverkauf auch bei uns."

Screenshot der "Cinemaxx"-Internetseite Zur Großansicht

Screenshot der "Cinemaxx"-Internetseite

In einigen Filmtheatern in deutschen Kleinstädten droht die Macht gar nicht zu erwachen. Karl-Heinz Meier betreibt in dem 500-Einwohner-Ort Quernheim das Kino "Lichtburg" und ist Mitglied im Hauptverband Deutscher Filmtheater. Er sagt: "Wir spielen seit sechs Monaten keine Disney-Titel. Das ist für uns eine harte Nummer. Aber wir werden auch 'Star Wars' nicht ins Programm nehmen."

Hintergrund sind neue Verleihbedingungen, die der Disney-Konzern den Kinobetreibern diktiert. Der Konflikt brach aus mit dem Start von "Avengers 2" am 23. April. Seitdem verlangt Disney 53 Prozent des Ticketpreises als Miete von den Kinos. Meier war an den damaligen Verhandlungen beteiligt: "Ursprünglich lag der Verleihsatz bei 47,5 Prozent. Wir sind Disney entgegengekommen und haben 50 Prozent angeboten. Aber die haben abgelehnt."

Darüber hinaus gebe es auch einige andere Klauseln in neuen Verträgen mit Disney, die für Betreiber kleiner Kinos unannehmbar seien. Unter anderem eine sogenannte Verlängerungsklausel, so Meier: "Damit kann der Konzern mir vorschreiben, wie lange ich ihren Film spielen muss. Er greift damit ganz unmittelbar in meine Programmierung ein." Und erzeuge Kostendruck: "Würde ich diese Bedingungen annehmen, müsste ich den Kartenpreis von vier bis fünf Euro um zwei Euro erhöhen."

Ursprünglich beteiligten sich laut Meier 180 Kinos an dem Disney-Boykott. Wie viele Kollegen das neue "Star Wars"-Abenteuer ebenfalls nicht spielen werden, weiß Meier nicht sicher: "Viele sind angesichts von Disneys Marktmacht eingeknickt. Aber ich weiß von 50 Kinos, die hart bleiben wollen." Seine Sorge sei, dass im nächsten Jahr andere Verleiher ihre Bedingungen denen von Disney anpassten, wenn die Kinobetreiber jetzt nachgeben.

Meiers Vorgehen scheint im Hauptverband Deutscher Filmtheater allerdings nicht auf einhellige Zustimmung zu stoßen. Eine Sprecherin sagte, der Verband wolle sich in dieser Angelegenheit nicht äußern. Das dürfe er nur, wenn er im Interesse aller Mitglieder Stellung beziehen könne - was in der Causa Disney und "Star Wars" nicht der Fall sei.

Auch die Cinemaxx-Kinokette und Disney selbst wollten sich mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht äußern.

kae

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insgesamt 121 Beiträge
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1.
Trainspotter 29.10.2015
"Würde ich diese Bedingungen annehmen, müsste ich den Kartenpreis von vier bis fünf Euro um zwei Euro erhöhen." - Solche Kartenpreise gab es hier in München noch nicht einmal vor 10 Jahren. Inzwischen sind zweistellige Beträge hier normal. Einer der Hauptgründe, Kinos zu meiden.
2. Wie heißt noch gleich der Film?
vlado13 29.10.2015
Achja: Das Erwachen der Macht. Ich drücke den Kinobetreibern die Daumen, denn mir scheint nicht, dass Disney von Geldsorgen geplagt wird - im Gegensatz zu so manchem Kino vor allem in kleineren Orten.
3. Gier... die reine Gier...
jdm11000 29.10.2015
... treibt soviele Firmen und Menschen um. Mehr ist das nicht. Verständlich ist, daß freie Unternehmer sich eben nicht alles gefallen lassen wollen und auch nicht dürfen (kleiner Wink am Rande: so ist das mit staatlichen Bevormundungen auch!). Daher kann ich nur eines sagen: BOYKOTT! Ich werde den Film mir dann halt auch nicht kaufen. Auch wenn ich Aktionär dieses Konzerns bin... aber da hört eben auch die Macht des Aktionärs auf: er kann gar nicht Einfluss auf so schlechte Politik nehmen.
4. So macht man das!
spon-facebook-10000015195 29.10.2015
Disney versucht aus einem schwächelnden Markt, der sich gegen Streaming, Filesharing usw. durchsetzen muss auch noch den letzten Dollar bzw. Euro rauszuquetschen. Leider wird das gerade kleinen Kinos das Genick brechen. Super gemacht Disney! Als ob man befürchten müsste, dass Star Wars die Kosten nicht einspielen würde. Da überlege ich mir jetzt ernsthaft mir diesen Film an zu sehen!
5. Das Vermarktungsmodell von Filmen
FeddaHeiko 29.10.2015
Das Vermarktungsmodell von Filmen sollte sowieso grundlegend überarbeitet werden. Dann können auch Kinos ihre Rolle darin auch neu definieren. Aber solange neue Filme monatelang nur auf der Kino-Leinwand, aber (legal) nicht bei mir zuhause laufen dürfen, habe ich da keinerlei Mitleid mit keinem der Beteiligten.
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