"Star Wars - Das Erwachen der Macht" Episode Nummer Sicher

Auf diesen Film haben die Fans gewartet, er wird Rekorde brechen. Doch leider braucht der neue "Star Wars"-Teil lange, bis er sich vom Ballast der Vorgänger befreit. Erst als es fast zu spät ist, fängt "Das Erwachen der Macht" endlich an zu fliegen.

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"Ich schaff' das! Ich schaff' das!", feuern sich Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega) an, als sie das erste Mal hinterm Steuer beziehungsweise an den Kanonen eines wahrhaft legendären Raumschiffes sitzen. Ähnlich muss es J.J. Abrams ergangen sein, als er die Verantwortung übernahm, mit Episode VII das größte Franchise der Filmgeschichte fortzuschreiben.

Das Ergebnis ist ab Donnerstag im Kino zu sehen und dürfte die Erwartungen der allermeisten Fans erfüllen. Nur überraschen wird "Das Erwachen der Macht" kaum - bis auf einen Moment.

Eigentlich war ja nach Episode VI alles geklärt. Der zweite Todesstern war zerstört, Han Solo darüber informiert, warum er keinen Grund hat, auf Luke Skywalker eifersüchtig zu sein, und Leia mit den beiden Männern sowie einer größeren Anzahl von Ewoks auf Endor glücklich vereint.

Doch das Imperium hat sich, wie man der legendären Laufschrift zu Anfang von "Das Erwachen der Macht" entnehmen kann, als "First Order" neu formiert. An dessen Spitze stehen jetzt der kaltschnäuzige Bürokrat General Hux (Domhnall Gleeson) und der heißblütige Kämpfer Kylo Ren (Adam Driver). Ihnen haben Republik und Rebellen, seit der letzte Jedi-Ritter Luke Skywalker verschwunden ist, kaum etwas entgegenzusetzen.

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"Star Wars - Episode VII": Flieg ganz unauffällig
Die Information, wo sich Luke befindet, ist denn auch von First Order und Rebellen gleichermaßen heiß begehrt. Zufällig wird ein kleiner Droid mit Namen BB-8 zum Träger des größten Geheimnisses der Galaxie, und zufällig findet er in der Plünderin Rey eine mehr als wehrhafte Beschützerin, die es zu ihrer Mission macht, den Droiden zu den Rebellen zu bringen.

Wie schon Luke und Anakin Skywalker, die Hauptfiguren der vorherigen, von George Lucas verantworteten "Star Wars"-Trilogien, lebt Rey auf einem Wüstenplaneten, und wie bei ihren Vorgängern ist das Schicksal ihrer Eltern ihre größte Wunde und ihre größte Antriebskraft zugleich. Nur wer sind ihre Eltern, und was ist mit ihnen passiert? Das ist das fast noch größere Geheimnis von Episode VII als der Verbleib von Luke.

Wessen Laserschwerter kreuzen sich wann?

Viel mehr lässt sich dann auch schon kaum mehr über die Geschichte erzählen, ohne Entscheidendes zu verraten. Die 135 Minuten Laufzeit sind durchwirkt von Reverenzen, Zitaten und Gastauftritten aus der Originaltrilogie; über allem liegt die Schicht aus Staub und Sand, die schon den ersten Filmen ihre großartige Patina gegeben hat. Wann Han, Luke und Leia (und mit ihnen Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher) ihre Szenen haben, wessen Laserschwerter sich wann kreuzen, und wann jemand sagt, dass er ein wirklich schlechtes Gefühl bei der Sache hat, macht den Großteil des Spaßes an diesem "Star Wars"-Film aus.

Nur leider kommt "Das Erwachen der Macht" die längste Zeit nicht aus diesem Huldigungsmodus heraus - für ein Epos, das den Vatermord als zentrales Motiv hat, ein durchaus ironisches Manko. Von der Unbefangenheit, mit der Abrams zuvor das "Star Trek"-Franchise modernisiert hat, ist hier nichts zu spüren. Aber bei dem Milliardengeschäft "Star Wars" war das wohl eh eine überzogene Erwartung.

So ist der verblüffende Effekt dieses Films, dass er als überaus liebevolle Hommage an die ursprüngliche Trilogie funktioniert, gleichermaßen aber auch die zweite Trilogie ins Recht setzt. Im Vergleich zu "Das Erwachen der Macht" wirken Episode I bis III nun frischer und mutiger als zu ihrer Entstehungszeit, denn von Nostalgie war und ist bei ihnen nichts zu spüren. Gewissermaßen hat George Lucas damals mehr mit dem eigenen Erbe gebrochen, als es Abrams heute gewagt hat.

Variationen von Yoda und Obi-Wan Kenobi

Überall, wo nicht Originaldarsteller, -Waffen und -Raumschiffe zum Einsatz kommen, haben Abrams und sein Co-Autor Lawrence Kasdan für leicht erkennbare Äquivalente gesorgt: Es gibt eine Obi-Wan-Kenobi-Entsprechung, eine Yoda-Variation, und die Bar in Mos Eisley entsteht ebenfalls so gut wie neu. Ausgerechnet bei der neuen Superwaffe des First Order und dessen übermächtigem Anführer versagt die Fantasie von Abrams und Kasdan gänzlich: Hier fahren sie buchstäblich nur das Bekannte fünf Mal größer auf.

Doch "Das Erwachen der Macht" hat auch neuen Charme. So sind die Dialoge tempo- und pointenreicher, und das neue Ensemble weiß sie gekonnt umzusetzen. Allen voran sorgt der britische Newcomer John Boyega für einige hübsche Lacher, seine Chemie mit der bislang unbekannten Daisy Ridley stimmt ebenfalls. Ridley wiederum ergibt eine schöne Paarung mit Harrison Fords Han Solo als väterlichem Freund - wobei die beiden neben ihren Fertigkeiten als Piloten auch die Eigenschaft teilen, einen einzigen Gesichtsausdruck besonders gut zu beherrschen.

Die Anbindung an die erste Trilogie fungiert denn auch wie eine Art Traktorstrahl für "Das Erwachen der Macht": Von einem viel mächtigeren Gefährt in schwindelerregende Höhen gezogen, hält sich der Film auf Niveau, kann aber die längste Zeit nicht eigenständig fliegen. Erst ganz kurz vor Schluss setzt er zu einem erzählerischen Kraftakt an, der eine entscheidende Verbindung kappt. Dann beginnt Episode VII endlich zu fliegen. Und die Neugier ist geweckt, was noch alles in dieser weit, weit entfernten Galaxie vor langer Zeit passiert ist.

Im Video: Der Filmtrailer zu "Star Wars - Erwachen der Macht"

Star Wars - Das Erwachen der Macht

USA 2015

Regie: J.J. Abrams

Drehbuch: J.J. Abrams, Lawrence Kasdan nach einer Vorlage von Michael Arndt

Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Adam Driver, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Lupita Nyong'o

Produktion: Lucasfilm Ltd., Walt Disney Pictures, Bad Robot

Verleih: Walt Disney Germany

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Start: 17. Dezember 2015

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insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
karpartenhund 16.12.2015
1. Liest sich gut
Hört sich an, als wenn alle zufrieden sein werden. Ok, die Berufsnörgler nicht hier um Internet, aber die gibt es immer.
Peter Werner 16.12.2015
2.
Hört sich nach einer Verbeugung vor der Original-Trilogie sowie vor deren ungezählten Fans an. Wenn dies so sein sollte: alles richtig gemacht. Der Artikel macht jedenfalls lust auf den Kinobesuch.
isoprano 16.12.2015
3.
Es gibt nur 3 Star Wars Teile. Es gab nur ein Wetten Dass. Es gibt nur ein Rudi Völler und es gab nur ein Frank Sinatra.
maxg68 16.12.2015
4. Nach anfänglicher Unsicherheit...
...ob ich mir die Kritik durchlesen soll, siegte letztendlich dann doch die Neugier, die aufgrund ihres wirklich sehr gut (weil "neutral") geschriebenen Artikels jetzt noch größer geworden ist und die Wartezeit bis Sonntag (leider?) nicht grad verkürzt. Vielen Dank. ;-)
neu_im_forum 16.12.2015
5. Danke
schöner Kommentar. Macht Lust auf mehr.
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