Sound-Designer von "Star Wars" Die Stille nach dem Sternenkrieg

Er erfand den "Star Wars"-Klang: Der Sound-Designer Ben Burtt ließ Lichtschwerter zischen, Raumschiffe kreischen - und lieh R2-D2 seine Stimme. Heute hört ihm keiner mehr zu.

ddp images/ Capital Pictures

Das Summen und Zischen der Lichtschwerter. Das "Piu! Piu!" der Laserpistolen. Darth Vaders asthmatisches Atmen. Das hysterische Piepen und Bleepen von R2-D2.

Können Sie es hören? Klar können Sie.

Das Sound-Design von "Star Wars" ist ebenso ikonisch wie der Soundtrack oder das Design des Millennium-Falken. Zu verdanken haben wir dieses ungeheuer reiche Klanguniversum Ben Burtt. Für den ersten "Star Wars"-Film "Krieg der Sterne" schuf der Sound-Designer Geräusche für Dinge, die wir noch nie gesehen hatten, und sie wirkten so natürlich und fremdartig zugleich, dass wir uns nicht vorstellen konnten, wie sie sich sonst anhören sollten.

Sein Sinn für Klänge ist erstaunlich. Wo er sie fand, überrascht häufig noch mehr: Das Trompeten eines Elefanten wurde zum furchterregenden Kreischen eines imperialen TIE Fighters. Die Schüsse einer Laserpistole entstanden, indem er mit einem Hammer gegen eine Überlandleitung schlug. Für das Summen der Lichtschwerter kombinierte er das Brummen eines alten Fernsehers mit dem alter Projektoren.

Die größte Herausforderung sei die "Stimme" von R2-D2 gewesen, so Burtt. Im Drehbuch des ersten Films hatte George Lucas nur geschrieben: "Der kleine Zwergroboter macht eine Reihe elektronischer Klänge, die nur ein anderer Roboter verstehen kann." Im Film spricht der liebenswerte Mülleimer mit Burtts Stimme. Mehr als sechs Monate habe er sich dafür zerfressen von Selbstzweifeln eingeschlossen und die Roboterstimme erschaffen. Mit Hilfe eines Synthesizers wurde aus Burtts Stimme R2-D2s Piepen, Zwitschern, Giggeln, Stöhnen und Tirilieren.

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Fotostrecke: Wie die Sounds aus "Star Wars" entstanden

Zum Start des neuen Films hat "Vanity Fair" die Legende besucht - und einen Mann getroffen, der in seinem Büro zwischen Erinnerungsstücken an seine eigene Karriere sitzt, selbst aber kaum noch gefragt ist.

Während der 69-Jährige an "Das Erwachen der Macht", dem siebten Teil der Saga, noch mitgearbeitet hat, hatte er mit "Rogue One" und dem gerade erschienenen Film "Der letzte Jedi" nichts mehr zu tun. Zu den neuen Filmen kann der Vater des "Star Wars"-Sounds denn auch nichts mehr sagen. Er hat sie sich nicht angesehen.

In einer Stellungname seines Arbeitgebers Lucasfilm heißt es: "Bei 'Das Erwachen der Macht' haben Veteranen mit einer neuen Generation von Talenten zusammengearbeitet." Und: "Ben wird immer ein Schatz bei Lucasfilm bleiben, aber wir wollen auch der neuen Generation eine Chance geben, sich zu beweisen."

Böses Blut gebe es deshalb nicht, so Burtt. "Mir wurde einfach gesagt: Bleib in deinem Zimmer und schick uns Sachen. Wir entscheiden dann, was wir damit machen."

An einer Stelle im Interview hört der Reporter Darryn King ein erstaunliches Geräusch von Burtts Schreibtisch. "Netter Sound", sagt er. "Das sind meine abgelehnten Geräusche für BB-8", antwortet der Sound-Designer.

"Ich benutze sie als Klingelton."

bma/ssu

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Zaunsfeld 17.12.2017
1.
Das gibt's in jeder Firma. Altgediente Mitarbeiter, die irgendwann mal mit jahrerlanger Kleinarbeit alles aufgebaut haben, wovon die Nachfolgegeneration profitiert, werden abgeschoben, weil man meint, alles besser machen zu können. Ein Vergleich zwischen der Qualität und dem Erfolg der alten Star Wars Filme und der neuen Star Wars Filme zeigt, wer es wirklich besser gemacht hat.
reflexxion 17.12.2017
2. Na ja, soll er doch in Rente gehen
Niemand hat in der heutigen Arbeitswelt eine Beschäftigungsgarantie für alle Zeiten. Der erste teil kam 1978 in die Kinos, das heißt die Dreharbeiten dürften schon vor 30 und mehr Jahren begonnen haben. Mr. Burtt hat im weiteren den Nachteil, das Lucas Arts jetzt zu Disney gehört, mehr Pech kann man wohl kaum haben. Sieht man sich die letzten beiden Filme an (den aktuellen konnte ich noch nicht sehen) dann war da die Luft aber so was von raus, eine mehr als dämliche Handlung mit zumindest bei mir vollkommen unbekannten Schauspielern zeigt nur, Star Wars allen macht noch keinen guten Film aus. Ich bin ein großer Fan der ersten drei Filme die ins Kino kamen, also IV - VI. Dann kam der Bruch zu Episode I, um im Thema zu bleiben war das eine schwere Erschütterung der Macht, die Episoden II und II wurden nicht besser und so dachte man, da ist jetzt wohl der Tiefpunkt erreicht - das sollte mit Teil VII aber bestraft werden denn der ist noch schlechter gewesen. Da hätte dann auch der beste Soundeffekt nichts mehr gerettet. Übrigens, im Weltall herrscht Vakuum, da kann man keine Geräusche hören egal ob Antriebe von Raumschiffen oder irgendwelche Waffen oder Explosionen. Also nix mit Piü-Piü Geräusch, alles nur The Sound of Silence.
gigantusxx 17.12.2017
3. Walt Disney und die Star Wars Saga
Ist wirklich unverschämt von Walt Disney einen 70-jährigen Tontechniker in Rente zu schicken und durch junge Nachfolger zu ersetzen (Ironie). Und zum Thema Qualität bzw. Erfolg der neuen Star Wars Filme, Star Wars 7 hat über 2 Mrd. und Star Wars 8 in den ersten vier Tagen weltweit 450 Millionen US-Dollar eingespielt. Aber wahrscheinlich hängt es davon ab wie jemand Erfolg definiert. Gott bewahre, dass Walt Disney versucht mit ihren Filmen Geld zu verdienen. Und nicht versucht Filme zu produzieren die irgendwelche Hardcore-Fans zufriedenstellen.
großwolke 17.12.2017
4. Und andersrum
Zitat von ZaunsfeldDas gibt's in jeder Firma. Altgediente Mitarbeiter, die irgendwann mal mit jahrerlanger Kleinarbeit alles aufgebaut haben, wovon die Nachfolgegeneration profitiert, werden abgeschoben, weil man meint, alles besser machen zu können. Ein Vergleich zwischen der Qualität und dem Erfolg der alten Star Wars Filme und der neuen Star Wars Filme zeigt, wer es wirklich besser gemacht hat.
Und etwas anderes gibt es auch in vielen Firmen: dass auf einmal das Chaos ausbricht, weil sich in Ehren ergraute Experten völlig unvorhersehbar aufs Altenteil zurückziehen. So, wie es der Artikel schildert, hätte ich es als Manager auch gemacht: zur richtigen Zeit die Jungen vom Alten lernen lassen, ihn beim nächsten Projekt noch als Backup vorhalten und ihn dann, solange er noch mitspielen will, als Experten für sein Spezialgebiet über die ganze Firma verteilen. Oder noch einen Junior zur Einarbeitung an die Hand geben. Der Mann ist 69. Als Kreativer kann er im besten Fall noch 20 Jahre lang gute Sachen machen. Oder wenns blöd läuft morgen vom Schlag getroffen werden oder einfach die Brocken hinschmeißen.
John McC!ane 17.12.2017
5. Irgendwie ironisch...
...dass es Tomlinson Holman, der Chef-Toningenieur von George Lucas in den 70ern, mit den Star Wars-Filmen zu weit mehr Bekanntheit gebracht hat! Kennt Ihr nicht? THX = Tomlinson Holman Experiments - dieser weltbekannte Qualitätsstandard für Kinosound (nicht zu verwechseln mit Surroundsound) wurde extra für die Star Wars Filmreihe entworfen und Hersteller von HiFi-Komponenten zahlen Unsummen für diese Zertifizierung!
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